Nach Brandanschlag "Hamburger Morgenpost" verschärft Schutzmaßnahmen

"Wir werden nicht in Panik verfallen": Die "Hamburger Morgenpost" will sich nach dem Brandanschlag der vergangenen Nacht nicht einschüchtern lassen. Der Staatsschutz ermittelt, Politiker sagen der Redaktion Unterstützung zu.


Hamburg - Nach dem Brandanschlag auf das Verlagsgebäude sind die Schutzmaßnahmen bei der "Hamburger Morgenpost" ("Mopo") verstärkt worden. "Unsere Sicherheitsmaßnahmen haben wir in enger Absprache mit der Polizei verstärkt", sagte Chefredakteur Frank Niggemeier am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Die Beschäftigten seien schockiert und besorgt. "Ein solcher Anschlag lässt hier niemanden unberührt. Aber wir werden jetzt weder in Panik noch in Hysterie verfallen", sagte Niggemeier.

In der Nacht zum Sonntag war auf das Gebäude der Boulevardzeitung ein Brandanschlag verübt worden. Da sich zu dem Zeitpunkt keine Menschen in dem Haus aufhielten, wurde niemand verletzt. Akten und Zeitungsausgaben verbrannten aber.

Die "Morgenpost" hatte nach dem Terroranschlag in Paris Karikaturen des religionskritischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" auf ihrer Titelseite nachgedruckt, mit der Schlagzeile: "So viel Freiheit muss sein!" Es gebe derzeit keine Fakten darüber, dass der Anschlag damit in Verbindung stehe, sagte Polizeisprecherin Karina Sadowsky. "Es gibt noch keine Erkenntnisse, keine Bekennerschreiben oder andere Hinweise."

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos sagte in Brüssel, dieser neue Angriff unterstreiche, dass umfassender Respekt für die Meinungs- und Pressefreiheit nötig sei. "Wir werden unsere Werte verteidigen."

Die Landespressekonferenz (LPK) bezeichnete die Tat als "feigen und hinterhältigen Terrorakt gegen die Pressefreiheit". Die Kollegen könnten sich der Solidarität aller Journalisten in Hamburg sicher sein, erklärte der LPK-Vorsitzende Jürgen Heuer. "Die Medien werden sich nicht einschüchtern lassen."

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stärkte der "Mopo"-Belegschaft den Rücken: "Presse- und Meinungsfreiheit gehören zum Fundament, auf dem die Demokratie ruht. Jeder Angriff auf diese Freiheiten ist in seiner Wirkung und unabhängig von fragwürdigen Motiven ein Angriff auf die Demokratie." Auch vonseiten der anderen Parteien, darunter CDU und Linkspartei, waren ähnliche Bekundungen zu hören.

Kurz nach dem Anschlag nahm die Polizei zwei 35 und 39 Jahre alte Männer in einer S-Bahn fest, die zuvor im Bahnhof Bahrenfeld - wenige Hundert Meter vom "Mopo"-Gebäude entfernt - vor Beamten davongelaufen waren. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

smh/dpa

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