Bundeswehrgelände Moorbrand bei Meppen - Staatsanwaltschaft ermittelt

In Niedersachsen schwelt seit Wochen ein Moorbrand auf einem Militärgelände. Die Behörden planen bereits Evakuierungen, nun schaltet sich auch die Staatsanwaltschaft ein.

TNN; dpa

Wegen des Moorbrandes auf einem Übungsgelände der Bundeswehr in Niedersachsen hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. "Da kommen Branddelikte in Betracht, insbesondere die Brandstiftung und möglicherweise auch Umweltdelikte, wenn besonders geschützte Gebiete wie Naturschutzgebiete betroffen sind", sagte ein Behördensprecher.

Die Ermittler würden Kontakt zur Bundeswehr aufnehmen, um sich einen Überblick über die Hintergründe des Feuers zu verschaffen. Dem Sprecher zufolge hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgrund der Medienberichterstattung eingeleitet. "Es sollen auch Strafanzeigen unterwegs sein, die haben wir noch nicht gesehen", sagte der Sprecher. Da die Staatsanwaltschaft nicht gegen Firmen oder Institutionen ermitteln könne, richte sich das Verfahren zunächst gegen unbekannt.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag hatten angekündigt, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Bundeswehr zu erstatten. "Jeder andere, der im Moor bei einer solchen Gefahrenlage aufgrund extremer Trockenheit zündelt oder auch nur eine Zigarettenkippe wegwirft, müsste sich strafrechtlich verantworten", sagte der brandschutzpolitische Sprecher Christian Meyer. Er sehe keinen Grund, dass die Bundeswehr anders behandelt werden sollte, wenn sie sogar Raketen ins Moor schieße und dabei nicht einmal funktionsfähiges Löschgerät bereithalte.

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Moorbrand auf Bundeswehr-Gelände: Rauchwolke über Niedersachsen

Den Brand ausgelöst hatten Anfang September militärische Tests. Soldaten hatten eine Rakete ins Moor geschossen, eine Löschraupe fiel aus, weshalb sich das Feuer ausbreiten konnte. Der Brand reicht stellenweise einen Meter tief in den Boden und stellt die Einsatzkräfte vor große Probleme (mehr dazu lesen Sie hier).

Durch das Feuer wurden nach Einschätzung von Experten bisher rund 500.000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt. Dies entspricht einer Menge, die 50.000 Menschen im Durchschnitt im Jahr verursachen. Riesige Rauchwolken führen zudem zur Belastung von Anwohnern in der Region.

Der Brand hat sich inzwischen auf eine Fläche von mehr als tausend Fußballfeldern ausgedehnt. Einer Bundeswehrsprecherin zufolge ist die Lage inzwischen unter Kontrolle. Derzeit sind trotzdem noch mehr als tausend Einsatzkräfte vor Ort, um das Feuer zu löschen.

Am Mittwoch hatten die Behörden mitgeteilt, mögliche Evakuierungen vorzubereiten, von denen Hunderte Anwohner betroffen wären. Um welche Gebiete es sich handeln könnte ist demzufolge noch unklar. Derzeit gehe man davon aus, dass es noch ein bis zwei Wochen dauern werde, bis alle Glutnester erstickt seien.

Die Bundeswehr kündigte eine umfassende Überprüfung des Feuers an. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Bundeswehr werde der Frage nachgehen, ob bei dem Test geltende Vorschriften verletzt oder Ermessensspielräume falsch genutzt worden seien. Man wolle auch prüfen, ob es eventuell Regelungslücken bei den Brandschutzvorschriften gebe.

mxw/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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testuser2 20.09.2018
1. Wo ist Frau von der Leyen ?
Ich finde es sehr auffällig, dass sich Frau von der Leyen bei dem durch die Bundeswehr ausgelösten Brand des Moores nicht zeigt. Während sie sonst gerne abholt, meidet sie schlechte Publicity - wie Merkel. Da gibt es durchaus Politiker, die sich nicht wegducken.
the_rover 20.09.2018
2. 1000 Fußballfelder ...
Wie wäre es, die Fläche weniger reißerisch mit 500 ha anzugeben? Oder trauen Sie den Lesern nicht zu, korrekte Flächenangeben zu verstehen?
HansSzymanski 20.09.2018
3. Löschfahrzeug defekt ?
Was überhaupt funktioniert noch bei der BW und mit was wollen die den jetzt angedachten Krieg führen. Was machten die Deppen in Meppen?
grobmotorix 20.09.2018
4. Wow dachte ich - 500.000 Tonnen CO2...
Die Summe von 500000 Tonnen freigesetztem CO2 klang für mich als Laien unfassbar hoch. Aber wenn man das mal laienhaft nachrechnet: 1 kg CO2 entspricht 509 Liter oder 0,509 Kubikmeter. 1 Tonne CO2 entspricht also 509 Kubikmeter, 500.000 Tonnen CO2 also 254.500.000 Kubikmeter. Dann ist gerade mal ein Viertel Kubikkilometer. Sollte ich da keinen Fehler gemacht haben, klingt die Summe für mich jetzt wiederum gar nicht mehr so hoch - ist ja volumentechnisch noch richtig gut vorstellbar. Trotzdem in jedem Fall verdammt schade um das Moor. Die gerne verbreiteteCO2-Hysterie teile ich nur leider gar nicht. Erdgeschichtlich gesehen hatte sich sich die Flora schon früher bei doppeltem CO2-Gehalt in der Luft sehr wohl gefühlt. Daher begasen Gewächshäuser gerne ihre Pflanzen für besseres Wachstum mit CO2...
ElBasta 20.09.2018
5. Da funktioniert ausnahmsweise mal was..
@3 Möglicherweise gingen die Soldaten auch davon aus, dass die Rakete sowieso nicht funktionsfähig sei. Die müssen ordentlich gestaunt haben, als sie tatsächlich losgeflogen ist.
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