Misshandlung von Flüchtlingen Ermittler durchsuchen Zentrale von European Homecare

Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Siegen haben die Zentrale des Flüchtlingsheim-Betreibers European Homecare durchsucht. Ein ehemaliger Subunternehmer erhebt schwere Vorwürfe gegen die Firma.

Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft mit Unterlagen: Durchsuchung am Firmensitz von European Homecare
DPA

Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft mit Unterlagen: Durchsuchung am Firmensitz von European Homecare


Essen - In einem von der Essener Firma European Homecare betriebenen Heim misshandelten private Wachleute Flüchtlinge. Bei den Ermittlungen zu dem Fall hat die Staatsanwaltschaft Siegen nun den Firmensitz des Unternehmens durchsucht. Ermittler nahmen kistenweise Unterlagen mit.

Namentlich nicht genannte Sicherheitskräfte hatten zuvor im WDR-Magazin "Westpol" Vorwürfe gegen European Homecare erhoben. Sie behaupteten, das Unternehmen sei über Strafmaßnahmen gegen Flüchtlinge informiert gewesen und habe sie sogar teilweise selbst angeordnet. Der Geschäftsführer des in die Kritik geratenen Sicherheitsunternehmens SKI, Walter Stilper, äußerte sich ähnlich, ohne dabei European Homecare zu nennen.

Der Heimbetreiber hatte SKI laut der Bezirksregierung Arnsberg den Sicherheitsdienst in Burbach übertragen. SKI wiederum engagierte einen weiteren Subunternehmer. Laut Bezirksregierung wurde SKI inzwischen gekündigt. SKI war auch in einer anderen Flüchtlingsunterkunft von European Homecare für die Sicherheit verantwortlich; auch dort soll es zu Misshandlungen von Bewohnern gekommen sein.

Laut Stilper lösten Anweisungen von Betreuern in mehreren Situationen Ausschreitungen aus. So sei Muslimen während des Ramadans verboten worden, nach 22 Uhr zu kochen, sagte er der "Nürnberger Zeitung". Seine Mitarbeiter seien wiederholt angegriffen und schwer verletzt worden. Von Seiten der Behörden seien sie oft alleingelassen worden.

Die Übergriffe von Wachleuten auf Flüchtlinge machten ihn dennoch fassungslos, sagte Stilper. "Ich schäme mich entsetzlich." Er selbst habe das Betreiben eines Problemzimmers in Burbach verboten, als er davon gehört habe. Außerdem habe er European Homecare unterrichtet. Das Zimmer sei von Sozialarbeitern mit Wissen und Billigung der Heimleitung eingerichtet worden. "Wir hätten dort 14-Jährige einsperren sollen oder auch Frauen - das ist doch vollkommen krank."

ulz/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Q9653 06.10.2014
1. Das Problem ...
... ist der Staat, der sich auf seiner Verantortung stiehlt, indem er hohheitliche Aufgaben ousourced. Die Folgen sind zwangsläufig. Noch eine Anmerkung: gerade in Deutschland sollte es mit "lagern" keine Probleme mehr geben!!! Ich kann die Verantwortlichen in der Politik deshalb auch nicht verstehen und daher für ihre Praktiken auch keinerlei Verständnis aufbringen!!
freespeech1 06.10.2014
2. traurig, aber nicht anders zu erwarten
Wie üblich wird die Verantwortung von oben nach unten durchgeschoben. Die Wachleute ganz unten haben dann die Ar...karte, auf wie wird eingedroschen, obwohl sie mit der Situation vor Ort völlig überfordert sind, wie es auch die Kritiker wären. Politische Verantwortung ist ein absolutes Fremdwort bei der Landesregierung. Und alle schämen sich natürlich ;o) Solche Sammelunterkünfte müssen unter die direkte und unmittelbare Verantwortung der Landesregierung gestellt werden. Die haben keine Ahnung oder wollen keine Ahnung haben, was im Land NRW vorgeht. Das gilt nicht nur in diesem Fall.
iwbas 06.10.2014
3. wenn sich hier
zwei drei unternehmen noch die tasche füllen können, ohne was dafür zu tun, weil man einfach den auftrag nach abzug einer marge weiterreicht, scheint es ja ein gar nicht so schlecht zu verrechnender Stundensatz zu sein. Die Deppen sind dann die Sicherheitskräfte vor Ort mit Stundenlöhnen von 7,50, obwohl auch 10,00 drin wären, wenn der eigentlich Beauftragte diesen Job auch durchführen würde.
jac8 06.10.2014
4. Jetzt Konsequenzen ziehen!
Offenbar soll nun die Verantwortung für derartige Vorgänge nach unten "durchgereicht werden". Das kann kein Bürger in NRW so akzeptieren. Unser Bundesland steht weltweit am Pranger für die menschenunwürdige BEhandlung von Flüchtlingen. "Guantanamo in NRW!" Jetztz unterbezahlte und überforderte Wachleute oder Subunternehmer von Subunternehmern zu kündigen und so Aktionismus medial vermitteln, ist wenig hilfreich! Die Zuzstände wurden ja bereits mehrfach nach oben gemeldet. Bspw. Dortmund hat die Landesregierung und Minitster Jäger vor Bekanntwerden dieser Skandalen bereits informiert, dass die Zustände nicht haltbar sind. Wenn Minister Jäger zuvor lautstark den Rücktritt von anderen Ministern gefordert hat, muss er jetzt selbst Flagge zeigen und seinen Hut nehmen. Bei anderen höchste moralische Maßstäbe fordern und sich selbst aus der Verantwortung stehlen ist nicht hinnehmbar und dieses Gebaren ist auch ein Grund für größtmögliche Verärgerung und Politikverdruss in der BEvölkerung! (Und darüber wundert man sich anschließend in der Politik??)
mistergarak 06.10.2014
5. Ob 7,50 oder 10,00 € für die Wachleute....
Zitat von iwbaszwei drei unternehmen noch die tasche füllen können, ohne was dafür zu tun, weil man einfach den auftrag nach abzug einer marge weiterreicht, scheint es ja ein gar nicht so schlecht zu verrechnender Stundensatz zu sein. Die Deppen sind dann die Sicherheitskräfte vor Ort mit Stundenlöhnen von 7,50, obwohl auch 10,00 drin wären, wenn der eigentlich Beauftragte diesen Job auch durchführen würde.
ist vollkommen egal! Der Skandal ist doch nicht, das die völlig überforderten Sicherheitsleute unter dem Druck explodiert sind! Der wahre Skandal ist das die Politiker das Problem Asylbewerber für wenig Geld an die Wachfirmen abgeschoben haben! Wären die jetzt so Betroffenheit heuchelnden Politiker wirklich an den Problemen der Flüchtlinge interessiert gewesen, hätte man für eine bessere Unterbringung und vor allem Betreuung durch Dolmetscher, Sozialarbeiter, Ärzte und Psychiater gesorgt! Aber dafür ist natürlich kein Geld da und die Wachleute sind ja auch passende Sündenböcke! Die eigentlichen Verantwortlichen (unsere lieben Politiker) können natürlich wie immer nichts dafür das alles auf Grund ihrer Gesetze und Etats den Bach runter geht! LOL
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.