Missbrauchsvorwürfe Netflix kappt Beziehungen zu Kevin Spacey

Der Streamingdienst Netflix zieht die Reißleine. Er beendet die Zusammenarbeit mit Kevin Spacey nach immer mehr Missbrauchsvorwürfen. Auch sein neuer Film "Gore" wird nicht ausgestrahlt.

Kevin Spacey
AP

Kevin Spacey


Netflix wird es zu viel. Immer neue Vorwürfe der sexuellen Belästigung tauchen gegen Kevin Spacey auf. Angesichts dessen hat sich der US-Streamingdienst nun endgültig von dem Schauspieler getrennt und ihn von weiteren Produktionen der Serie "House of Cards" ausgeschlossen. Dort hatte Spacey seit 2013 die Figur des intriganten US-Präsidenten "Frank Underwood" gespielt.

"Netflix wird sich an keiner weiteren Produktion von "House of Cards" beteiligen, an der Kevin Spacey mitwirkt", teilte das Unternehmen mit. Es werde noch ausgewertet, ob die Serie ohne den Oscar-Gewinner als Hauptdarsteller fortgesetzt werde. Die beteiligte Produktionsfirma Media Rights Capital betonte, man suche in Partnerschaft mit Netflix eine kreative Lösung für die Lücke in dem Programm. Daneben würden die ernsthaften Vorwürfe weiter untersucht. Spacey sei suspendiert.

Darüber hinaus will Netflix auch den von Spacey produzierten Film "Gore", der 2018 ausgestrahlt werden sollte und in dem der Schauspieler selbst die Rolle des Autoren Gore Vidal spielt, nicht veröffentlichen. Netflix hatte wegen der Anschuldigungen gegen Spacey bereits die Dreharbeiten zur sechsten Staffel von "House of Cards" gestoppt.

Mitarbeiter der Serie hatten jüngst dem Sender CNN berichtet, am Set habe wegen der häufigen Übergriffe des 58-Jährigen gegenüber jungen männlichen Angestellten eine "vergiftete Atmosphäre" geherrscht. Zuletzt hatten acht ehemalige und aktuelle Mitarbeiter der Serie "House of Cards" offen über sexuelle Belästigung durch Spacey gesprochen.

Unterdessen bestätigte Scotland Yard eine Untersuchung zu einem sexuellen Übergriff aus dem Jahr 2008 in London, laut britischen Medien soll es sich dabei um Spacey handeln.

Spacey war zuvor von dem Schauspieler Anthony Rapp beschuldigt worden. Dieser berichtete in einem Interview, er sei 1986 als 14-Jähriger auf einer Party von Spacey sexuell bedrängt worden. Der Oscar-Preisträger hatte sich für den Vorfall, an dem ihm die Erinnerung fehle, entschuldigt und sich zeitgleich als schwul geoutet. Diese Verbindung beider Aussagen durch Spacey war in der Öffentlichkeit stark kritisiert worden.

Vorwürfe gegen Prominente

Spacey ist mittlerweile einer von mehreren großen Namen im US-Filmgeschäft, die mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs konfrontiert sind. Auslöser der jüngsten Debatte waren vor rund einem Monat Enthüllungen, denen zufolge der US-Filmproduzent Harvey Weinstein über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigte.

Mehr als hundert Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet, darunter Stars wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Mehrere Frauen werfen Weinstein Vergewaltigung vor, darunter nun auch die aus der Serie "Boardwalk Empire" bekannte Schauspielerin Paz de la Huerta.

