Morde im China-Restaurant: Zwei Vietnamesen nach Massaker von Sittensen festgenommen

Nach der Bluttat in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen hat die Polizei zwei Verdächtige gefasst. Es handelt sich um zwei Vietnamesen, die den Fahndern bei einer Routinekontrolle ins Netz gingen. Die beiden Männer hatten Drogen und einen mysteriösen Zettel bei sich.

Rotenburg - Bereits am Montag um 13.10 Uhr wurden die beiden Männer bei einer Routinekontrolle in Wildeshausen von der Autobahnpolizei festgenommen. Laut Polizei sind die beiden Tatverdächtigen 29 und 31 Jahre alt. Gegen die beiden Männer, die in Bremen leben, wurde Haftbefehl erlassen, sie sitzen in U-Haft.

Die beiden Männer gerieten mit einem blauen VW Polo in Wildeshausen im Kreis Oldenburg in eine Routinekontrolle. In einer Tasche hatten sie eine geringe Menge einer weißen Substanz, vermutlich Kokain, bei sich und einen handgeschriebenen Zettel, der auf das Verbrechen in Sittensen hinweist.

Für die Ermitller verdichteten sich bei der Kontrolle des Polos schnell die Anzeichen, dass die beiden Männer mit dem Mord in Sittensen in Verbidung stehen. SPIEGEL ONLINE erfuhr aus Polizeikreisen, dass es sich bei dem Zettel in dem Auto um eine Skizze des China-Restaurants handelte, in dem der Mord stattfand. Es habe sich um "eine Art Lageplan" gehandelt, sagte ein Fahnder, der wegen der laufenden Ermittlungen nicht mit Namen zitiert werden wollte.

Zudem stellten die Fahnder bei den Männer mehrere Schmuckgegenstände sicher, die nach ersten Ermittlungen aus dem Besitz des Restaurant-Besitzers stammen könnten. Weitere Recherchen dazu wurden sofort eingeleitet. Dem Haftrichter reichten jedoch die starken Indizien, um sofort die Untersuchungshaft anzuordnen. Um mögliche Absprachen unter den beiden Tatverdächtigen zu verhindern, wurden sie in zwei unterschiedliche Justizvollzugsanstalten verlegt. Bisher haben sie zu den Vorwürfen geschwiegen.

Verschiedene Zeugen hätten den Mietwagen der Verdächtigen mit Dürener Kennzeichen außerdem am Sonntag in der niedersächsischen Gemeinde vor den Toren Hamburgs beobachtet, so Petra Guderian, Einsatzleiterin der 80 Mann starken Sonderkommission. Insgesamt seien anschließend drei Wohnungen in Bremen und Ahlhorn durchsucht worden. Dort seien verschiedene Spuren gefunden worden, die jetzt ausgewertet würden.

Vier der sieben Opfer sind identifiziert. Unter ihnen ist ein 31- jähriger Thailänder aus Wolfenbüttel sowie das Betreiber-Ehepaar, ein 36-jähriger Hongkong-Chinese und seine 32 Jahre alte Frau gleicher Herkunft. Beide hatten einen britischen Pass.

Außerdem wurde eine 36 Jahre alte Kellnerin malaiischer Herkunft aus Soltau identifiziert. Deren Ehemann hatte das Verbrechen entdeckt, als er seine Frau in der Mordnacht von der Arbeit abholen wollte. Bei den anderen drei Opfern konnte nach Angaben der Ermittler bisher weder Identität noch Nationalität geklärt werden.

In der Nacht zu Montag waren im China-Restaurant "Lin Yue" in Sittensen sechs Personen erschossen worden. Ein siebter Mann erlag in der Nacht zum Dienstag seinen Schussverletzungen. Die etwa zweijährige Tochter des Betreiber-Ehepaares hat das Verbrechen überlebt. Das Kind sei in Sicherheit und bei stabiler, gesunder Verfassung, sagte Andreas Tschirner vom Landeskriminalamt Hannover.

Detaillierte Angaben zu den Schussverletzungen oder zu dem möglichen Ablauf der Tat machten weder Polizei noch Staatsanwaltschaft - aus "ermittlungstaktischen Gründen".

Die Sonderkommission habe bisher mehr als 100 Hinweise abgearbeitet. Die meisten seien von Personen gemacht worden, die in dem Restaurant zu Gast waren oder verdächtige Beobachtungen gemacht hatten.

mgb/jjc/ffr/Reuters/AFP/dpa

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