Urteil im Fall Christina Jugendstrafe für 45-jährigen Mörder

Im Prozess um den Mord an einer Neunjährigen im November 1987 hat das Landgericht Osnabrück den Angeklagten zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt. Der Mann hatte die Tat zuvor gestanden.

Justizbeamter mit Angeklagtem Thomas O. (r.): "Dann bin ich weg"
DPA

Justizbeamter mit Angeklagtem Thomas O. (r.): "Dann bin ich weg"


Osnabrück - Im Fall der kleinen Christina, die vor 26 Jahren auf dem Weg zur Schule ermordet wurde, hat das Osnabrücker Landgericht einen 45-jährigen Mann zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt. Der Mann war erst 2013 über einen DNA-Abgleich gefasst worden und hatte die Tat später gestanden. Weil er zur Tatzeit 19 Jahre alt war, wurde er nach dem Jugendstrafrecht von 1987 verurteilt.

"Es war eine zutiefst sinnlose und unerklärliche Tat", sagte der Vorsitzende Richter. Dem Angeklagten hielt die Kammer zu Gute, dass er den Mord öffentlich gestanden hat. Die Staatsanwaltschaft hatte für Thomas O. eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert, die Verteidigung hielt sechseinhalb Jahre für angemessen. Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort um Entschuldigung für das Verbrechen gebeten. Erklären könne er es aber nicht, sagte er.

Während der Verhandlung hatte Thomas O. ausgesagt, er sei beim Joggen im November 1987 in einer Kleingartenanlage auf das Mädchen gestoßen. In einem verwilderten Garten habe er versucht, das Kind zu vergewaltigen. Als sie gedroht habe, ihrer Mutter von dem Missbrauch erzählen, habe er ihr etwas in den Mund gesteckt. Seine Erinnerung an den genauen Tathergang sei aber sehr lückenhaft. "Ich habe erst wieder registriert, wie sie die Arme von mir gelassen hatte, dann bin ich weg", sagte er mit stockender Stimme. Das Sexualdelikt ist - im Gegensatz zum Mord - inzwischen verjährt.

Ein inzwischen pensionierter Kriminalbeamter sagte als Zeuge aus, Thomas O. sei schon damals ins Visier der Polizei geraten. So hätten Kinder in der Nähe des Tatorts einen Mann mit roten Haaren gesehen. Mit den damaligen Ermittlungsmethoden sei aber kein dringender Tatverdacht festzustellen gewesen. Der Mann habe ein Alibi vorweisen können. Erst dank der modernen DNA-Analysetechnik sei er schließlich doch noch gefasst worden.

rls/dpa



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