Mordfall Lena: Angeklagter in Psychiatrie verlegt

Ein 18-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Aurich wegen Mordes an der elfjährigen Lena verantworten. Nun wurde der Angeklagte aus der U-Haft in die Psychiatrie verlegt. Auf den laufenden Prozess soll dies keine Auswirkungen haben.

Aurich - Im Prozess um den Mord an der elfjährigen Lena aus Emden ist der Angeklagte aus der Untersuchungshaft in eine psychiatrische Einrichtung verlegt worden. Das habe das Landgericht Aurich angeordnet, teilte ein Sprecher mit. Eine Begründung für die Entscheidung nannte er nicht. Auf den laufenden Prozess werde sich die Verlegung des Angeklagten wohl nicht auswirken.

Der 18-Jährige muss sich seit August wegen Mordes verantworten. Sollte das Gericht den Mann für vermindert schuldfähig oder nicht schuldfähig halten, könnte er langfristig in der Psychiatrie bleiben.

Lena war am 24. März in einem Parkhaus in Emden getötet worden. Der geständige 18-Jährige soll das Mädchen vergewaltigt und danach erwürgt haben. Der Prozess wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Dabei soll ein Psychiater beurteilen, ob der Angeklagte schuldfähig ist und ob er als Erwachsener oder Jugendlicher anzusehen ist.

Der Mordfall und Polizeipannen hatten bundesweit Bestürzung ausgelöst. Die Ermittler mussten nach der Festnahme des Angeklagten einräumen, dass er der Polizei schon länger bekannt war. Er hatte sich im vergangenen Jahr selbst angezeigt, weil er eine Siebenjährige nackt fotografiert hatte. Sein Stiefvater hatte ihn zudem wegen Kinderpornos gemeldet. Eine vom Amtsgericht in Hannover angeordnete Hausdurchsuchung fand jedoch nie statt. Wegen der Versäumnisse wurden gegen mehrere Beamte Disziplinarverfahren eingeleitet.

