Toulouse-Attentäter Staatsanwälte ermitteln gegen Merahs Bruder

Bei der Suche nach möglichen Komplizen des Attentäters von Toulouse ist der ältere Bruder des getöteten Mohammed Merah in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt. Gegen Abdelkader Merah wurde eine Untersuchung wegen Komplizenschaft eingeleitet.

Attentäter Mohammed Merah: Wollte seine "Opfer sehen"
AFP/ France 2

Attentäter Mohammed Merah: Wollte seine "Opfer sehen"


Hamburg - Mohammed Merah, der Attentäter von Toulouse, war während seiner Taten allein. Dennoch hat er womöglich nicht allein gehandelt: Unter Verdacht steht sein Bruder. Der 29-jährige Abdelkader Merah ist am Sonntag unter dem Vorwurf der Mittäterschaft einem Richter vorgeführt worden.

Ihm werde Komplizenschaft bei der Vorbereitung von Terrorakten vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris am Sonntag mit. Auch werde ihm Diebstahl zur Last gelegt. Aus Polizeikreisen war zuvor verlautet, er sei beim Diebstahl des Motorrollers zugegen gewesen, mit dem sein 23-jähriger Bruder unterwegs war.

Mohammed Merah hatte vergangene Woche insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Schüler einer jüdischen Schule. Am Donnerstag endete sein blutiger Feldzug: Er wurde nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei getötet.

Aus Polizeikreisen verlautete, Abdelkader Merah habe sich stolz über den "märtyrerhaften" Tod seines jüngeren Bruders geäußert. Er war bereits am Mittwoch zusammen mit seiner Lebensgefährtin in ihrem Haus südlich von Toulouse festgenommen worden. Seitdem befand er sich in Polizeigewahrsam.

Am Sonntagmorgen lief dann die bei Terrorfällen gültige 96-stündige Frist aus, nach der Verdächtige angeklagt oder freigelassen werden müssen. Zwei Stunden vor Ablauf der Frist wurde die Lebensgefährtin aus der Haft entlassen.

Mohammed Merah hatte vor seinem Tod erklärt, weder seine Mutter - die ebenfalls in Polizeigewahrsam war - noch sein Bruder hätten von seinen Plänen gewusst. Ein Sprecher der Polizeigewerkschaft sagte hingegen, es gebe Hinweise, dass Abdelkader seinem Bruder geholfen habe. Der Verdächtige war bereits vor einigen Jahren von der Polizei vernommen worden, weil er Kontakt zu einem Netzwerk gehabt haben soll, das Jugendliche aus der Region von Toulouse in den Irak schickte.

Sollten noch mehr Kinder sterben?

Die Pariser Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" berichtet derweil, dass bei der Anschlagsserie offenbar noch mehr Blut fließen sollte. Der Attentäter habe bedauert, nicht noch mehr Kinder ermordet zu haben. Merah soll dies der Polizei während der Belagerung seiner Wohnung gestanden haben. Ein Selbstmordattentat sei für ihn dagegen nicht in Frage gekommen. Der Grund: Der 23 Jahre alte Franzose algerischer Abstammung habe laut eigener Aussage "seine Opfer sehen" wollen.

Der Angriff auf die jüdische Schule sei nur ein Ausweichplan gewesen, hieß es in dem Bericht weiter. Seine ersten drei Opfer waren Soldaten; Merah plante ursprünglich, weitere zu töten. Der Attentäter sagte zudem, er habe Videos seiner Bluttaten zum Hochladen ins Internet an seine muslimischen "Brüder" übergeben.

Welche konkreten Verbindungen er zu bestehenden islamistischen Terrorgruppen hatte, ist allerdings weiter unklar. Merah hatte behauptet, Verbindungen zu al-Qaida zu besitzen. Er habe in Pakistan Terrortraining erhalten, und sein Lehrer habe gewollt, dass er in Paris Anschläge verübe. Die Ermittler bezweifeln diese Aussage offenbar.

In Pakistan erklärte ein Taliban-Sprecher zwar, Merah sei bei der Tehrik-i-Taliban (TTP) Pakistan in Nord-Waziristan trainiert worden, konnte aber nicht bestätigen, dass Merah beauftragt worden sei. "Wir haben aber keine Informationen über die Anschläge in Frankreich; das hat nichts mit uns zu tun", sagte Ahmed Marwat, der sich als Sprecher einer Gruppe der TTP bezeichnete, der Nachrichtenagentur Reuters.

tdo/dpa/dapd/Reuters

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