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Mord an junger Mutter: Lebenslang für 145 Messerstiche

Landgericht Tübingen: "Mühsames Verfahren mit unzähligen Indizien" Zur Großansicht
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Landgericht Tübingen: "Mühsames Verfahren mit unzähligen Indizien"

Er stach 145-mal auf eine junge Frau ein, in Gegenwart ihrer Tochter: Jetzt ist ein 28-Jähriger aus der Nähe von Tübingen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Mann beteuert seine Unschuld - und fühlt sich als Justizopfer.

Tübingen - Monatelang hatte sich der Indizienprozess gegen einen Mann hingezogen, der in Mössingen-Bästenhardt eine junge Frau erstochen haben soll. Jetzt hat das Landgericht Tübingen ein Urteil gefällt: Der Angeklagte soll lebenslang in Haft.

Dem mutmaßlichen Mörder liefen bei der Urteilsverkündung die Tränen über das Gesicht. Er sieht sich als Justizopfer und beteuert, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu haben.

Der Tatablauf hatte in der Öffentlichkeit für Entsetzen gesorgt, wurde doch die kleine Tochter des Opfers Zeuge, wie der Täter 145-mal auf die Mutter einstach. Es sei ein mühsames Verfahren mit unzähligen Indizien gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Peters. Doch am Schluss seien keine Zweifel geblieben, dass der 28-Jährige trotz aller Unschuldsbeteuerungen der Mörder der 31-Jährigen ist.

Keine Erklärung für Fingerabdrücke am Tatort

Für die Staatsanwaltschaft stand fest, dass der Täter aus Habgier getötet hatte, um seine finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen. Der Angeklagte sei ständig pleite gewesen - auch weil er spielsüchtig ist, wie er selbst zugab.

Die nächste Rate für die Autoversicherung sei fällig gewesen, seine Lebensgefährtin habe einkaufen wollen, und nicht zuletzt sei Nachwuchs unterwegs gewesen, sagte er. Deshalb fuhr er laut eigener Aussage im Mai 2013 zu der 31-Jährigen, denn sie und ihr Mann hatten ihm schon häufiger Geld geliehen.

Was dann passierte, mussten die Richter mühsam rekonstruieren. Der Angeklagte selbst spricht davon, dass er sich nett mit der Frau unterhalten und einen Kaffee mit ihr getrunken habe. Schließlich habe sie einen 500-Euro-Schein geholt und ihm das Geld geliehen. Er habe sich verabschiedet und sei gegangen. Dass die 31-Jährige an dem Morgen ermordet wurde, habe er erst fast zwei Wochen später erfahren.

Indizien sprechen klare Sprache

Doch das kauften ihm die Richter nicht ab. Für Fingerabdrücke und Blutspuren von ihm am Tatort habe der 28-Jährige keine überzeugende Erklärung liefern können. Zudem habe sich der Mann in seinen Aussagen regelmäßig widersprochen, sagte der Vorsitzende Richter.

Dass der 28-Jährige einen Zwillingsbruder hat und die Spuren vom Tatort im Labor dadurch nicht eindeutig zugeordnet werden konnten, war für die Richter am Ende nicht mehr entscheidend. Alle Indizien zusammen sprächen eine klare Sprache.

Die 31-Jährige habe ihm nicht schon wieder Geld leihen wollen, so das Urteil. Darauf habe der 28-Jährige zum Messer gegriffen und vor den Augen ihrer zweijährigen Tochter auf die Frau eingestochen. Als der Täter schon geflüchtet war, saß das kleine Mädchen noch sechs Stunden lang neben der toten Mutter. "Für die Tochter sind die Folgen der Tat noch gar nicht abzusehen", so Richter Peters.

Der Angeklagte verbarg seinen Kopf während der Urteilsverkündung in seinen Händen. Er hatte in seinem Schlusswort noch einmal seine Unschuld beteuert und heftige Kritik an den Ermittlern geübt. Nicht nur, dass sie ihn zu Unrecht ins Gefängnis gebracht hätten. Die Beamten hatten bei den Ermittlungen zunächst auch seine hochschwangere Lebensgefährtin festgenommen. Die 24-Jährige verlor durch die Strapazen ihr Kind.

Marc Herwig, dpa

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