Mordprozess in Freiburg "Er wusste, was er getan hat"

Hussein K. hat die Ermordung der Freiburger Studentin Maria L. gestanden. Schon in Griechenland hatte er versucht, eine Frau zu töten. Vor Gericht erzählten nun Ermittler von der Tat auf Korfu.

Hussein K.
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Hussein K.

Von Jan Friedmann, Freiburg


Im Oktober 2016 riss Hussein K. die Freiburger Studentin Maria L. vom Fahrrad und vergewaltigte sie neben einem Radweg. Er würgte die junge Frau, bis sie bewusstlos war, sie ertrank anschließend im Fluss Dreisam. Der Prozess dauert nun schon seit Anfang September, bis jetzt bleibt der tödliche Gewaltakt gegen die arglose Frau rätselhaft. Am 18. Tag des Prozesses berichteten griechische Ermittler nun von einer Vorläufertat.

Es war ein Frühjahrsabend im Mai 2013. Da attackierte K. nach den Angaben zweier Polizisten eine 20-jährige Geschichtsstudentin an der Uferpromenade der griechischen Insel Korfu. Er versuchte ihr die Handtasche zu entreißen, die Frau wehrte sich. Was zunächst wie ein Raubversuch aussah, wendete sich zu einem Mordversuch: K. soll die Frau hochgehoben und sie eine acht bis zehn Meter hohe Klippe hinuntergestoßen haben.

Die Frau überlebte mit Knochenbrüchen und musste sich anschließend lange in psychologische Behandlung begeben. 2014 wurde K. in Griechenland für versuchten Mord und Raub zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Zweifel am Alter

In Deutschland wurde die Tat kurz nach K.s Festnahme im Dezember 2016 bekannt. Verbunden mit der Erkenntnis: Hier war nach allzu kurzer Haft ein verurteilter Straftäter als Flüchtling in die Bundesrepublik eingereist, ohne dass die deutschen Behörden durch internationale Datenbanken davon Kenntnis bekommen hatten.

Vor dem Freiburger Landgericht ging es nun um die damalige Tat, die außergewöhnlich brutal war: Denn die Studentin hatte sich noch an ein Geländer geklammert und K. angefleht, sie nicht hinunterzustoßen. Doch K., so die griechischen Polizisten, habe ihr geboten zu schweigen und sich mit Kraft und Gewalt durchgesetzt.

Im Krankenhaus, wohin die Polizisten den inzwischen festgenommenen K. zur Gegenüberstellung gebracht hatten, soll ihn die verletzte Studentin gefragt haben: "Warum hast du das getan?" Hussein K. habe darauf nichts erwidert, erzählt ein Polizist. K. habe sich entschuldigt. Aber er, der Polizist, habe K. die Entschuldigung nicht abgenommen. "Das kam so leicht raus." Genauso wenig wie das Geburtsdatum, das K. bei seiner Einreise nach Griechenland angegeben hatte: Der 1.1.1996.

Das Datum habe K. angegeben, um als Minderjähriger bessere Chancen beim Asylantrag zu haben, so habe K. es selbst berichtet. Der junge Mann hauste damals in einer verlassenen Ölmühle nahe am Hafen, er wartete auf eine Bearbeitung seines Antrags. Als Herkunftsland habe er Afghanistan und Iran angegeben. Auch im Freiburger Verfahren war das umstrittene Alter des Angeklagten schon mehrfach Thema, es ist im Prozess von zentraler Bedeutung.

Doch mehr als die Migrationsgeschichte des Angeklagten interessiert die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk an diesem Verhandlungstag, in welcher Verfassung K. die Tat auf Korfu beging. War er betrunken? Stand er unter Drogen? Diese Fragen sind auch entscheidend, um den Mord an Maria L. einzuordnen - denn K. führt im Freiburger Fall an, er sei stark betrunken gewesen.

K. habe damals nicht unter Alkohol und Drogen gestanden, so der Eindruck des Polizeibeamten. "Er war gefasst, er wusste, was er getan hat", lässt der Beamte den Dolmetscher übersetzen. "Er war nicht aufgeregt, und er zeigte keine Reue. Er war eher zynisch."

Aus der Tasche des Mädchens, die die Polizisten im seichten Wasser fanden, fehlte nichts.

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