Islamismus Mob in Pakistan prügelt Mann wegen Koran-Verbrennung tot

Eine wütende Menge hat in Pakistan ein Gefängnis gestürmt und einen Mann totgeprügelt. Er saß im Gefängnis, weil er einen Koran verbrannt haben soll. 30 Menschen wurden festgenommen, die zuständigen Polizisten suspendiert.


Karachi - Das harsche Blasphemiegesetz in Pakistan hat ein weiteres Opfer gefordert. Im Süden des Landes hat ein Mob ein Gefängnis gestürmt und einen Mann getötet, der einen Koran verbrannt haben soll. Laut Polizei waren rund 200 Menschen an der Tat beteiligt. Sie sollen den Häftling zu Tode geprügelt und dann die Leiche angezündet haben.

Der Mann sei am Donnerstag verhaftet worden. Dorfbewohner und ein muslimischer Geistlicher hätten dem Mann vorgeworfen, mehrere Ausgaben des Korans verbrannt und damit den Islam beleidigt zu haben, hieß es aus der Lokalregierung. Das Opfer sei ein Muslim. Das Blasphemiegesetz in Pakistan sieht für die Beleidigung des Propheten Mohammed die Todesstrafe vor. Bei einer Schändung des Korans droht lebenslange Haft.

Ein Sprecher sagte, die Polizei habe alles versucht, um den Mann zu schützen, sei aber nicht in der Lage gewesen, den Mob zu stoppen. 30 Verdächtige, die an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein sollen, wurden festgenommen. Der Leiter der lokalen Polizeistation sowie sieben weitere Polizisten wurden vom Dienst suspendiert.

Das Blasphemiegesetz hat in der Vergangenheit international immer wieder Besorgnis und Empörung ausgelöst. Im Sommer war in Pakistan ein Mann verbrannt worden, weil er den Koran entweiht haben soll. Für Aufsehen sorgte die Verhaftung einer 14-jährigen Christin. Sie soll Seiten eines Koran-Lehrbuchs verbrannt haben. Das Verfahren wurde im November eingestellt. Ein Imam soll ihr gefälschte Beweise untergeschoben haben.

Das Gesetz wurde vom islamistischen Militärdiktator Zia ul-Haq Anfang der achtziger Jahre eingeführt. Seit der Einführung wurden schätzungsweise 40 Menschen ermordet. Das Gesetz richtet sich gegen Muslime wie gegen Nicht-Muslime und sieht auch den Schutz anderer Religionen als den Islam vor. In der Praxis wird es immer wieder dazu missbraucht, Streitereien auszufechten und persönliche Gegner aus dem Weg zu räumen.

cte/AP/dpa

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