Mord an Immobilienkönigin Komplott zwischen Schwiegersohn und Fitnesstrainer

Der Schwiegersohn von Hélène Pastor hat den Mord an der Milliardärin gestanden, mit der Planung hatte er seinen Fitnesstrainer beauftragt. Die Tat ist auch für die Upper Class Monacos peinlich.

DPA

Aus Nizza berichtet Annika Joeres


Eine der reichsten Frauen Europas wurde das Opfer ihres Schwiegersohnes: Wojciech Janowski hat gestanden, den Mord an der monegassischen Multimilliardärin Hélène Pastor Anfang Mai in Auftrag gegeben zu haben. "Es ist eine tragische Familiengeschichte", sagte der Oberstaatsanwalt Brice Robin am späten Freitagnachmittag in Marseille.

Ein Drama, in dessen Zentrum Janowski steht, langjähriger Partner von Pastors Tochter Sylvia, seit 2007 polnischer Honorarkonsul in Monaco. Zweiter Protagonist: Janowskis persönlicher Fitnesstrainer, der bei den wohlhabenden Bürgern Monacos ein und aus ging.

Janowski zahlte dem Trainer laut Staatsanwaltschaft 200.000 Euro für die Planung der Tat. Das Geld hatte er demnach zuvor von einem Konto in Dubai bar abgehoben. Der Coach gelangte schließlich über Mittelsmänner an die Täter aus Marseille, die am 6. Mai Hélène Pastor und ihren Chauffeur vor einem Krankenhaus in Nizza erschossen.

"Sie hat Janowski sehr geschätzt"

Sie hinterlässt ein geschätztes Vermögen von rund zwanzig Milliarden Euro: Den Pastors gehört rund ein Drittel der monegassischen Immobilien. Die Familie hat über Jahrzehnte Häuser gekauft und gebaut, die sie zu den weltweit höchsten Quadratmeterpreisen vermieten kann, beispielsweise eine Dreizimmerwohnung für monatlich 15.000 Euro.

Aus "Habgier" habe Janowski seine Schwiegermutter schon lange umbringen wollen, soll der geständige Coach über seinen Auftraggeber ausgesagt haben. Außerdem habe Janowski sich von der Familie Pastor zurückgesetzt gefühlt.

Janowski hingegen gab an, er habe seine Partnerin von einer "schmerzhaften Beziehung zu ihrer Mutter" erlösen wollen. Eine Behauptung, die Sylvia Ratkowski selbst entschieden zurückgewiesen habe, so Staatsanwalt Robin. Sie habe schon am Mittwochabend die Untersuchungshaft verlassen können und sei "vollkommen entlastet". Sylvia Ratkowski muss einen emotionalen Albtraum erleben. Zuerst wurde ihre Mutter erschossen und anschließend erfährt sie, dass der Partner den Mord in Auftrag gegeben hat. "Sie hat Janowski sehr geschätzt und fühlt sich nun verraten", so der Oberstaatsanwalt.

Offenbar hat sie ihm sogar über Jahre größere Summen überwiesen. Alleine in den vergangenen Monaten waren es rund acht Millionen Euro - Geld, von dem die Ermittler bislang nicht wissen, wo es gelandet ist. Janowski schweigt zu der Summe, ebenso leugnete er noch bis zum späten Donnerstagabend seine Tat, bis er schließlich angesichts der erdrückenden Beweislast gestand. Die Ermittler konnten ihm "verdächtige Geldbewegungen" kurz vor dem Mord und telefonische Verbindungen zu den Mittelsmännern nachweisen.

Der Fitnesstrainer habe die Kontakte zu bisher eher Kleinkriminellen in Monaco hergestellt. Die beiden Täter, 31 und 24 Jahre alte Männer aus Marseille, waren beide wegen Diebstählen und Körperverletzungen vorbestraft.

"Ich habe nur die gute Seite von ihm gekannt"

Janowski hingegen hatte sich bislang offiziell nichts zuschulden kommen lassen. Er war nicht nur polnischer Ehrenkonsul im Fürstenstaat, sondern auch Vorsitzender der polnischen Handelskammer und einflussreicher monegassischer Bürger, der häufig an der Seite des Prinzen zu sehen war.

Das polnische Konsulat hat inzwischen angekündigt, Janwoski seinen Titel zu entziehen. "Ich habe nur die gute Seite von ihm gekannt", sagte der polnische Botschafter in Frankreich, Tomasz Orlowski, der Lokalzeitung "Nice Matin". Die Situation sei "peinlich". Offenbar hatte sich Janowski schon seinen Platz in der Welt der Reichen vermögenden Monegassen mit unlauteren Mitteln erworben: Die Universität Cambridge gab inzwischen an, entgegen seiner Angaben habe Janowski kein Wirtschaftsstudium an der angesehenen Hochschule absolviert.

Unangenehm ist dieser filmreife Mord vor allem für die Upper Class in Monaco. Viele spekulierten direkt nach dem Mord, es sei die Mafia gewesen, die von der nicht weit entfernten italienischen Grenze herübergeschwappt sei. Auch russische Kriminelle erwähnten die Monegassen in Interviews immer mal wieder als vermeintliche Täter. Dass es nun einer der ihren war, einer, der auf den vielen werbeträchtigen Charity-Bällen zusammen mit Fürst Albert und Charlène auftauchte, ist nun die hässliche Wahrheit.

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
THINK 27.06.2014
1.
Zitat von sysopAFPDer Schwiegersohn von Hélène Pastor hat den Mord an der Milliardärin gestanden, die Planung hatte er seinem Fitnesstrainertrainer überlassen. Die Tat ist auch für die Upper Class Monacos peinlich. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mord-an-helene-pastor-schwiegersohn-gesteht-a-977974.html
Erkenntnis: Mitglieder der Upper Class sind auch nur dumme, egoistische Menschen.
logabjörk 27.06.2014
2. Verwicklung bedeutet
also Auftragsmord. Warum nicht gleich so deutlich?
Danyr2d2 27.06.2014
3. Ab und an muss halt mal...
...umgerührt werden in diesem Kessel voller Fäulnis der "Rich and Happy few"... und dass dabei Mörderische Modergerüche freigesetzt werden...Immerhin kommt jetzt wohl demnächst Bewegung ins Immobilienmonopoly von Monacco -und der, welcher am schnellsten seine Krokodilstränen trocknete, wird am ehesten zum Zuge kommen !
berlinnews 27.06.2014
4. gier gier gier
gier gier gier sollen die asgeier das fleisch von euren knochen schaben.
chagall1985 27.06.2014
5. Unfassbar dämlich
Erstmalist er schon Millionär und wirft sein leben weg für noch mehr Millionen.Wie Dumm das alleine ist. Dann angagiert er einen direkten Angestellten mit der Tat? Wiue dumm ist das denn? Selbst im Erfolgsfall hätte der Typ ihn ein Leben lang erpresst. Dann hebt er die Auftragsmordsumme in Bar von einem Bankkonto ab unmittelbar im zeitlichen geschehen. Echt NO COMMENT. Und zu guter letzt telefoniert er auch noch mit einem ihm zuordnungsbaren Telefon mit den Killern. Also wenn das ein Tatort wäre würde ich bei der ARD einen Beschwerdebrief einreichen, dass so etwas unrealistisches wirklich eine Frechheit war.
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