Missbrauchsverdacht: Deutscher Olympia-Schwimmtrainer vor Gericht

Der Vorwurf lautet auf Missbrauch einer Schutzbefohlenen: Ein Schwimmtrainer der deutschen Olympia-Mannschaft muss sich vor Gericht verteidigen, weil er das Betreuungsverhältnis zu einer minderjährigen Sportlerin ausgenutzt haben soll. Ihm drohen bis zu vier Jahre Haft.

Kiel/Hamburg - Der Prozess rollt mutmaßliche Vergehen aus den Jahren 2004 bis 2006 auf: Ein Schwimm-Trainer der deutschen Olympia-Mannschaft muss sich am kommenden Dienstag wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen vor dem Kieler Amtsgericht verantworten. Oberstaatsanwalt Axel Bieler bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Anklage wirft dem 40-jährigen Mann vor, sich in dem genannten Zeitraum in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmerin vergangen zu haben. Der Verteidiger des Trainers, Kai Dupré, wies die Vorwürfe der Anklage zurück.

Laut Anklage nutzte der Mann das besondere Betreuungsverhältnis als Trainer zu der jungen Sportlerin aus. Die Frau ist in dem Verfahren Nebenklägerin. Dagegen sagte Anwalt Dupré, dass im Prozess geklärt werden müsste, ob tatsächlich ein Betreuungsverhältnis bestanden habe. "Dies ist rechtlich nicht so eindeutig", sagte der Anwalt. Der Angeklagte hat sich bis zum Zeitpunkt der Anklageerhebung nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Oberstaatsanwalt Bieler.

"Es gilt die Unschuldsvermutung"

Der Generalsekretär des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Jürgen Fornoff, reagierte konsterniert. Wären die Vorwürfe vor den Spielen bekanntgewesen, wäre der Mann nicht vom DSV mitgenommen oder nominiert worden. "Bis zum Beweis des Gegenteils gilt für uns weiterhin die Unschuldsvermutung", sagte Fornoff.

Laut Anklage kam es 2004 auf Kreta bei einem gemeinsamen Urlaub zu einem ersten sexuellen Kontakt zwischen dem Trainer und der jungen Frau, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Der Urlaub habe mit Zustimmung der Eltern stattgefunden, sagte Bieler. Die Staatsanwaltschaft sei überzeugt, dass der sexuelle Kontakt zwar einvernehmlich stattfand, aber unter Ausnutzung des Betreuungsverhältnisses als Schwimmtrainer.

Nach Darstellung des Anwalts war die junge Schwimmerin zum Zeitpunkt des ersten sexuellen Kontaktes bereits über 16 Jahre alt gewesen. "Wenn das Gericht in der Beweisaufnahme zu dem Schluss käme, der sexuelle Kontakt war einvernehmlich und es habe kein besonderes Betreuungsverhältnis bestanden, dann bliebe mein Mandant straflos," sagte Dupré. Nach seinen Worten sei "Einiges noch ungereimt". Es müsse im Verfahren auch geklärt werden, warum erst 2009 eine Strafanzeige erstattet worden sei.

2009 hatten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft begonnen. Im September 2011 wurde Anklage erhoben, sagte Oberstaatsanwalt Bieler.

Das Schöffengericht kann bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von maximal vier Jahren verhängen. Bei einem höheren Strafantrag müsste der Fall vor dem Landgericht verhandelt werden. Für das Verfahren wurde ein Verhandlungstag anberaumt.

bos/dpa

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