hut/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Auf jeden Fall
calü 04.10.2012
müssen auch die Beamten, die augenscheinlich tief und fest geschlafen haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Aber nicht nur in einem pro forma Verfahren. Warum können sich solche Leute solch ein Versagen erlauben. Nur weil sie beamtet oder im öffentlichen Dienst sind? Das ist doch unglaublich.
2. Immer schön weggucken
Albalux 04.10.2012
Das Ausbleiben von knallharten Konsequenzen nach haarsträubenden Verfehlungen im Dienst ist doch in Ostfriesland nichts Neues. Man denke doch nur am dem Fall des ehemaligen Leiters der Polizeiinspektion ehemaligen Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Wittmund/Friesland, der heute immer noch im Öffentlichen Dienst tätig ist und später einmal eine gute Pension kassieren wird. Näheres hier: http://www.staatsanwaltschaften.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=22875&article_id=81158&_psmand=165
3.
bronck 05.10.2012
Zitat von calümüssen auch die Beamten, die augenscheinlich tief und fest geschlafen haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Aber nicht nur in einem pro forma Verfahren. Warum können sich solche Leute solch ein Versagen erlauben. Nur weil sie beamtet oder im öffentlichen Dienst sind? Das ist doch unglaublich.
Jede Gesellschaft hat die Polizei, die sie verdient. Wenn man meint immer mehr sparen zu müssen, immer mehr Benchmarking, immer mehr Controlling, immer mehr Zielvereinbarungen (was ließe sich schöner zählen als Verwarnungsgelder wegen Falschparkens), dann soll man sich nicht wundern, wenn die paar übergebliebenen VZÄ (Vollzeitäquivalente, nicht Menschen) nicht dazu kommen sich um wichtige Dinge zu kümmern. Sie haben schließlich ihr Soll an Falschparkern zu erfüllen, sonst gibt es Ärger und potentielle Kindermörder sind keine relevante Messgröße.
4.
N0 C@rrier 05.10.2012
Zitat von calümüssen auch die Beamten, die augenscheinlich tief und fest geschlafen haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Aber nicht nur in einem pro forma Verfahren. Warum können sich solche Leute solch ein Versagen erlauben. Nur weil sie beamtet oder im öffentlichen Dienst sind? Das ist doch unglaublich.
Auf was bezieht sich das "geschlafen haben"?
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Mädchenmord in Emden - Chronologie
Verdächtiger seit 2011 polizeibekannt
Der Mord an einer Elfjährigen hat die Menschen in Emden erschüttert. Der mutmaßliche Täter sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Klar ist: Die Polizei hatte schon Monate vor der Tat mit dem Verdächtigen zu tun - und machte dabei offenbar schwere Fehler. Ein Überblick.
Jugendpsychiatrie
Samstag, 24. September 2011: Der Verdächtige begibt sich zur stationären Behandlung in die Jugendpsychiatrie Aschendorf. Die Behandlung endet am 18. November. Die Mutter des jungen Mannes hatte ihn im Oktober 2010 erwischt, als er Zuhause Nacktaufnahmen von einem siebenjährigen Mädchen machte.
Anzeige des Stiefvaters
Montag, 26. September 2011: Der Stiefvater des Verdächtigen erstattet bei der Polizei Anzeige, weil der Jugendliche kinderpornografische Fotos auf den Computer des Mannes heruntergeladen haben soll. Er gibt eine Festplatte mit entsprechenden Bildern bei den Beamten ab.
Selbstanzeige
Mittwoch, 23. November 2011: Der 18-Jährige erscheint zusammen mit einem Betreuer bei der Polizei in Emden und zeigt sich selbst an. Er gibt an, Fotos von einem unbekleideten Kind gemacht und kinderpornografische Bilder gesammelt zu haben. Mit der Selbstanzeige will er nach eigener Aussage einen Schlusspunkt setzen. Er gehe gegen seine Neigungen an und befinde sich in Betreuung. Die Polizei in Emden gibt das Verfahren an die zuständige Polizeiinspektion in Aurich ab.
Angriff auf Joggerin
Donnerstag, 24. November 2011: Der 18-Jährige soll versucht haben, eine Joggerin in Emden zu vergewaltigen. Er wird nicht gefasst, es werden jedoch DNA-Spuren gesichert, die ihn später belasten.
Antrag auf Hausdurchsuchung
Dienstag, 6. Dezember 2011: Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund stellt bei der Staatsanwaltschaft Aurich einen Antrag auf Hausdurchsuchung wegen des Vorwurfs der Kinderpornografie.
Akten in Hannover
Freitag, 9. Dezember 2011: Die Akten aus Aurich gehen bei der Staatsanwaltschaft Hannover ein, da diese in Niedersachsen für den Tatbestand Kinderpornografie zuständig ist.
Durchsuchungsbeschluss
