Mordvorwurf gegen Ex-Krankenpfleger Ermittler wollen acht Leichen ausgraben

Um die Mordvorwürfe gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. zu klären, wollen Ermittler auf einem Friedhof acht Leichen exhumieren. H. hat gestanden, Dutzenden Patienten eine Überdosis eines Herzmittels gespritzt zu haben.

Angeklagter Niels H., Anwältin: Polizei und Staatsanwaltschaft weiten Ermittlungen aus
DPA

Angeklagter Niels H., Anwältin: Polizei und Staatsanwaltschaft weiten Ermittlungen aus


Oldenburg - Mit Exhumierungen wollen Polizei und Staatsanwaltschaft in Oldenburg die Mordermittlungen gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. voranbringen. Die Toten sollten auf einem Friedhof in der Region ausgegraben werden, sagte der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme.

Wo sich der Friedhof genau befindet, wurde nicht bekannt gegeben. "Wir wollen verhindern, dass viele Schaulustige das Geschehen vor Ort verfolgen", sagte Kühme. In den kommenden Wochen werden Ausgrabungen auf weiteren Friedhöfen folgen. Mit Ergebnissen ist erst in einigen Monaten zu rechnen.

Zunächst sollen acht Leichen ausgegraben werden, Verstorbene aus dem Klinikum Delmenhorst. Die Angehörigen hätten betroffen, aber weitestgehend gefasst auf die Nachricht reagiert, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei Oldenburg mit.

Für vier weitere Leichen haben die Ermittler nach eigenen Angaben schon Genehmigungen. Wie viele Exhumierungen es insgesamt geben wird, ist noch unklar. Die Ermittler wollen das gesamte Berufsleben des Ex-Krankenpflegers auf verdächtige Sterbefälle prüfen. Bei den Ermittlungen geht es um insgesamt rund 200 Fälle an Niels H.s früheren Arbeitsorten: um 20 Fälle in Oldenburg, acht Fälle beim Rettungsdienst und 174 Fälle am Klinikum Delmenhorst.

H. ist wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs angeklagt. Der Fall ist aber vermutlich viel umfangreicher, auch wenn die mutmaßlichen weiteren Taten nicht Teil der Anklage sind.

H. hat zugegeben, zahlreichen Patienten meist ohne viel Bedacht eine Überdosis eines Herzmittels gespritzt zu haben. Insgesamt gestand er 90 Taten, bis zu 30 Opfer sollen gestorben sein. Im Prozess sagte er, es tue ihm leid.

Ein Gutachter hält H. für voll schuldfähig, die Staatsanwaltschaft hat für den 38-Jährigen lebenslange Haft gefordert. Das Urteil will das Landgericht Oldenburg am Donnerstag verkünden.

ulz/dpa

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