Mordverdacht Pornodarsteller Magnotta soll nach Kanada ausgeliefert werden

In Berlin konnte der flüchtige Kanadier Luka Magnotta gefasst werden. Der 29-Jährige soll einen Studenten brutal ermordet und ein Video der Gewalttat ins Internet gestellt haben. Jetzt soll Magnotta so rasch wie möglich ausgeliefert werden.


Berlin - Schnelles Ende einer weiten Flucht: 7000 Kilometer brachte Luka Magnotta zwischen sich und seine Wohnung in Montréal, in der er am 25. Mai einen jungen Mann bestialisch getötet haben soll. In einem Müllhaufen hinter dem Backsteinhaus, in dem der 29-Jährige lebte, fand die Polizei einen verstümmelten menschlichen Torso, in seinem Apartment eine blutverschmierte Matratze. Der Tatverdächtige selbst hatte sich abgesetzt. Wie sich später herausstellte, flog er zunächst nach Paris und fuhr dann im Bus weiter nach Berlin.

Hier wurde er am Montag festgenommen - und soll nun schnellstmöglich an Kanada ausgeliefert werden. Martin Steltner von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft ist optimistisch, dass über den vorläufigen Auslieferungsantrag zügig entschieden wird: "Magnotta hat keine Einwände gegen eine Auslieferung", sagte er am Dienstag. Einen entsprechenden Beschluss kann das Gericht allerdings erst fassen, wenn die dafür nötigen Unterlagen aus Kanada eingegangen sind. Die kanadischen Behörden befürchten, dass sich ein solches Auslieferungsverfahren über Jahre hinziehen könnte.

Magnotta wurde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt und ins Untersuchungsgefängnis Moabit gebracht. Er soll Ende Mai einen 32-jährigen chinesischen Studenten getötet, zerstückelt und die Gewalttat auf Video aufgenommen haben. Dieses soll er im Internet veröffentlicht haben.

Am Montag war der laut eigener Aussage bisexuelle Pornodarsteller in einem Berliner Internetcafé festgenommen worden. Der 29-Jährige leistete keinen Widerstand, versuchte aber zunächst, sich herauszureden. Am Ende gab er zu: "You got me!" ("Ihr habt mich!").

Die französische Polizei hatte Videobänder des internationalen Busbahnhofs in Paris überprüft und dabei die Abreise nach Deutschland festgestellt. Magnotta war unter falschem Namen unterwegs: Laut französischer Polizei nannte er sich Tramell. So heißt auch die Hauptperson in dem Film "Basic Instinct" mit Sharon Stone, die einen Liebhaber mit einem Eispickel ermordet.

Wo sich Magnotta in den vergangenen Tagen in Berlin aufhielt, war zunächst unklar. Es gibt keine Hinweise auf Straftaten. Die kanadische Polizei allerdings ist der Auffassung, dass Magnotta für weitere ungeklärte Kriminalfälle in seiner Heimat verantwortlich sein könnte. "Wenn man einem solchen Menschen gegenübersteht, denkt man an andere Verbrechen", sagte Polizeisprecher Ian Lafrenière, ohne Details zu nennen. Die Ermittlungen gegen Magnotta seien noch "weit davon entfernt", abgeschlossen zu werden.

Bevor sein Name im Zusammenhang mit dem Verbrechen genannt wurde, war Magnotta im Internet vor allem als Tierquäler bekannt. Eine Facebook-Gruppe verpasste ihm 2010 den Namen "Vakuum-Katzen-Killer". Den Mitgliedern zufolge soll Magnotta zwei Kätzchen in eine Plastiktüte gesteckt, die Luft herausgesogen und dann den Tieren beim Ersticken zugeschaut haben. Das Video davon stellte er ins Internet. Andere Tierschützer brachten Magnotta in Verbindung mit einem auf YouTube geposteten Video, auf dem er ein Kätzchen einem Python zum Fraß vorwirft.

In einem jetzt aufgetauchten Fernsehinterview aus dem Jahr 2007 berichtet der 24-Jährige über sein Leben als Pornodarsteller. Magnotta wurde am 24. Juli 1982 als Eric Clinton Kirk Newman in Scarborough, Ontario, geboren. Laut Informationen der "Ontario Gazette" soll er seinen Namen im Juli 2006 in Luka Rocco Magnotta geändert haben. Im Web firmierte er unter Pseudonymen wie Vladimir Romanov oder Mattia Del Santo.

Im kanadischen Ottawa war wenige Tage nach der Tat ein abgetrennter Fuß in einem Paket bei der konservativen Regierungspartei eingegangen. Ein weiteres Paket mit einer Hand sollte an die liberale Partei gehen, wurde aber in einem Postamt abgefangen. Die Leiche des Studenten wurde ohne Kopf in Montréal gefunden. Freunde des Chinesen widersprachen laut chinesischen Presseberichten der Behauptung, Magnotta habe eine Liebesbeziehung zu seinem Opfer unterhalten.

Der junge Mann war am 26. Mai mit der Fluglinie Air Transat vom kanadischen Montréal nach Paris geflogen. Ein französischer Mitreisender berichtete am Dienstag im Radiosender Europe 1, Magnotta sei während des Fluges unruhig gewesen und sei dann vorübergehend verschwunden. "Als er zurückkam, sah ich, dass er weinte."

ala/dpa/AFP



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