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Mord vor 43 Jahren: Ku-Klux-Klan-Mitglied schuldig gesprochen

Er soll 1964 zwei schwarze Teenager entführt, bestialisch gequält - und ertränkt haben: Eine Geschworenenjury im Bundesstaat Mississippi sprach den Ku-Klux-Klan-Anhänger James Seale jetzt schuldig, die beiden Anhalter Henry Hezekiah Dee und Charles Eddie Moore entführt zu haben.

Jackson - Der damals 28-jährige James Seale hatte die beiden Teenager mit einer Schrotflinte in Schach gehalten, während ein Komplize auf sie einprügelte. Anschließend hätten beide ihre Opfer mit schweren Gewichten lebendig in den Mississippi geworfen, befand ein Geschworenengericht jetzt. Dem heute 71 Jahre alten Seale droht nun eine lebenslange Haftstrafe. Die Anklage lautete auf Entführung und Verschwörung, nicht etwa Mord. Das Strafmaß wird am 24. August verkündet.

Charles Eddie Moore und Henry Hezekiah Dee, beide 19 Jahre alt, verschwanden am 2. Mai 1964 und wurden später im Mississippi tot aufgefunden.

"Ich danke dem Herrn, dass wir Gerechtigkeit erfahren haben", sagte Dees ältere Schwester Thelma Collins vor dem Gerichtsgebäude. Seale nahm den Schuldspruch mit reglosem Gesicht auf. Auch als er von Polizisten aus dem Saal geführt wurde, zeigte er keine äußerliche Regung. Er wurde in das Bezirksgefängis nördlich von Jackson gebracht.

Hauptbelastungszeuge in dem Prozess war Charles Marcus Edwards, der auch dem Ku Klux Klan (KKK) angehörte. Nachdem ihm Straffreiheit zugesichert worden war, sagte er aus, dass er mit Seale zur gleichen KKK-Gruppe gehört habe.

Die beiden Anhalter Dee und Moore seien in den Kofferraum von Seales Auto gesperrt und auf einen Bauernhof gefahren worden. Später seien die beiden gefesselt zum Mississippi gebracht worden. Seale habe ihm gesagt, dass die Jugendlichen mit schweren Gewichten in den Fluss gestoßen worden seien.

Der Fall gehört zu einer Reihe von Verbrechen weißer Extremisten, die während der Rassenunruhen und Bürgerrechtskämpfe in den fünfziger und sechziger Jahren in den USA begangen wurden. Viele Morde blieben jahrelang ungeklärt, oft genossen die Täter den Schutz von Beamten in lokalen und bundesstaatlichen Justizbehörden. Knapp 30 Fälle sind erst in den vergangenen beiden Jahrzehnten aufgeklärt worden. Zumeist hatten engagierte Bürgerrechtler die Ermittlungen der Behörden auf die richtige Spur gebracht.

Vor einem Jahr wurde der 80-jährige Edgar Ray Killen wegen der Beteiligung an der Ermordung dreier Bürgerrechtler in Mississippi zu dreimal 60 Jahren Gefängnis verurteilt.

jjc/Reuters/AP

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Später Prozess: Das Ende von Charles Moore und Henry Dee

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