Die New Yorker Polizei kündigte am Freitag an, im Fall der Schauspielerin einen Haftbefehl gegen Weinstein wegen Vergewaltigung vorzubereiten. Würde Weinstein sich in New York aufhalten, "dann würden wir ihn unverzüglich festnehmen", sagte der Chefermittler der New Yorker Polizei, Robert Boyce.

kig/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fr3ih3it 04.11.2017
1. Keine Überraschung
All diese Missbrauchs Skandale die momentan aufgedeckt werden überraschen mich nicht. Es war zu erwarten, dass es in Hollywood tausendfach zu solchen Fällen kommt. Selten gibt es ein so starke Macht und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Produzenten, Stars und aufstrebenden Künstler, wie in der Filmindustrie. Jedoch traue ich es gerade dieser Branche zu, dass schnell Einzelne damit fertig gemacht werden.
112211 04.11.2017
2. Neue Meldungen von der Castingcouch
Diese doppelmoralinsaure Hexenjagd! Erst schmeißen sich Stars und Sternchen Produzenten und anderen einflussreichen Personen aus der TV und Filmbranche an den Hals, kuscheln sich und mit denen auf der berühmten Castingcouch, hoffend, dass man so schneller die ersehnte in Schwung kommen könnte, und am Ende war es Missbrauch. Jetzt werden die alten Geschichten wieder hervor gekramt. Da sollen die Herren und Damen Denunzianten aufpassen, dass sich niemand an ihre Fehltritte auf den besagten Polstermöbeln erinnert.
kuac 04.11.2017
3.
Da ist viel Heuchelei dabei. Ein Britischer Minister muss zurücktreten, weil er einer Frau am Knie angefasst hatte. Und der sich offen bekennender Sexualtäter US Präsident Trump bleibt weiterhin im Amt!
whitewisent 04.11.2017
4.
Mal zusammengefasst, es gibt aktuell sehr populäre Vorwürfe über das Fehlverhalten in der Vergangenheit eines Künstlers. Es gibt dazu weder eine Anklage noch ein Urteil durch die Justizbehörden der jeweiligen Länder. Es gibt aber auch die Bekenntnis von vielen Kollegen und Wegbegleitern, welche die Kenntnis über die Vorkommnisse, das grundsätzliche Verhaltensmuster oder allgemeine "Gerüchte" darüber bereits vor Jahren und Jahrzehnten bestätigen. Darüber haben nur Medien nicht in dieser Form berichtet. Was ist es also, was aktuell geschieht, und wo Lebenswerke zerstört werden? Wem bringt es was, wenn nicht die vorgesehenen Instrumente von Schuld und Sühne wie auch die Möglichkeit außergerichtlicher Vergleiche akzeptiert werden, sondern man sich unter dem vermeintlichen Druck einer sehr kleinen Gruppe von Aktiven beugt, welche im Web Shitstorms organisieren? Schon die Frage, wie die Lage wäre, wenn das Opfer nicht ein vermeintlich 14jähriges Kind gewesen wäre, sondern ein 17jähriger Jugendlicher (der auch unter den gesetzlichen Schutz fällt), hätte eine andere Stimmung hervorbringen können. Sex auf der "Besetzungscouch" ist offenbar seit Jahrzehnten bzw. seit Jahrhunderten (für Theater) so verbreitet, daß er als Klischee für Witze und Zoten taugt, an dem niemand mehr etwas Anstößiges findet. Ja, strahlt keine Produktionen von derartigen Leuten mehr aus. Weder Spacey, Weinstein, Hoffmann, Polanski, Allen, Carradine noch Anderen gehören mehr auf den Bildschirm und die Leinwand. Genausowenig wie diese Produktionen von religiösen Eiferern wie Cruise, Gere oder Gibbson (Vorsicht Sarkasmus). Nur sollte man sich jetzt, am Anfang vieleicht fragen, wo ein derartiges Verhalten endet. Denn wenn es nicht mehr nur das Handeln einzelner ist, sondern globale Weltkonzerne diese Entscheidungen treffen, ist das wirklich im Interesse der Opfer und der Allgemeinheit, oder machen wir uns nicht erpressbar für einen Druck, den ein Großteil der Bevölkerung weder will, noch vertritt`?
Lagrange 04.11.2017
5. ...
Echt verdammt schade. In meinen Augen einer der besten - wenn nicht DER beste Schauspieler - den es gerade in Hollywood gibt. Trotzdem ist es natürlich die einzig richtige Entscheidung bis ur Aufklärung keine Filme mehr mit ihm zu drehen - und wenn es sich bewahrheitet, muss seine Karriere leider auch zu Ende gehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.