Morddrohung Polizei verhaftet Möchtegern-Obama-Killer

In Mississippi ist ein 42-Jähriger festgenommen worden, der den künftigen US-Präsidenten bei seiner Amtseinführung ermorden wollte. Dem Mann fehlten zwar sowohl eine Waffe als auch das Geld für ein Busticket nach Washington - trotzdem drohen ihm nun fünf Jahre Knast.


Washington - Drei Mal wiederholt Stevie die Worte: "I'm gonna fucking kill you!" Die Kamera zoomt dabei immer näher an sein Gesicht, die einzelnen Wörter prononciert er immer langsamer und deutlicher. Wer in dem kurzen YouTube-Clip gemeint ist, scheint nun klar zu sein: Auf niemanden geringeren als den künftigen US-Präsidenten Barack Obama hat es der Mann abgesehen. Denn schon Tage zuvor hat Stevie in Forumsbeiträgen auf dem Internet-Portal www.alien-earth.org seinen Plan kundgetan, Obama bei seiner Amtseinführung am Dienstag zu ermorden.

Es sei besser für das Land, wenn er Obama umbringe, schrieb der Mann in einem Forumsbeitrag auf der Website, die sich unter anderem ausführlich mit dem Thema Ufos beschäftigt, und auf der derzeit auch die Frage diskutiert wird, ob der Airbus, der am Donnerstag auf dem Hudson River notwasserte, abgeschossen wurde.

Es sei wirklich nichts Persönliches gegen den Mann, beteuert Stevie in dem Eintrag. Obama rede gut, habe eine tolle Frau und süße Töchter. Er selbst sei auch kein Rassist, so Stevie. Seine Familie sei zwar ein wenig rassistisch, aber er nicht. Und dann folgt eine antisemitische Tirade. Er müsse Obama umbringen, so Stevies Argumentation, weil der etliche Juden für Regierungsämter ernannt habe. "Barack betrachte ich mehr als das Opferlamm", schreibt Stevie weiter. "Aber dieses Opfer muss es geben."

Weit ist Stevie nicht gekommen. Noch nicht einmal raus aus dem 10.000-Einwohner-Städtchen Brookhaven im US-Staat Mississippi, wo ihn die Polizei am Freitag in Gewahrsam nahm. Eigenen Angaben zufolge besaß er noch nicht einmal eine Waffe. Und wie er nach Washington kommen wollte, war ihm auch noch nicht klar. Im selben Forumseintrag bat er um Geld für das Ticket in die Hauptstadt - und um weitere Hilfestellung: "Ich brauche eine Lücke im Sicherheitsdienst, um aus nächster Nähe schießen zu können, irgendwo in der Nähe des Podiums. Ich habe noch nie eine Waffe benutzt, deshalb brauche ich einen einfachen Schuss."

Dem Mann drohen nun bis zu fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 Dollar (knapp 190.000 Euro). US-Staatsanwalt Dunn Lampton sagte, Drohungen gegen den Präsidenten würden sehr ernst genommen und schnell und hart verfolgt.

Wenige Tage vor der Wahl Obamas am 4. November waren zwei Neonazis im US-Bundesstaat Tennessee wegen eines Mordkomplotts verhaftet worden. Nach Polizeiangaben planten sie ein Massaker unter mehr als hundert Afroamerikanern und wollten schließlich auch Obama ermorden.

dab/AFP/AP



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