Hamburg - Es war eine große Plakataktion, mit der die Hamburger Polizei im vergangenen Jahr um Auszubildende warb. Unter dem Motto "Gesucht! Gefunden!" wurde dafür auch ein junger Mann abgelichtet, dessen Konterfei sehr schnell wieder von den Werbeflächen verschwand, nachdem eine Frau ihn als Dieb bezeichnet hatte. Ein Straftäter als Werbefigur für die Polizei? Was für eine Geschichte.
Doch nun hat sie eine neue Wendung genommen: Das Landgericht hat den Mann am Freitag vom Vorwurf des Diebstahls freigesprochen, wie Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers sagte. Der 26-Jährige habe nur seinen Kopf für den wahren Täter hingehalten. "Er hat die Schuld auf sich genommen und sollte dafür Geld bekommen", sagte Möllers.
Der eigentliche Dieb soll ein 23 Jahre alter Mann sein. "Er hatte Angst, dass seine Einbürgerung gefährdet würde", sagte Möllers. Verurteilt wurde in erster Instanz aber der Mann, der für die Nachwuchs-Kampagne der Hamburger Polizei Modell gestanden hatte. Ihm wurde vorgeworfen, einer Bekannten Ende Juli 2011 einen Briefumschlag mit 500 Euro Bargeld aus der Handtasche geklaut zu haben. Erst bei der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht habe ein Zeuge nun die wahre Geschichte erzählt, sagte Möllers. Er habe auch SMS-Nachrichten präsentiert, die seine Variante bestätigt hätten.
"Es ist bedauerlich, dass er nicht sofort den Sachverhalt klargestellt hat", sagte Polizeisprecher Mirko Streiber über das Ex-Model. "Dann hätten wir sehr gern mit ihm weitergeworben - und er müsste sich keinem Verfahren wegen Strafvereitelung stellen."
aar/dpa
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