Tödlicher Angriff mit Schrotgewehr Mehr als elf Jahre Haft für 63-jährigen Mörder

In Berlin erschoss ein 63-Jähriger einen jungen Briten auf offener Straße. Nun muss der Mann ins Gefängnis - wegen Mordes. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert.


Wegen eines tödlichen Schusses auf einen in Berlin lebenden Briten ist ein 63-Jähriger zu elf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Der Mann sei des Mordes schuldig, befand das Landgericht der Hauptstadt.

Da der Angeklagte alkoholkrank ist und zum Zeitpunkt der Tat im Spätsommer vergangenen Jahres 3,39 Promille Alkohol im Blut gehabt haben soll, sei die Kammer jedoch von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen, sagte eine Gerichtssprecherin SPIEGEL ONLINE. Die Richter hätten deshalb keine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt.

Das 31-jährige Opfer, ein Jurist, war vor zehn Monaten mit einem Schrotgewehr erschossen worden, als er vor einem Lokal im Stadtteil Neukölln stand. Der Angeklagte habe "gezielt auf den Oberkörper des völlig arg- und wehrlosen Opfers gezielt", hieß es im Urteil. Wortlos war der Täter mit einer Schrotflinte auf den jungen Mann zugegangen und drückte aus nächster Nähe ab.

Das Motiv für die Tat habe bis zum Ende des Prozesses nicht geklärt werden können, möglich sei Ausländerhass, hieß es in dem Urteil. "Das ist aber nur ein vager Rückschluss aus seiner Sammelleidenschaft." Die Polizei hatte beim Angeklagten Nazi-Devotionalien wie eine Hitler-Büste und Waffen gefunden.

Aus Sicht der Nebenklage war Ausländerhass das Motiv: Der Angeklagte habe ihr einziges Kind feige und aus fremdenfeindlichen Motiven erschossen - weil er gehört habe, "dass unser Sohn Englisch sprach", sagte der 62-jährige Vater. Für sie als Eltern gebe es keine Zukunft. "Unser Haus, unser Leben, unsere Herzen sind jetzt leer."

Der Staatsanwalt hatte wegen Mordes unter Alkoholeinfluss elf Jahre und acht Monate Haft verlangt. Die Eltern des Getöteten forderten lebenslang, die Verteidiger plädierten auf Freispruch.

sms/apr/dpa



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