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15. Dezember 2016, 12:13 Uhr

Mutmaßlicher Mörder von Freiburg

Innenminister de Maizière wirft Griechenland schwere Versäumnisse vor

Der Flüchtling, der in Freiburg offenbar eine Frau umgebracht hat, war bereits in Griechenland im Gefängnis. Nach seiner Entlassung verstieß er gegen Auflagen. Doch eine internationale Fahndung unterblieb.

Wegen des mutmaßlichen Mörders von Freiburg hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière den griechischen Behörden schwere Versäumnisse vorgeworfen. Der Verdächtige Hussein K., der angeblich aus Afghanistan stammt, hatte in Griechenland wegen einer Gewalttat im Gefängnis gesessen.

Er kam vorzeitig frei, verstieß mit seiner Flucht aber gegen Meldeauflagen. Griechenland habe es versäumt, den Mann zur internationalen Fahndung auszuschreiben. "Ansonsten wäre der Tatverdächtige bei einer ordnungsmäßigen Kontrolle durch die deutschen Sicherheitsbehörden in verschiedenen Stufen aufgefallen", sagte de Maizière. "Das ist ein sehr ärgerlicher Vorgang. Wir werden das sicherlich mit der griechischen Seite auch zu besprechen haben."

Hussein K. soll in Freiburg die Studentin Maria L. vergewaltigt und getötet haben. Ein Vergleich von Fingerabdrücken bestätigte die Spur nach Griechenland.

Dort war Hussein K. im Mai 2014 wegen versuchten Totschlags demnach zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte 2013 auf Korfu eine Griechin ausgeraubt und eine Steilküste hinabgestoßen. Wegen eines Amnestiegesetzes wurde er im Oktober 2015 entlassen. Der Aufforderung, sich einmal pro Monat bei einer Polizeistelle zu melden, kam er jedoch nur im November 2015 nach.

Entlassung widerrufen

Im Dezember wurde seine Entlassung von der griechischen Justiz widerrufen. Da war Hussein K. den jüngsten Erkenntnissen zufolge schon in Deutschland. Am 12. November beantragte er auf einer Freiburger Dienststelle Asyl und wurde dabei von der Bundespolizei erkennungsdienstlich behandelt. Ein Abgleich mit internationalen Datenbanken brachte keine Ergebnisse.

Kritik am Verhalten der griechischen Stellen kam auch vom SPD-Innenexperten Burkhard Lischka. Sollte sich der Sachverhalt so bestätigen, "stellt sich vor allem die Frage, wieso ein verurteilter schwerer Gewalttäter bereits nach so kurzer Zeit aus der Haft entlassen wird und dann auch noch das Land verlassen kann", sagte Lischka der "Rheinischen Post".

Griechenland verteidigte das Vorgehen im Fall Hussein K. "Die Freilassung war legitim und völlig gesetzeskonform", sagte der Generalsekretär des Justizministeriums, Eftyxis Fytrakis. "Sein Betragen war exzellent. Er besuchte die Schule in der 6. und 7. Klasse, leistete 581 Tage freiwillige Arbeit ab."

sms/dpa

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