Mordfall Marwa Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Dresdner Richter

Im Mordfall der Marwa al-Schirbini hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Präsidenten und einen Richter des Landgerichts Dresden aufgenommen. Die Familie der Ägypterin hatte schon vor Wochen Strafanzeige gestellt.


Dresden - Nach dem Mord an der Ägypterin Marwa al-Schirbini im Dresdner Landgericht ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen den damaligen Richter und den Gerichtspräsidenten. Das Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung sei schon vor Prozessbeginn eingeleitet worden, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius der Deutschen Presse-Agentur dpa in Dresden am Samstag.

Jüngste Medienberichte über die Ermittlungen sind Avenarius zufolge deshalb "ein alter Hut". Der Anwalt des Witwers habe bereits vor rund sechs Wochen Strafanzeige gestellt. Die Anwälte der Familie der Getöteten hatten den Richtern auch im Prozess vorgeworfen, wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen in dem Gebäude mitschuldig am Tod der jungen Mutter zu sein.

Die Familie Schirbini bereitet nach dem Bericht einer Kairoer Zeitung eine Klage gegen die Verantwortlichen des Dresdner Gerichts vor. Trotz Kenntnis der "kriminellen Absichten" des Täters schon vor Beginn des Beleidigungsprozesses habe es keine Sicherheitskontrollen gegeben, kritisierte einer ihrer Anwälte. Die Familie ist zudem mit dem Freistaat im Gespräch über eine Entschädigung.

Lebenslange Freiheitsstrafe für Alex W.

Der Russlanddeutsche Alex W. hatte Marwa al-Schirbini am 1. Juli vor den Augen ihres Sohnes brutal mit einem Messer erstochen und ihren Ehemann lebensgefährlich verletzt. Ein zu Hilfe eilender Polizist hatte dem Ägypter irrtümlich in den Oberschenkel geschossen. Auch gegen den Beamten wird ermittelt. Die Frau und der Täter waren im Gericht zusammengetroffen, nachdem der arbeitslose Spätaussiedler sie auf einem Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft und die Ägypterin daraufhin Strafanzeige gestellt hatte.

Der 29-Jährige war am vergangenen Mittwoch wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, womit eine vorzeitige Haftentlassung auf Bewährung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen ist. Die Verteidigung kündigte Revision an.

Die Vorsitzende Richterin hatte in ihrem Schlusswort betont, dass es in dem vorhergegangenen Beleidigungsverfahren keine Anzeichen gegeben habe, die besondere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich gemacht hätten.

abl/dpa



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