Missbrauchsskandal Entschädigung durch Kirche rückt näher

In der kommenden Woche will die Bischofskonferenz ihre neuen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch veröffentlichen. Nach Informationen des SPIEGEL sollen Fälle künftig "unmittelbarer" angezeigt werden. Kirchenintern spricht man von einem "großen Wurf."


Hamburg - Die katholische Kirche will zukünftig sexuellen Missbrauch "unmittelbarer" als bisher bei der Staatsanwaltschaft anzeigen, allerdings nicht in jedem Fall von Beginn eines Verdachts an. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann aus Trier, meinte dazu, man müsse die "Anzeigepflicht und die Sorge um die Opfer in Einklang bringen".

Das künftige Vorgehen beim Umgang mit sexuellem Missbrauch regeln die überarbeiteten Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz, die am Dienstag dieser Woche in Trier veröffentlicht werden sollen. Die neuen Leitlinien, heißt es kirchenintern, seien "ein großer Wurf". Sie gelten nicht nur für den engeren Kreis von Geistlichen, sondern erstmals auch für Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.

Sämtliche 27 Bistümer wollen sie sofort übernehmen, die Ordensgemeinschaften jedoch wurden nur um eine Übernahme "gebeten", da sie nicht der Bischofskonferenz unterstehen. Dort werden abweichende Regularien erwartet.

Zahlreiche Vertreter von Missbrauchsopfern hoffen nach der monatelangen Debatte über Missbrauch vor allem auf klare Aussagen über eine finanzielle Entschädigung. Dazu mochte sich Ackermann zwar nicht konkret äußern, doch die Bischofskonferenz, hieß es jetzt gegenüber dem SPIEGEL, werde "sich Entschädigungsforderungen nicht verschließen".

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes hieß es, die Formulierung "Anzeigepflicht und die Sorge um die Opfer in Einklang bringen", habe Bischof Ackermann gegenüber dem SPIEGEL geäußert. Das ist nicht richtig. Er machte diese Aussage gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.