Verschwundener Kieler Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen im Fall Tekin Bicer ein

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat das Ermittlungsverfahren im Fall des verschwundenen Kielers Tekin Bicer eingestellt. Trotz zahlreicher Durchsuchungen und Zeugenbefragungen konnten keine Beweise für eine Beteiligung der Hells Angels gefunden werden.

Verdächtige Lagerhalle: Keine Leiche gefunden
DPA

Verdächtige Lagerhalle: Keine Leiche gefunden


Kiel - Es war eine Razzia im ganz großen Stil: Im Mai 2012 stürmten Kräfte der Eliteeinheit GSG 9 die Villa des mächtigen Hells Angel Frank Hanebuth bei Hannover, sie seilten sich aus einem Hubschrauber ab, erschossen einen Hund und durchsuchten das Anwesen. Ein Grund für die Durchsuchung: Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen an, der Rocker habe den Mord an Tekin Bicer in Auftrag gegeben.

Der Kieler war im April 2010 verschwunden. Eine Theorie lautete: Er soll sich mit den Hells Angels aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt überworfen haben. Hanebuth hatte die Vorwürfe stets bestritten, das Verfahren gegen ihn ist mittlerweile eingestellt worden. Zwei Jahre nach der Razzia haben die Ermittler nun eingestehen müssen, dass sie keine Ansätze mehr haben, den Vermissten zu finden.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat das Ermittlungsverfahren gegen die übrigen Beschuldigten eingestellt. "Der Sachverhalt und Verbleib von Tekin Bicer konnte nicht aufgeklärt werden", heißt es in einer Mitteilung. Und das trotz zahlreicher Durchsuchungen und 100 vernommenen Zeugen.

Keine weiteren Ermittlungsansätze

"Dafür, dass sein Verschwinden im Zusammenhang mit Streitigkeiten unter Mitgliedern des ehemaligen Kieler Charters des 'Hells Angels Motorrad Clubs' steht, konnten keine Beweise gefunden werden", heißt es weiter. Weitere Ermittlungsansätze seien derzeit nicht vorhanden.

Der Mordverdacht war vor allem auf die Aussage des ehemaligen Rockers Steffen R. gestützt, der bis zu seiner Festnahme im Mai 2011 Gründer und Chef der Legion 81 war, einem Ableger der Hells Angels. Vor Gericht hatte R. Hanebuth beschuldigt, den Mord an Tekin Bicer in Auftrag gegeben zu haben - so hätten es ihm mehrere Hells Angels auf einer Weihnachtsfeier im Dezember 2010 erzählt. Angeblich sei die Leiche in einer Lagerhalle einbetoniert worden. Es gab jedoch erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen.

Die fragliche Lagerhalle war von der Polizei komplett ausgeräumt, der schwere Betonboden mit Spezial- und Großgerät abgetragen, später sämtliches Erdreich teilweise metertief akribisch durchsucht. Auch Leichenspürhunde kamen zum Einsatz. Die Ermittler konnten jedoch keine Leiche finden.

bka

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