Übergriff im Sonderzug Tatverdächtiger war bereits wegen Vergewaltigung verurteilt

Hitlergruß, Körperverletzung, Sexualverbrechen: Der mutmaßliche Vergewaltiger aus dem Fußball-Sonderzug war mehrfach vorbestraft - und erst im November zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Polizisten am Sonderzug in Mönchengladbach
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Polizisten am Sonderzug in Mönchengladbach


Der Mann, der sich in einem Sonderzug voller Fußballfans an einer 19-Jährigen vergangen haben soll, war bereits wegen einer Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Nach dem rechtskräftigen Schuldspruch vom 29. November vergangenen Jahres sei der Mann bislang nicht zum Haftantritt geladen worden, sagte Staatsanwalt Benjamin Kluck dem SPIEGEL.

Der 30-jährige Mann sei wegen insgesamt vier Straftaten zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, sagte Kluck. "Unter anderem ging es um eine Vergewaltigung im Bekanntenkreis." Warum der Mann zuletzt noch in Freiheit war, werde derzeit geprüft. Es sei grundsätzlich aber nicht ungewöhnlich, dass es zwischen Verurteilung und Haftantritt eine zeitliche Verzögerung gebe.

Der Mann, der am Wochenende eine junge Frau auf einer Toilette in einem Fan-Sonderzug vergewaltigt haben soll, hatte sich am Montag in einem Gefängnis in Nordrhein-Westfalen gestellt. Er hatte laut Kluck kurz zuvor eine Ladung zum Haftantritt wegen eines anderen Urteils aus dem Jahr 2014 erhalten.

Verurteilung wegen Hitlergruß

Damals war er wegen mehrerer Delikte zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden - die Bewährung war wegen des jüngsten Urteils aus dem November nun aufgehoben worden. Staatsanwalt Kluck zufolge hätten zum Haftantritt geladene Straftäter meist zwei Wochen Zeit, sich in der JVA zu melden - so wie im jetzigen Fall.

Der Mann, der insgesamt schon viermal rechtskräftig verurteilt wurde, hatte 2014 unter anderem einen Schuldspruch erhalten, weil er den sogenannten Hitlergruß in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. Er sei aber nicht als Rechtsextremist bekannt, sagte Kluck: "Er ist vor allem mit Gewalttaten in Erscheinung getreten."

Der Verdächtige hatte am Montag über seinen Anwalt mitgeteilt, dass er sich zu den Vorwürfen der Sexualstraftat vom Wochenende äußern werde. Die Vernehmung verzögert sich jedoch noch: Entgegen der ursprünglichen Planung sei am Dienstag kein Termin mit dem Anwalt gefunden worden, sagte ein Sprecher der Polizei Mönchengladbach. (Mehr über den Fall erfahren Sie hier.)

Das Opfer und der Tatverdächtige hatten sich auf der Rückreise vom Bundesligaspiel zwischen Bayern München und Borussia Mönchengladbach im sogenannten Tanzwagen eines Fan-Sonderzugs kennengelernt. Daraufhin soll der Mann die 19-Jährige auf einer Zugtoilette sexuell missbraucht haben.

mxw

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