US-Missbrauchsskandal Kardinal Bernard Law ist tot

Der ehemalige Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Law, ist gestorben. Er war eine zentrale Figur im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in den USA.

Kardinal Bernard Law im Jahr 2002 in Boston
REUTERS

Kardinal Bernard Law im Jahr 2002 in Boston


Der Tod von Kardinal Bernard Law öffnet alte Wunden. "Viele Opfer werden an ihren Schmerz erinnert", sagte Rechtsanwalt Mitchell Garabedian, der einst Dutzende Missbrauchsopfer aus dem US-Bundesstaat Massachusetts vor Gericht vertreten hatte. Der nun verstorbene Geistliche habe "unschuldigen Kindern den Rücken gekehrt und zugelassen, dass sie missbraucht wurden".

Bernard Law starb am frühen Mittwochmorgen im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in Rom. Er war im Zuge des Missbrauchsskandals 2002 um pädophile Priester in den USA in die Kritik geraten.

Ein Journalisten-Team des "Boston Globe" hatte den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufgedeckt. Die Geschichte des Skandals wurde 2015 in dem Oscar-prämierten Film "Spotlight" des Regisseurs Tom McCarthy erzählt.

Law soll in seiner Eigenschaft als Erzbischof von Boston verhindert haben, dass solche Taten ans Licht kommen. So ließ er mutmaßliche Missbrauchstäter mehrmals innerhalb des US-Bundesstaats Massachusetts versetzen, ohne die Eltern der betroffenen Kinder oder die Behörden zu informieren. Kirchendokumente belegten, dass er Kenntnis hatte von zahlreichen Übergriffen auf Minderjährige. So soll allein einer von Dutzenden Priestern über Jahrzehnte 130 Kinder belästigt oder vergewaltigt haben. Law trat im Dezember 2002 von seinem Amt zurück.

Die Hintergründe des Rücktritts erschütterten nicht nur die katholische Kirche in den USA. In der Folge wurde systematischer Missbrauch in der Institution weltweit aufgedeckt.

Bernard Law 2002 in der Cathedral of the Holy Cross in Boston
REUTERS

Bernard Law 2002 in der Cathedral of the Holy Cross in Boston

Der Vatikan berief Law nach seinem Rücktritt zum Erzpriester der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom. Durch den Umzug entging er einer bereits erlassenen Vorladung des Staatsanwalts zum Vorwurf der Beihilfe zum Kindesmissbrauch. Mitte 2003 gab die Generalstaatsanwaltschaft von Massachusetts bekannt, dass gegen Law und weitere Verdächtige keine Anklage erhoben werde.

Missbrauchsopfer zeigten sich empört angesichts Laws neuer Karriere im Zentrum der Christenheit. Zwar verlor er an Macht und Einfluss, blieb aber Kardinal und nahm am Konklave 2005 teil, das Joseph Ratzinger zum Papst machte. Bis zu seiner Erkrankung bewegte sich der Kardinal in diplomatischen Kreisen, er nahm an Empfängen teil, auch in der US-Botschaft im Vatikan.

Law war 1984 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof der wohlhabenden Erzdiözese Boston berufen worden. Er bekleidete das Amt 18 Jahre lang.

Law kam am 4. November 1931 im mexikanischen Torreon zur Welt. Sein Vater diente bei der U.S. Army, seine Mutter war Musikerin. Er machte seinen Abschluss in Harvard und wurde 1961 zum Priester geweiht. Seinen ersten Einsatz hatte er im US-Bundesstaat Mississippi, wo er Todesdrohungen erhielt, weil er sich für Bürgerrechte einsetzte. Als Bischof von Springfield-Cape Girardeau in Missouri eröffnete er ein Frauenhaus und ein Hilfszentrum für vietnamesische Flüchtlinge.

ala/dpa/Reuters/AFP



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