US-Universität: Studenten protestieren mit rassistischen Sprüchen gegen Obama

Ein Obama-Wahlplakat stand in Flammen, rassistische Parolen schallten über den Campus: An der Universität von Mississippi kam es zu Protesten gegen die Wiederwahl des US-Präsidenten. Zwei Teilnehmer wurden festgenommen.

Obama im Bundesstaat Mississippi im Oktober 2012: Proteste gegen den Präsidenten Zur Großansicht
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Obama im Bundesstaat Mississippi im Oktober 2012: Proteste gegen den Präsidenten

Jackson - Studenten haben an der Universität von Mississippi gegen die Wiederwahl des US-Präsidenten protestiert. Einige von ihnen zündeten ein Wahlplakat von Barack Obama und Joe Biden an und riefen rassistische Parolen aus. Zwei Menschen wurden wegen Trunkenheit und Widerstand gegen die Anweisungen der Polizei festgenommen. Dies bestätigte die Universität, die den Vorfall verurteilt und eine Untersuchung angekündigt hat.

Die Unruhe auf dem Campus soll am Dienstagabend mit einer Versammlung von 30 bis 40 Studenten begonnen haben. Nachdem sich die Nachricht über soziale Netzwerke verbreitet hatte, sei die Gruppe jedoch schnell angewachsen. Die Rede war von rund 400 Personen.

Laut einem Bericht der "Daily Mail" soll es sich bei den Krawallmachern um frustrierte Wähler gehandelt haben, die unzufrieden damit waren, dass Obama weitere vier Jahre an der Macht sein wird. Per Twitter schrieb ein Nutzer, dass die meisten Menschen, die zu der Zeit auf dem Campus waren, gar nicht protestieren, sondern nur sehen wollten, was los war. Ein anderer schreibt: "Eine Schande für den Campus, der sich ganz schön geändert hat."

Verletzt wurde US-amerikanischen Medienberichten zufolge niemand. Zunächst hat es geheißen, es seien auch Steine auf Autos geworfen worden. "Leider wurden da Social-Media-Kommentare zitiert, die nicht stimmten", sagte Hochschulkanzler Dan Jones einem TV-Sender aus Louisiana. Was jedoch über die rassistischen Sprüche geschrieben worden war, sei offenbar wahr.

Kundgebung mit Kerzen

Für die Hochschule ist genau dieser Punkt äußerst unangenehm. Erst Anfang Oktober erinnerte die University of Mississippi an einen denkwürdigen Tag vor 50 Jahren. Damals hatte sich der erste schwarze Student an der Bildungseinrichtung eingeschrieben, die besser als Ole Miss bekannt ist. Der junge Mann namens James Meredith hatte hart für die Aufnahme an der Uni kämpfen müssen - eine erfolgreiche Klage hat ihm den Weg ins Studium geebnet.

Die Behörden setzten damals, um Unruhen vorzubeugen, mehr als 3000 Soldaten und 500 Polizisten ein. Es kam trotzdem zu gewalttätigen Protesten, bei denen zwei weiße Männer getötet und rund 200 Menschen verletzt wurden.

Hochschulkanzler Jones will verhindern, dass rassistische Vorfälle am Image von Ole Miss kratzen. "Wir werden den Vorfall gründlich untersuchen", sagte er. So sollten Tatsachen ermittelt und nötige Folgemaßnahmen ins Leben gerufen werden. "Wir schämen uns dafür, dass ein paar Studenten unsere Universität verunglimpft haben. Die große Mehrheit verurteilt rassistische Parolen - und diese jungen Menschen sind repräsentativ für unsere Überzeugungen."

Um diese zu bekräftigen, plant die Universität für Mittwochabend (Ortszeit) einen Kerzenmarsch. Das Motto: "We are One Mississippi". In dem US-Bundesstaat machen Schwarze rund 37 Prozent der Bevölkerung aus. An der University of Mississippi sind es rund 16 Prozent der Studenten.

jus/dapd/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1. Bruder gegen Bruder...
astartenherz 08.11.2012
Und wieder einmal stellt sich Mensch gegen Mensch. Jeder Mensch sollte das Recht besitzen, seine eigene Wahrheit zu besitzen und zu verfolgen. Wenn jedoch Argumente der Gewalt und stupider Ausübung von degeneriertem Verhalten weichen, dann ist es mit einem einfachem Kopfschütteln nicht mehr getan. Gerade wir leben in einem Land, das vond er Geschichte geschunden wurde. Warum können Menschen nicht dazulernen ? Warum immer die selben Fehler ? Man ist geneigt zu denken, Studenten streben nach Wissen, nach Bildung, nach Weisheit. Meine Güte, Kinder, es ist genug...
2. abwiegeln abwiegeln abwiegeln.
die-dicke-aus-der-uckerm. 08.11.2012
Zitat von astartenherzUnd wieder einmal stellt sich Mensch gegen Mensch. Jeder Mensch sollte das Recht besitzen, seine eigene Wahrheit zu besitzen und zu verfolgen. Wenn jedoch Argumente der Gewalt und stupider ......
Auch hier bei uns sind die Rechtsradikalen eine kleine Gruppe, wie die Rassisten an Ole Miss. Das waren die Nazis als im Münchner Bürgerbräukeller randalierten auch noch. Und 10 Jahre später ?? Es ist in den Köpfen und da sieht man es nicht.
3. Überraschung
beschwingt 08.11.2012
Das macht die Sache nicht besser, aber das es gerade im Süden der USA schon noch den einen oder anderen Rassisten gibt, ist wohl kaum überraschend. Gerade hier ist gegenseitiger Rassenhass noch präsent, und viel davon wird mit dünnen Lippenbekenntnissen überspielt.
4.
deus-Lo-vult 08.11.2012
Zitat von sysopEin Obama-Wahlplakat stand in Flammen, rassistische Parolen schallten über den Campus: An der Universität von Mississippi kam es zu Protesten gegen die Wiederwahl des US-Präsidenten. Zwei Teilnehmer wurden festgenommen. Mississippi: Studenten protestieren gegen Wiederwahl von Obama - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mississippi-studenten-protestieren-gegen-wiederwahl-von-obama-a-865985.html)
Naja, Mississippi eben. Dort gibt es auch immer noch Gebiete, in die kein Schwarzer reingeht! Also jedenfalls in den ländlichen Gebieten. Dort ist der Klan auch noch ganz offen vertreten.
5.
Rahvin 08.11.2012
Solange es beim Kerzenmarsch bleibt und die weißen Gewänder und Holzkreuze (die auch schnell mal Feuer fangen können) zuhause bleiben. Rassismus ist in den USA immer noch ein großes Thema, wie man bei der Wahl wieder sehen konnte. Die weiße Bevölkerung will einen weißen Kandidaten (62%), Afroamerikaner und Latinos wählen den farbigen Kandidaten mit überwältigender Mehrheit. Barack Obama hat die Möglichkeit als Mischling beide Welten miteinander auszusöhnen, er kommt mit allen Kulturen in seinem Land klar; das Aufeinanderzugehen erfordert aber zwei, und im Süden der USA ist die Bereitschaft hierzu einfach nicht gegeben. West- und Ostküste sind nicht Amerika, das schlägt noch immer im Herzen der USA, in der weiten, dünn besiedelten Mitte. Und das schlägt nun einmal republikanisch. Und sehnt sich scheinbar dann doch wieder nach den guten alten Zeiten, als Schwarze hinten im Bus saßen und eher auf Baumwollfeldern als auf Unis oder gar an der Spitze der Regierung zu finden waren. Beschämend.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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