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18. Dezember 2016, 11:45 Uhr

Mordfall in Freiburg

"Kann nicht glauben, dass sie ihn freigelassen haben"

Hussein K. soll eine Studentin aus Freiburg ermordet haben, zuvor saß er bereits in Griechenland wegen versuchten Mordes im Gefängnis. Allerdings nicht lange, was den Vater des Opfers fassungslos macht.

Im Mordfall Maria L. sitzt ein mutmaßlich minderjähriger Afghane in Untersuchungshaft. Doch Hussein K. steht nicht nur im Verdacht, die Freiburger Studentin getötet zu haben. Er war bereits 2014 in Griechenland wegen versuchten Mordes verurteilt worden, weil er auf der Insel Korfu eine Frau eine Steilküste hinuntergeworfen hat, die nur schwer verletzt überlebte.

Nun hat sich der Vater der heute 23-jährigen Griechin geäußert. "Meine Tochter leidet heute noch unter Schmerzen und Albträumen", sagte Pantelis Chaidos der griechischen Boulevardzeitung "Real News". "Ich kann nicht glauben, dass sie ihn freigelassen haben, damit er tötet. In was für einem Staat leben wir?"

Die Familie habe angenommen, der Täter befinde sich weiterhin in Haft, sagte der Vater der Zeitung. "Zehn Jahre hatte er bekommen und das war noch wenig für das, was er uns angetan hat." Seine Tochter müsse nach dem Sturz immer noch Operationen über sich ergehen lassen, die nächste in den kommenden Tagen. Wenn er an die trauernden Eltern des deutschen Mordopfers denke, werde er verrückt.

"Sehr ärgerlicher Vorgang"

Der Afghane war nach der Tat in Griechenland verurteilt, aber im Oktober 2015 unter Auflagen freigelassen worden. Dem Bericht zufolge meldete er sich noch einmal bei der griechischen Polizei, dann tauchte er unter, was aber laut der "FAS" wahrscheinlich nicht bei internationalen Polizeibehörden angezeigt worden war. Im November desselben Jahres gelangte er nach Deutschland.

Dass die deutsche Polizei nichts von dem Fall wusste, liegt an einem schlechten Datenaustausch zwischen den beiden Ländern. Innenminister Thomas de Maizière hatte die griechischen Behörden deshalb scharf kritisiert und von einem "sehr ärgerlichen Vorgang" gesprochen.

Damit sich so ein Fall nicht wiederholt, will Athen künftig mehr Daten über möglicherweise straffällig gewordene Flüchtlinge liefern, die über Griechenland nach Deutschland einreisen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr griechischer Amtskollege Alexis Tsipras bei einem Treffen am Freitag in Berlin vereinbart.

jus/dpa

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