Mord an Staatsanwalt Dachauer Todesschütze muss lebenslang in Haft

Rudolf U. hat im Amtsgericht Dachau einen jungen Staatsanwalt erschossen. Für die Tat wurde der 55-Jährige nun vom Münchner Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zudem stellten die Richter eine besondere Schwere der Schuld fest.

Der Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung vom Krankenbett aus.
dapd

Der Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung vom Krankenbett aus.


München - Im Prozess gegen den Dachauer Todesschützen hat das Landgericht München sein Urteil verkündet: Rudolf U. muss wegen Mordes an einem jungen Staatsanwalt und dreifachen versuchten Mordes lebenslang ins Gefängnis. Außerdem erkannte das Gericht eine besondere Schwere der Schuld, wodurch eine Haftentlassung nach fünfzehn Jahren nahezu ausgeschlossen ist. Allerdings ist U. gesundheitlich ohnehin stark angeschlagen. Sein Mandant wolle, dass Revision eingelegt werde, sagte Pflichtverteidiger Wilfried Eysell.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass der 55-Jährige "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" den Staatsanwalt "kaltblütig ermordet" habe. Das Urteil entspricht den Forderungen der Anklage; die Verteidiger hatten keine besondere Schwere der Schuld gesehen.

Staatsanwältin Nicole Selzam hatte in ihrem Plädoyer angeführt, der Angeklagte habe sich "in krasser Eigensucht" über das Lebensrecht anderer hinweggesetzt. Er habe in "absolutem Vernichtungswillen" gehandelt sowie die Wehrlosigkeit seiner Opfer ausgenutzt. Nur das Eingreifen von Zeugen habe verhindert, dass er auch den Amtsrichter tötete. Das Geständnis sei "ohne jede Reue" erfolgt. Wenn er die Möglichkeit dazu bekäme, sei ein weiterer "Rachefeldzug gegen die Justiz" nicht auszuschließen.

Der Vorsitzende Richter Martin Rieder äußerte sich in seiner Urteilsbegründung ähnlich. U. habe mit "direktem Tötungsvorsatz" gehandelt, die Tat "von langer Hand geplant". Der Angeklagte habe sich "in krasser Eigensucht" über das Leben anderer hinweggesetzt. Die Tat habe unermessliches Leid über die Familie des Staatsanwalts gebracht. Dieser sei ein Zufallsopfer gewesen, ein Symbol für die vom Angeklagten tief verhasste Justiz.

Prozess im Krankenbett verfolgt

Rudolf U. hatte im Januar einen 31 Jahre alten Staatsanwalt getötet. Der insolvente Transportunternehmer hatte sich vor dem Dachauer Amtsgericht wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge verantworten müssen. Bei der Urteilsverkündung zog er eine Pistole, feuerte mehrfach und verletzte den Staatsanwalt tödlich. Außerdem schoss er auf den Richter, seine eigene Verteidigerin und einen Protokollführer. Diese hatten sich hinter der Richterbank verschanzt und blieben unverletzt.

Die Tat sorgte für Bestürzung und löste eine Diskussion über die Sicherheit in Gerichtssälen aus. Die als Nebenkläger auftretenden Eltern des Staatsanwalts kritisierten, dass nicht mit einem Metalldetektor am Eingang des Gerichts kontrolliert wurde - dies hätte ihrem Sohn das Leben gerettet.

Im Prozess vor dem Münchner Landgericht gestand U., dass er neben dem Staatsanwalt auch den Richter töten wollte. Eine Tötungsabsicht für seine Verteidigerin und den Protokollführer bestritt er allerdings. U. bat die Familie des Opfers in seinem Schlusswort um Entschuldigung. Er wolle mitteilen, "dass es mir leidtut als Mensch", sagte der 55-Jährige. "Ich kann nicht mehr sagen." Ein Gutachter erklärte den Angeklagten für voll schuldfähig.

Der inzwischen beinamputierte Mann nahm in einem Krankenbett liegend an dem Mordprozess teil. Der Auftakt des Verfahrens war wegen seines Gesundheitszustands verschoben worden, am ersten Prozesstag fehlte er. Während der Verhandlung sorgte sein Wahlverteidiger Maximilian Kaiser für einen Eklat: Der Anwalt lieferte sich ein heftiges Wortgefecht mit dem Gericht und verließ anschließend den Sitzungssaal. Die Richter hatten dessen Vorgehensweise zuvor bereits mehrfach kritisiert.

wit/dpa/dapd/AFP

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