Mord an Rabbi Tötete die Zwickauer Zelle auch in Zürich?

Nicht nur in Deutschland werden bislang ungeklärte Fälle im Zusammenhang mit der Zwickauer Terrorzelle neu untersucht. Auch in Zürich prüfen Ermittler, ob eine Verbindung zum Mord an einem Rabbi im Jahr 2001 besteht. Zudem haben BKA-Beamte zwei neue Videos entdeckt.

Tatort in Zürich (Foto aus 2001): Ein Rabbiner wurde hier aus nächster Nähe erschossen
DPA

Tatort in Zürich (Foto aus 2001): Ein Rabbiner wurde hier aus nächster Nähe erschossen


Hamburg - Jahrelang blieben die Morde ungeklärt, Ermittler gingen falschen Spuren nach und verdächtigten Unschuldige. Die sogenannten Ceska-Morde, der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn, alle verübt von der Zwickauer Terrorzelle. Nun werden weitere bisher ungeklärte Fälle geprüft. Gehen etwa noch mehr Morde auf das Konto der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU)?

Nicht nur in Deutschland werden Akten wieder in die Hand genommen, die einst abgelegt werden mussten, ohne dass am Ende jemand für die Taten verurteilt werden konnte: In Zürich prüft die Polizei, ob ein Verbrechen etwas mit dem Zwickauer Trio zu tun haben könnte.

Es geht um den Mord an einem Rabbiner im Sommer 2001: Abraham Grünbaum wurde am Abend des 7. Juni in Zürich erschossen, als er auf dem Weg zur Synagoge war. Nach einem Bericht des Schweizer "Tagesanzeigers" prüft die Kantonspolizei nun, ob das Zwickauer Trio hinter der Tat stecken könnte.

Der Mord ähnelt in seiner Kaltblütigkeit den Verbrechen, zu denen sich die NSU-Mitglieder in ihrem "Paulchen Panther"-Video bekannten: Der Rabbiner wurde aus nächster Nähe erschossen.

Zudem gibt es einige Verbindungen der Zelle in die Schweiz: Die Tatwaffe der meisten NSU-Morde, eine Ceska-Pistole, hatte Anfang der neunziger Jahre in der Schweiz den Besitzer gewechselt. Zudem soll ein Mitglied der Terrorzelle laut der "Berliner Zeitung" 1998 oder 1999 aus einer Telefonzelle in der Schweiz telefoniert haben. Der Mann sei dabei abgehört worden. Im Urlaub auf Fehmarn sollen sie später in einem Auto mit Schweizer Kennzeichen unterwegs gewesen sein.

Die Bundesanwaltschaft gibt sich allerdings zurückhaltend: Am Montag sagte sie zu einer etwaigen Verbindung der Terrorzelle zum Mord in Zürich, es gebe "keine zureichenden Anhaltspunkte".

Derweil haben die Ermittler in Deutschland zwei neue Videos entdeckt. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) konnten zwei Bekennerfilme wiederherstellen. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung.

Die Filme sind Teil der großen Datenmenge auf Festplatten und Laptops, die in den Trümmern des Wohnhauses in Zwickau gefunden wurden, das Beate Zschäpe am 4. November in Brand gesetzt hatte.

Die Datenträger sind zum Teil erheblich beschädigt, die Fahnder müssen den Inhalt der Speicher rekonstruieren. Die so entdeckten Filme werden von den Ermittlern als "Vorläufer" des bereits bekannten, zynischen "Paulchen Panther"-Terrorvideos eingestuft, das aus dem Jahr 2007 stammt. Laut den Beamten belegten die offenbar auf "technisch hohem Niveau" gemachten Videos, dass die Zwickauer Nazis ihre Taten von Anfang an als terroristische Mordserie geplant hätten. In den Filmen werde auf einige der Ceska-Morde und auf den Anschlag in Köln Bezug genommen.

bim/dapd/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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herr minister 13.12.2011
1. Kennedy?
Vielleicht ist ja demnächst auch der Kennedy Mord geklärt. Langsam fällt es schwer zu glauben, wen diese 2 Hohlblöcke noch alles getötet haben sollen. Vielleicht sollte die Polizei mal anfangen, ihre Arbeit zu machen und in der rechten Szene ermitteln. Es ist unglaublich, dass jahrelang nichts passierte obwohl sogar soviel V-Leute bezahlt werden, dass sogar das NPD Verbot dadurch unmöglich wurde, es gab "national befreite Zonen", tägliche Übergriffe von rechtem Pack, Polizei, Justiz und Staat waren untätig und wollen jetzt durch immer neuere Anschuldigen gegen zwei Tote hektische Betriebsamkeit demonstrieren. Um wirklich etwas zu tun, müssten Köpfe rollen, angefangen von den Wegschauern und Unterstützen in Polizeirevieren bis zu den Ministern, die jedes Jahr beschwichtigend ihre Statistiken zur rechten Gewalt schönredeten.
kamol 13.12.2011
2.
Gehts nicht vielleicht noch ein bisschen zynischer? Nein? Na gottseidank.
enrico3000 13.12.2011
3.
Zitat von sysopNicht nur in Deutschland werden bislang ungeklärte Fälle im Zusammenhang mit der Zwickauer Terrorzelle neu untersucht. Auch in Zürich prüfen Ermittler, ob eine Verbindung zum Mord an einem Rabbi im Jahr 2001 besteht. Auch haben BKA-Beamte laut einem Pressebericht zwei neue Videos entdeckt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803324,00.html
Lagen die noch im Wohnmobil oder der Wohnung?
Selvbygger 13.12.2011
4. Wer lesen kann ...
Zitat von enrico3000Lagen die noch im Wohnmobil oder der Wohnung?
Einfach mal den Artikel ... LESEN!
steinaug 13.12.2011
5. Faszinierend
Fszinierend, was die in einer Brandruine alles finden.
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