Dienstag, 20. Dezember 2011: Das Amtsgericht Hannover erlässt auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Beschluss zur Hausdurchsuchung. Es soll nach kinderpornografischen Bildern gesucht werden. In der Akte findet sich auch der Verweis auf sexuellen Missbrauch. Doch die dafür zuständige Staatsanwaltschaft in Aurich wird darüber nach bisherigen Erkenntnissen nicht informiert, so dass die Nacktaufnahmen von der Justiz nicht weiter verfolgt werden.
Eingang in Aurich
Freitag, 30. Dezember 2011: Der Beschluss zur Hausdurchsuchung geht bei der Polizei in Aurich ein, doch er wird nicht umgesetzt. Auf Basis von Erfahrungswerten wird eine Frist von drei Monaten für die Durchsuchung und Auswertung vorgegeben. Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird die Vollstreckung eines Durchsuchungsbeschlusses nach sechs Monaten unzulässig.
Wiedervorlage
Dienstag, 20. März: Der Fall landet als Wiedervorlage bei dem zuständigen Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft Hannover. Dieser stellt fest, dass noch nichts passiert ist, und verlängert die Frist um einen Monat. Laut Justizministerium ist dieses Vorgehen nicht unüblich.
Mädchenleiche
Samstag, 24. März: Am Abend wird in einem Parkhaus im ostfriesischen Emden die Leiche eines elfjährigen Mädchens gefunden. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.
Fahndung läuft an
Montag, 26. März: Auf einer Pressekonferenz bestätigen die Ermittler, dass die Straftat einen sexuellen Hintergrund hat. Die Bilder der Überwachungskameras werden ausgewertet. Die Beamten fahnden nach einem dunkel gekleideten jungen Mann. Am Abend halten die Menschen in Emden eine Schweigeminute für das elfjährige Mädchen ab.
Polizei veröffentlicht Überwachungsvideo
Dienstag, 27. März: Die Polizei veröffentlicht Ausschnitte von Videoaufnahmen aus dem Parkhaus. Für Hinweise zur Ergreifung des Täters setzt die Stadt Emden eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro aus. Am Abend wird ein Tatverdächtiger festgenommen. Im Internet werden daraufhin Lynchaufrufe verbreitet. Rund 50 Menschen belagern stundenlang das Polizeigebäude in Emden, in dem der Verdächtige vernommen wird.
Tatverdächtiger sagt aus
Mittwoch, 28. März: Der junge Mann sagt nach anfänglichem Schweigen aus, legt aber kein Geständnis ab. Am Abend wird Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der junge Mann bestreitet weiterhin, die Tat begangen zu haben.
Behörden geben Pressekonferenz
Donnerstag, 29. März: Auf einer Pressekonferenz teilt die Polizei mit, dass der Verdächtige für die Tatzeit kein Alibi besitzt. Außerdem soll sich der junge Mann bei den Vernehmungen in Widersprüche verwickelt haben. Die Polizei veröffentlicht eine neue Videoaufnahme, auf der der mutmaßliche Täter zu sehen ist.
17-Jähriger wird freigelassen
Freitag, 30. März: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass der festgenommene 17-Jährige unschuldig ist und aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Das getötete Mädchen wird in Emden beigesetzt.
Festnahme des 18-Jährigen
Samstag, 31. März: Die Ermittler nehmen den 18-Jährigen fest. Hinweise aus der Bevölkerung hätten den Tatverdacht konkretisiert, das Ergebnis einer DNA-Analyse den Verdacht untermauert, so die Polizei.
Geständnis
Sonntag, 1. April: Die Ermittler geben bekannt, dass der 18-Jährige die Tötung des elfjährigen Mädchens zugegeben hat.
Ermittlungsfehler
Dienstag, 3. April: Die Polizei räumt eine schwere Panne ein und berichtet darüber, dass die Wohnung des 18-Jährigen trotz des Beschlusses nicht durchsucht worden ist. Die Gründe für die Panne sollen bei polizeiinternen Ermittlungen geklärt werden.
Gedenkveranstaltung
Donnerstag, 12. April: In Emden versammeln sich Schüler, Lehrkräfte und Eltern an der Emsschule zu einer Gedenkveranstaltung. Gegen vier weitere Beamte werden Disziplinarverfahren eingeleitet.
Urteil wegen Aufrufs zur Lynchjustiz
Mittwoch, 30. Mai: Der 18-jährige Berufsschüler, der bei Facebook zum Lynchmord aufgerufen hat, wird zu zwei Wochen in Dauerarrest verurteilt. Er erhält zudem eine Verwarnung nach Jugendstrafrecht.
Prozessauftakt
Montag, 20. August: Vor dem Landgericht Aurich beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Lena. Dem 18-Jährigen wird neben der Tötung und dem sexuellen Missbrauch auch die versuchte Vergewaltigung einer Joggerin im November 2011 vorgeworfen. Der Prozess beginnt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Quellen: dpa/dapd

Urteil
Mittwoch, 7. November: Das Landgericht Aurich spricht den Angeklagten schuldig und ordnet seine Einweisung in eine psychiatrische Klinik an. Der 19-Jährige wird wegen Mordes und versuchten sexuellen Missbrauchs verurteilt.