Mordprozess Anklage nennt Phil Spector einen "teuflischen Verrückten"

Bei einem bizarren Spiel mit Waffen und Gewalt soll Phil Spector die Schauspielerin Lana Clarkson erschossen haben. Während die Verteidigung per DNA-Analyse die Unschuld des Produzenten beweisen will, ist die Anklage überzeugt: Spector hat mit dem Leben von Frauen "russisches Roulette" gespielt.


Los Angeles - "Phillip Spector hat Lana Clarkson nicht getötet. Das geht aus den Beweisen hervor", sagte Spectors Verteidiger Dorton Weinberg am Dienstag in seiner abschließenden Beweisführung vor dem Obersten Gericht in Los Angeles. Es seien keine DNA-Spuren an der Tatwaffe gefunden worden, man könne davon ausgehen, dass Clarkson sich selbst in den Mund geschossen habe.

Phil Spector am Mittwoch vor dem Obersten Gericht in Los Angeles
DPA/ LOS ANGELES TIMES

Phil Spector am Mittwoch vor dem Obersten Gericht in Los Angeles

Als mögliches Selbstmordmotiv führten Spectors Anwälte an, dass die 40-jährige Clarkson depressiv gewesen sei, weil ihre Karriere als Filmdarstellerin ins Stocken geraten war.

Fünf Monate hatte der Prozess gedauert, die Verteidigung hatte 14 forensische Beweisstücke beigebracht, um die Unschuld des Angeklagten zu belegen. Der 69-jährige Spector soll die Frau am 3. Februar getötet haben, als sie sein Anwesen in der Nähe von Los Angeles verlassen wollte. Die beiden hatten sich erst Stunden vorher in einem Hollywood-Nachtclub kennengelernt, in dem Clarkson als Hostess arbeitete.

Die Staatsanwaltschaft betonte, die Schießerei sei Teil eines Waffen- und Gewaltspiels gewesen, das Spector in der Vergangenheit bereits mit anderen Frauen inszeniert habe. Anklägerin Truc Do nannte den Produzenten in ihrem Abschlussplädoyer einen "teuflischen Verrückten". Spector spiele mit dem Leben von Frauen "russisches Roulette" und glaube, dass alle Frauen "eine Kugel in den Kopf verdienten".

Fünf Frauen hatten vor Gericht ausgesagt, sei seien von dem Musikproduzenten mit Waffen bedroht worden. Spectors Chauffeur berichtete, sein Arbeitgeber sei am Tatabend aus dem Haus gekommen und habe zu ihm gesagt: "Ich glaube, ich habe jemanden getötet."

Spectors erstes Verfahren endete im September 2007, weil die Geschworenenjury nicht zu einem einstimmigen Urteil gelangen konnte. Der Angeklagte hatte weder im ersten noch im zweiten Verfahren ausgesagt. Ab dem heutigen Mittwoch werden die Geschworenen tagen. Bei einer Verurteilung drohen ihm zwischen 15 Jahren und lebenslanger Haft.

Spector - Pionier der sogenannten "Wall of Sound"-Aufnahmetechnik in den Sechzigern - hatte mit weltberühmten Künstlern wie den Beatles, Cher, Leonard Cohen und den Ramones gearbeitet.

ala



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