Mordfall Tobias: Angeklagter legt umfassendes Geständnis ab

Mord und schwere versuchte sexuelle Nötigung - fast zwölf Jahre liegt das Verbrechen an dem elfjährigen Tobias zurück. Nun muss sich der 48-jährige Rolf H. vor Gericht verantworten. Zum Prozessauftakt gestand er die Tat.

Der Angeklagte Rolf H. vor Gericht in Stuttgart: Tobias "zufällig" ausgesucht Zur Großansicht
dapd

Der Angeklagte Rolf H. vor Gericht in Stuttgart: Tobias "zufällig" ausgesucht

Stuttgart - "Ich habe in seinen Augen den Tod gesehen, die Todesangst halt", sagte Rolf H. vor Gericht. Mit einem Geständnis hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des elfjährigen Schülers Tobias begonnen. Vor dem Stuttgarter Landgericht gab der Angeklagte zu, den Jungen am 30. Oktober 2000 mit 38 Messerstichen getötet zu haben. Erst mehr als elf Jahre später, im vergangenen August, kam die Polizei auf die Spur des mittlerweile 48-jährigen Angeklagten Rolf H.

Die Anklage wirft ihm Mord und schwere versuchte sexuelle Nötigung vor. Der Beschuldigte habe Tobias wegen angeblicher Probleme mit seinem Fahrrad angesprochen. "Er lockte ihn hinter eine Fischerhütte", sagte Staatsanwalt Albrecht Braun. Hinter der Hütte habe er den Jungen bedroht, um ihn sexuell zu missbrauchen. Als das Kind sich wehrte und schrie, soll der Angeklagte ihn ermordet haben. "Tobias hatte dem Angriff auf sein Leben, der immer noch völlig überraschend kam, nichts entgegenzusetzen", sagte der Staatsanwalt.

Rolf H. sagte, er wisse nicht, warum er sich den Jungen als Opfer ausgesucht habe. Er habe ihn schon eine Weile beobachtet. "Und dann kam mir halt die blöde Idee: Mit dem kannst du das jetzt mal machen." Der Angeklagte räumte vor Gericht auch masochistische Neigungen ein. Schon in der Pubertät habe er festgestellt, dass er bei Schmerzen sexuelle Lust verspüre. Im Laufe der Jahre habe sich das Verlangen gesteigert, im Alter von 30 Jahren sei es "wirklich extrem" gewesen. Der Angeklagte sagte, er könne sich nur noch an die Geräusche der Tat, die fast zwölf Jahre zurückliegt, erinnern. Er habe nicht vorgehabt, den Jungen umzubringen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte Tobias tötete, um den geplanten sexuellen Missbrauch zu verdecken.

Die Vernehmung des Angeklagten fand öffentlich statt. Sein Anwalt hatte beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen, um seinen Mandanten nicht als "abartiges Monster" an den Pranger zu stellen - dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt. Die Familie des Opfers, die als Nebenkläger auftritt, begrüßt diese Entscheidung.

Die Leiche des Jungen war im Oktober 2000 in einem Weiher in Weil im Schönbuch gefunden worden. Für den Prozess sind zunächst 15 Termine angesetzt. Am 13. März werden erste Zeugen vor Gericht vernommen. Im weiteren Prozessverlauf soll es auch um die Frage gehen, ob der Beschuldigte in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss.

cla/dpa/apd/dapd

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