Mordanklage Zeugin will Zschäpe in Tatort-Nähe gesehen haben

Wie eng war Beate Zschäpe in die Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" einbezogen? Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft vor. Dokumente zeigen nun: Eine Zeugin will Zschäpe in unmittelbarer Nähe eines Nürnberger Tatorts gesehen haben - an der Kasse eines Supermarkts.

Beate Zschäpe 2004 im Urlaub: In unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten
dapd

Beate Zschäpe 2004 im Urlaub: In unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten


Karlsruhe/Berlin - Die Ankläger im Fall Zschäpe gehen volles Risiko: Sie werfen der 37-Jährigen eine Mittäterschaft an allen zehn Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) vor. Die Bundesanwaltschaft spricht von "Anhaltspunkten", dass Zschäpe sich bei dem Mord an Ismail Y. in Nürnberg in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten haben soll.

Ermittlungsakten, die dem SPIEGEL vorliegen, und über die auch die "tageszeitung" berichtet, belegen, dass sich die Anklage offenbar auf die Aussage einer Zeugin stützt. Sie will Zschäpe am 9. Juni 2005 in der Nähe des Dönerstands, in dem Ismail Y. getötet wurde, gesehen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Kugeln abfeuerten.

Die Zeugin sagte, sie habe Zschäpe gegen 10 Uhr beim Bezahlen in einem Edeka-Supermarkt beobachtet. Direkt hinter dem Markt stand der Döner-Imbiss, an dem Y. zwischen 9.45 Uhr und 10.15 Uhr erschossen wurde.

Sie sei sich sicher, dass es Zschäpe gewesen sei, so die Zeugin. Die Frau habe sie damals an die US-Schauspielerin Sara Gilbert erinnert, die in der TV-Serie "Roseanne" die Darlene spielte. Tatsächlich gibt es zwischen der Schauspielerin und Zschäpe eine gewisse Ähnlichkeit.

Die Zeugin hat laut SPIEGEL bereits 2005 ausgesagt, sie habe in der Nähe des Tatorts zwei Männer mit Fahrrädern gesehen. Dies deckt sich mit weiteren Zeugenaussagen. Bei mehreren ihrer Morde und Banküberfälle sollen Mundlos und Böhnhardt mit Fahrrädern unterwegs gewesen sein.

Zschäpe wird zudem versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen: Sie soll an den NSU-Sprengstoffanschlägen in der Kölner Altstadt und in Köln-Mülheim beteiligt gewesen sein. Ihr werden außerdem unter anderem besonders schwere Brandstiftung und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zur Last gelegt: Zschäpe soll nach dem Suizid ihrer Komplizen die Wohnung des Terror-Trios in Zwickau in Brand gesetzt und DVDs verschickt haben, in denen sich der NSU zu seinen Taten bekennt. Wenige Tage später stellte sie sich der Polizei und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bislang verweigert sie die Aussage.

Neben Zschäpe hat die Bundesanwaltschaft vier mutmaßliche Unterstützer des NSU angeklagt - darunter der ehemalige NPD Funktionär Ralf Wohlleben.

Die Angeklagten im NSU-Prozess
Foto Beate Zsch¿pe
Foto Ralf Wohlleben
Foto Holger G.
Foto Carsten S.
Foto Andr¿ E.

Fotos: BKA/DER SPIEGEL

hut/han/dapd

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