Misshandelte Geschwister aus Kalifornien "Sie erzählen ihre Geschichte, aber sie erzählen sie langsam"

Die Eltern, die ihre Kinder jahrelang gefangen gehalten haben sollen, dürfen keinen Kontakt mehr zu den 13 Geschwistern aufnehmen. Die Opfer schildern laut Staatsanwaltschaft Details ihres Martyriums.

Ballons und Blumen vor dem Elternhaus in Perris
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Ballons und Blumen vor dem Elternhaus in Perris


Die 13 Kinder und Erwachsenen, die jahrelang in ihrem Elternhaus im kalifornischen Perris festgehalten und misshandelt wurden, befinden sich weiterhin im Krankenhaus. Das sagte der Bezirksstaatsanwalt für Riverside County, Mike Hestrin, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Die Geschwister seien erleichtert, nicht mehr in dem Haus leben zu müssen, sagte er.

Nach und nach würden die Geschwister mehr über ihre Gefangenschaft berichten, sagte Hestrin. "Opfer in dieser Art von Fällen... sie erzählen ihre Geschichte, aber sie erzählen sie langsam."

Die Polizei hatte Mitte Januar das Martyrium der 13 Geschwister beendet, nachdem eine 17-jährige Tochter sich selbst befreit und den Notruf gewählt hatte. Die Geschwister im Alter zwischen zwei und 29 Jahren waren teilweise mit Vorhängeschlössern an ihre Betten gekettet. Sie waren stark unterernährt, weshalb die Polizei sie zunächst allesamt für minderjährig hielt. Später stellte sich heraus, dass sieben von ihnen erwachsen sind.

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Kalifornien: Folter, schwere Misshandlung, Kindesgefährdung

Den Eltern wird Folter und Kindesmisshandlung vorgeworfen, ihnen droht jeweils eine lebenslange Haftstrafe. Das Ehepaar hatte die Vorwürfe bei einem ersten Termin vor Gericht zurückgewiesen und laut Staatsanwaltschaft auf "nicht schuldig" plädiert. Am Mittwoch erschienen die beiden erneut vor Gericht in Riverside County. Ein Richter verbot ihnen dabei, Kontakt zu den 13 Geschwistern aufzunehmen. Sie dürfen nur durch Anwälte oder Ermittler mit ihren Kindern kommunizieren.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Geschwister über einen langen Zeitraum hinweg misshandelt. Ihnen sei nicht erlaubt worden, öfter als ein Mal im Jahr zu duschen. Arztbesuche seien ihnen verboten gewesen. Oft hätten sie nicht einmal auf die Toilette gehen können, weil die Eltern ihnen die Fesseln nicht abnehmen wollten.

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Neueren Erkenntnissen zufolge wurden die 13 Kinder nicht gemeinsam festgehalten, sondern in kleineren Gruppen auf mehrere Räume verteilt. Sie hatten keinen Zugang zu Fernsehern oder Radios, wie Hestrin sagte. Die Geschwister hätten aber lesen und schreiben können, im Haus seien Hunderte Hefte gefunden worden. "Mir scheint es so, als hätten sie keinerlei Verständnis dafür gehabt, wie die Welt funktioniert."

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass den Behörden zahlreiche Adoptionsgesuche für die Kinder vorliegen. Es gebe Anfragen für alle 13 Opfer, sagte demnach eine Mitarbeiterin des Jugendamts in Riverside. Letztlich liege die Entscheidung darüber aber bei den Gerichten.

aar/AFP/AP



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