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Mordprozess gegen Ex-Krankenpfleger: Niels H. zu lebenslanger Haft verurteilt

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. hat seine Patienten absichtlich in Lebensgefahr gebracht, um sich zu profilieren. Laut seinem Geständnis sollen bis zu 30 Menschen gestorben sein. Jetzt ist in Oldenburg das Urteil im Mordprozess gefallen: H. muss lebenslang in Haft.

Oldenburg - Wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung ist der ehemalige Krankenpfleger Niels H. vom Landgericht Oldenburg verurteilt worden - zu einer lebenslangen Haftstrafe. Zugleich stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Der 38-Jährige hat zugegeben, zahlreichen Patienten eine Überdosis eines Herzmittels gespritzt zu haben. Insgesamt gestand er 90 Taten, bis zu 30 Opfer sollen gestorben sein. Im Prozess sagte er, es tue ihm leid. Die meisten Fälle wurden erst während der Verhandlung bekannt und spielten deshalb für das Urteil keine Rolle. H. wird sich möglicherweise erneut vor Gericht verantworten müssen, die Ermittlungen der Polizei werden aber noch mehrere Monate dauern.

Der Ex-Krankenpfleger wollte die Patienten eigenen Angaben zufolge in Lebensgefahr bringen, um sie dann reanimieren und sich vor Kollegen profilieren zu können. Er nutzte das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), das überdosiert zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall führen kann.

Eine Sonderkommission der Polizei untersucht derzeit alle Todesfälle während der Dienstzeit des Mannes am Klinikum Delmenhorst und seinen anderen Arbeitsstätten in Oldenburg, Wilhelmshaven sowie bei den Rettungssanitätern. Es geht um etwa 200 Verdachtsfälle.

Verteidigerin Ulrike Baumann hatte dafür plädiert, H. wegen zweifachen Totschlags und dreifacher gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe unter 15 Jahren zu verurteilen. "Herr H. wollte nicht töten, er wollte den Tod besiegen", sagte Baumann. "An seiner Schuld besteht kein Zweifel, an der Schwere seiner Schuld schon."

Ein Gutachter hatte vor Gericht gesagt, er halte H. für voll schuldfähig. Während des Verfahrens waren auch Versäumnisse der Ermittlungsbehörden offenbar geworden.

aar/dpa/AFP

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