Mehrfachmord in Santa Monica: "Er sah aus wie ein Swat-Officer"

Erneut schockiert eine Gewalttat die USA: In Santa Monica hat ein Mann vier Menschen umgebracht, weitere wurden verletzt. Augenzeugen berichten vom kaltblütigen Vorgehen des Schützen, der unweit einer Veranstaltung mit Barack Obama mordete.

Santa Monica - Jerry Cunningham-Rathner sah ihren Sohn, wie er nach draußen ging. Es war Freitagmittag, wenige Minuten vor zwölf, eine ruhige Gegend von Santa Monica, Kalifornien. Kurz darauf hörte sie Schüsse, so erzählte Cunningham-Rathner es der "Los Angeles Times". Sie rannte nach draußen, voller Angst um den Jungen, doch ihm ging es gut.

Sie sah, dass auf der anderen Straßenseite ein Haus in Flammen stand, davor ein Mann, ganz in schwarz gekleidet, an der Taille ein Patronengürtel, in den Händen ein Gewehr. Laut "Los Angeles Times" trug er eine schusssichere Weste.

"Er sah aus wie ein Swat-Officer", sagte Cunningham-Rathner, wie ein Mitglied einer Spezialeinheit der Polizei.

Obama bei einer Spendenveranstaltung

Was die Mutter sah, war der Beginn einer Gewalttat, an deren Ende fünf Menschen tot und vier verletzt sein sollten. Wenn man so will, kam die amerikanische Waffenproblematik Barack Obama noch nie so nahe, wie durch diese Tat. Sie wurde offenbar verübt mit einem halbautomatischen Gewehr, Model AR-15, verwendet auch von Adam Lanza, dem Amokläufer von Newtown, und von James Holmes, der im Kino von Aurora ein Blutbad anrichtete. Laut Schätzungen sind in den USA rund vier Millionen AR-15s im Umlauf.

Der US-Präsident war wenige Kilometer entfernt bei einer Spendenveranstaltung, als das Haus brannte, als der schwarzgekleidete Mann zu morden begann.

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Santa Monica: "Er sah aus wie ein Swat-Officer"
Als Cunningham-Rathner zu den Flammen und dem Mann sah, fuhren zwei Autos heran. Der Mann habe seine Waffe auf einen Mazda gerichtet, er brüllte zur Fahrerin, sie solle stoppen. Die Fahrerin des zweiten Wagens forderte er auf weiterzufahren. Als sie zögerte, eröffnete der Täter das Feuer, die Frau wurde leicht verletzt.

Der Mann stieg in den Mazda von Laura Sisk. "Du fährst mich zum Santa Monica College und lässt mich da raus", habe er zu ihr gesagt, erzählte Sisk der "L.A. Times". Da sie wusste, dass Obama ganz in der Nähe war, dachte sie, es handle sich um einen Mitarbeiter des Secret Service. Sie merkte schnell: Das war falsch.

Panik in der Bibliothek

Ruhig sei er während der Fahrt gewesen, sagte Sisk. Sie selbst habe geschrien und gezittert, der Mann habe sie aufgefordert, sich zu beruhigen. "Er sagte, er werde mich gehen lassen, wenn ich keine Dummheiten mache."

Als sie an einem Bus vorbeikamen, feuerte der Mann los, er zerschoss die Scheiben, die Insassen warfen sich auf den Boden, so erzählte es Marta Fagerstroem der "L.A. Times", die selbst im Bus gewesen war. Zu Sisk rief der Mann, sie solle weiterfahren. Als sie am College ankamen, schoss er erneut, dieses Mal auf zwei Menschen, die in einem Ford Explorer saßen. Der Fahrer starb, der Beifahrer wurde schwer verletzt, er soll in kritischem Zustand sein.

Der Schütze stieg aus, Sisk raste davon, blieb dann stehen, verließ das Auto und rannte.

Polizisten eilten zum Campus, es kam zu einem Schusswechsel. Am Eingang der College-Bibliothek schoss der Täter auf eine Frau, sie starb später im Krankenhaus. Er flüchtete in das Gebäude, darin viele Studenten, die für ihre Examensprüfungen lernten. Laut Polizei schoss er erneut, Studenten seien panisch ins Freie gerannt oder hätten sich unter Tische geworfen.

Identität des Täters noch unklar

Schließlich konnten Polizisten den Mann stellen, sie schossen auf ihn, brachten ihn nach draußen, laut "L.A. Times" starb er auf dem Bürgersteig. Zwischen dem Überfall auf Mazda-Fahrerin Laura Sisk und seinem Tod waren nach Polizeiangaben rund zehn Minuten vergangen.

In dem Haus, das vor den Augen von Jerry Cunningham-Rathner brannte, wurden zwei Leichen entdeckt. Einer der Toten soll der Hausbesitzer sein, der andere dessen erwachsener Sohn. Noch äußerten sich die Behörden offiziell nicht zur Identität des Schützen. Womöglich war auch er ein Sohn des Hausbesitzers. Die Hintergründe sind noch unklar. Der Mann soll zwischen 25 und 30 Jahre alt gewesen sein.

Da der Flughafen von Santa Monica für Rettungshubschrauber gebraucht wurde, flog Obama nicht wie geplant nach Los Angeles, sondern wurde dorthin gefahren. Von L.A. ging es weiter nach Palm Springs, dort in der Nähe kam er mit Chinas Staatschef Xi Jinping zusammen. Das Waffenrecht war dort nicht das Thema, vorerst nicht.

bim

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