Mordfall Freiburg Nebenkläger fordern Erwachsenenstrafrecht für Hussein K.

Im Freiburger Mordprozess gegen Hussein K. haben die Eltern des Opfers eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht verlangt. Die Anklage fordert lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Der Angeklagte Hussein K. im Landgericht im Gerichtssaal
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Der Angeklagte Hussein K. im Landgericht im Gerichtssaal


Im Prozess gegen Hussein K., der die Tötung einer Freiburger Studentin gestanden hat, fordert die Nebenklage eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht.

Der Angeklagte sei mindestens 22 Jahre alt, sagte Rechtsanwalt Bernhard Kramer vor dem Landgericht Freiburg. Dies habe die Beweisaufnahme ergeben. Jugendstrafrecht, das in der Regel geringere Strafen zur Folge habe, sei somit ausgeschlossen.

Dem Gericht zufolge ist sowohl eine Verurteilung nach Jugend- als auch nach Erwachsenenstrafrecht möglich. Begründung: Das Alter des Angeklagten habe nicht zu 100 Prozent geklärt werden können, daher seien beide Strafrechtsvarianten denkbar. Angeklagt ist Hussein K. vor der Jugendkammer des Gerichts. Doch die kann auch nach Erwachsenenstrafrecht urteilen, wenn sie den Angeklagten als nicht minderjährig einstuft.

Rechtsanwalt Kramer vertritt in dem Prozess die Eltern der Getöteten. Der Staatsanwalt hatte am Freitag eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht, eine lebenslange Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung beantragt. Zudem müsse die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Damit wäre eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren Haft nahezu ausgeschlossen. Kramer schloss sich diesen Forderungen an.

Streit über das Alter des Angeklagten

Der Verteidiger forderte eine Therapie für seinen Mandanten. Hussein K. müsse im Gefängnis Hilfe und Betreuung angeboten werden, sagte Rechtsanwalt Sebastian Glathe. Er nannte in seinem Plädoyer kein konkretes Strafmaß. Für das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld oder eine Sicherungsverwahrung, wie sie von Staatsanwalt und Nebenklage gefordert werden, fehle jedoch die rechtliche Grundlage. Das Urteil soll am 22. März fallen.

Hussein K., zu dessen Alter es widersprüchliche Angaben gibt, hatte vor Gericht gestanden, im Oktober 2016 in Freiburg die 19-jährige Maria L. bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt zu haben. Die Frau ertrank im Fluss Dreisam.

Die Justiz unterscheidet bei Strafprozessen zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht. Wesentliches Kriterium ist das Alter. Ist ein Angeklagter zur Tatzeit zwischen 14 und 17 Jahre alt, gilt Jugendstrafrecht. Rechtlich möglich ist dies in den meisten Fällen aber auch bei Heranwachsenden, die zur Tatzeit 18 bis 21 Jahre alt sind. Ist ein Angeklagter zur Tatzeit 22 Jahre oder älter, gilt automatisch Erwachsenenstrafrecht.

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Unterschiede gibt es bei den Strafen: Möglich nach Jugendstrafrecht sind maximal fünf Jahre Haft, bei Mord in der Regel bis zu zehn Jahre. Bei Mord in besonders schweren Fällen und nur bei Heranwachsenden können es maximal 15 Jahre Haft sein. Nach Erwachsenenstrafrecht wird Mord in der Regel mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet, zudem ist in besonders schweren Fällen eine anschließende Sicherungsverwahrung möglich.

ala/mxw/dpa

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