Prozess in Regensburg Neuer Krach zwischen Gustl Mollath und seinen Verteidigern

Der Verteidiger von Gustl Mollath, Gerhard Strate, hat darum gebeten, ihn und seinen Kollegen als Pflichtverteidiger zu entbinden. Zuvor hatte der Angeklagte erklärt, er wolle 27 weitere Beweisanträge stellen.

Angeklagter Mollath, Verteidiger Strate: Beweisanträge seien "Mist"
DPA

Angeklagter Mollath, Verteidiger Strate: Beweisanträge seien "Mist"


Regensburg - Gustl Mollath hat seinen Verteidiger Gerhard Strate scharf angegriffen und ihm vorgeworfen, er kämpfe nicht ausreichend für einen "Freispruch erster Klasse". Strate hatte wiederholt erklärt, er rechne mit einem Freispruch, weil die Beweise gegen Mollath nicht ausreichend seien. Sein Mandant hatte hingegen von Anfang an angekündigt, es gehe ihm um seine vollständige Rehabilitation, also einen Freispruch wegen erwiesener Unschuld.

In einer Erklärung, die Mollath am Montagmorgen vor dem Regensburger Landgericht abgab, hieß es, er wolle weitere 27 Beweisanträge stellen. Nach seinem Willen soll das Gericht Zeugen aus dem Umfeld der HypoVereinsbank hören sowie einen neuen psychiatrischen Gutachter seines Vertrauens, den Bonner Psychiater Clemens Dieckhöfer. Dies sagte der Sprecher des Regensburger Landgerichts, Thomas Polnik.

Mollath muss sich im Wiederaufnahmeverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung an seiner damaligen Frau Petra M. und dem Zerstechen Dutzender Reifen verantworten. Petra M. arbeitete bei der HypoVereinsbank, Gustl Mollath wirft ihr vor, sie habe ihn mit einer Intrige "mundtot" machen wollen, weil er Schwarzgeldgeschäfte aufgedeckt habe, in die seine Ex-Frau verwickelt sei (lesen Sie hier die Hintergründe des neuen Verfahrens).

Antrag zurückgewiesen

Gerichtssprecher Polnik sagte nun, Verteidiger Strate habe die Beweisanträge seines Mandanten als "Mist" bezeichnet und das Gericht gebeten, ihn als Pflichtverteidiger zu entbinden.

Diesen Antrag wies die Vorsitzende Richterin Elke Escher allerdings zurück. Es seien keine ausreichenden Gründe für eine nachhaltige Erschütterung des Vertrauens vorgebracht worden. Strate und sein Kanzleikollege Johannes Rauwald hätten im bisherigen Verfahren großen Einsatz gezeigt. Es gebe deshalb keinen Grund zur Befürchtung, die Verteidigung könnte nicht mehr sachgerecht durchgeführt werden. Unstimmigkeiten über die Verteidigungsstrategie seien nicht ungewöhnlich.

Aufgelodert war der Streit zwischen Mollath und seinen Verteidigern bereits in der vergangenen Woche. Am Donnerstag hatten Strate und Rauwald ihr Mandat als Wahlverteidiger niedergelegt, weil das Vertrauen ihres Mandanten in die Verteidigung zerstört sei. Grund waren auch da schon Mollaths Beweisanträge gewesen, die Strate und sein Kollege nicht in das Verfahren hatten einbringen wollen. Das Gericht hatte daraufhin Strate und Rauwald als Pflichtverteidiger bestellt, um den Prozess nicht zu gefährden.

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unifersahlscheni 28.07.2014
1. Also ich weiß nicht
Desto länger und desto mehr ich über diesen Fall lese, desto komischer und seltsamer kommt mir dieser Mollath vor. Ich möchte ihn lieber nicht als Freund und schon gar nicht als Feind haben ... ... aber das ist nur ein Gefühl.
outsider-realist 28.07.2014
2.
Zitat von unifersahlscheniDesto länger und desto mehr ich über diesen Fall lese, desto komischer und seltsamer kommt mir dieser Mollath vor. Ich möchte ihn lieber nicht als Freund und schon gar nicht als Feind haben ... ... aber das ist nur ein Gefühl.
Geht mir genauso.....dadurch wird aber die Gegenseite nicht besser. Ich weiß bis heute nicht wieso der Mann in der Psychatrie gesessen hat. Täglich sehe ich auf dem Weg zur Arbeit Leute, die sich mit sich selbst unterhalten oder Dinge tun, die für "normale Spießbürger" nicht nachvollziehbar sind. Ein Nachbar von mir hat seinen Nachbarn wegen einem Unkraut angezeigt, das durch den zaun gewchsen ist. Die werden ja auch nicht weggesperrt (obwohl insgeheim manchmal wünschenswert :-). Ein komischer Kauz scheint er zu sein aber vielleicht nehmen wir das auch nur zu unkritisch von den Medien auf. Ich kenne ihn ja nicht persönlich.
huberwin 28.07.2014
3. Mollaths Anliegen scheinen die Schwarzgeldgeschäfte zu sein
Aus seiner Sicht wird hierauf nicht eingegangen. Kann der Spiegel mal zu diesem Punkt recherchieren.
romaval 28.07.2014
4. Herr Mollath
mag ungerechterweise zu lange in der Psychiatrie eingesperrt gewesen sein aber was jetzt hoch kommt zeigt er hat Defizite die einen Freispruch erster Klasse unwahrscheinlich werden lassen. Er ist ein Rechthaben Woller und sicherlich bis zu einem gewissen Grad nicht zu belehren.
Pete Pumper 28.07.2014
5.
Auch wenn ich Lakottas einseitige Berichterstattung nicht teile, wird sie heute wohl entgültig jubeln und der Presserat die Füße still halten ;) was soll man jetzt noch sagen ? forest gump vieleicht: dumm ist wer dummes tut ? für mich macht das alles doch einen sehr querulatorischen eindruck. sollte man sich als erwachsener der sich im griff hat und dem genau dies vorgeworfen wird nicht im stande sein diesen eindruck zu vermeiden ? was habe ich mit mollath schon gelitten. nun hab ich so überhaupt kein verständniss mehr
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