Ein Mann, 24 Frauen Frühere Mormonen-Bischöfe wegen Polygamie verurteilt

Einer der Männer soll mit seinen 24 Frauen knapp 150 Kinder haben: Ein Gericht in Kanada hat zwei Anhänger einer Mormonen-Kirche verurteilt - nach einem Prozess, der seine Anfänge vor 27 Jahren hatte.

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Zwei ehemalige Bischöfe einer mormonischen Glaubensgemeinschaft in Kanada sind wegen verbotener Mehrehen verurteilt worden. Winston Blackmore und der acht Jahre jüngere James Oler lebten jahrzehntelang polygam, wie es im Urteil des höchsten Gerichts im Bundesstaat British Columbia heißt.

Der frühere Mormonen-Bischof Oler war demnach gleichzeitig mit fünf Frauen verheiratet, Blackmore führte in dem 1500-Seelen-Ort Bountiful 24 Ehen parallel. Mit dem Urteil endet vorerst ein jahrelanger Rechtsstreit vor kanadischen Gerichten; Blackmore und Oler waren im Zuge von Ermittlungen der Provinzregierung angeklagt worden, die bereits Anfang der Neunzigerjahre begonnen hatten. Die kanadischen Behörden konnten wegen juristischer Unklarheiten zunächst nicht gegen die Polygamisten vorgehen.

Blackmore hatte nie bestritten, aufgrund seiner religiösen Überzeugungen mit mehr als zwei Dutzend Frauen in "himmlischer" Ehe zu leben. US-Medien zufolge soll der 61-Jährige Vater von mindestens 146 Kindern sein.

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Polygame Sektenanführer: Der Fall Bountiful

Sein Anwalt hatte angekündigt, im Fall einer Verurteilung überprüfen zu lassen, ob die kanadischen Polygamie-Gesetze verfassungsgemäß seien. Blackmore verglich den Fall mit der Situation homosexueller Paare: Auch die Homo-Ehe sei in der Vergangenheit illegal gewesen. Das Oberste Gericht in British Columbia hatte 2011 entschieden, dass das Polygamie-Verbot nicht die Religionsfreiheit beschränke.

"Ich bin schuldig, meine Religion auszuleben", sagte Blackmore nach der jetzigen Gerichtsentscheidung. 27 Jahre und mehrere zehn Millionen Dollar später ist alles, was hier bewiesen wurde, etwas, das ich nie bestritten habe." Ein Strafmaß für die beiden steht noch nicht fest, ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Blackmore und Oler sind Angehörige der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS), einer aus dem Mormonentum stammenden Glaubensgemeinschaft, die für Polygamie einsteht. Die Zentrale der Sekte ist eine kleine Gemeinde an der Grenze der US-Bundesstaaten Utah und Arizona.

Der "Prophet" missbrauchte kleine Mädchen

Blackmore war jahrelang Anführer der kleinen Mormonen-Gemeinde Bountiful, die seit den Vierzigerjahren an der Grenze zum US-Bundesstaat Idaho existiert. 2002 wurde Blackmore exkommuniziert; zum Nachfolger bestimmte der als Prophet verehrte Warren Jeffs daraufhin Oler. Jeffs sitzt in einem texanischen Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe ab, weil er minderjährige Mädchen sexuell missbraucht hat, die er als "Bräute" betrachtete.

Die größte Mormonenkirche mit Sitz in der US-Großstadt Salt Lake City hatte 1890 die Polygamie als religiöses Prinzip widerrufen und distanziert sich von der fundamentalistischen FLDS.

Weltweit gibt es etwa 15 Millionen Mormonen, die verschiedenen Glaubensgemeinschaften angehören. Sie glauben, dass der Religionsbegründer Joseph Smith vor knapp 190 Jahren im US-Bundesstaat New York Goldplatten gefunden hat, auf denen altägyptische Schriftzeichen eingraviert waren. Gott soll ihm geholfen haben, die Texte mithilfe eines "Sehsteins" zu übersetzen. Die Übersetzung ist heute als Buch Mormon bekannt, neben der Bibel die grundlegende Schrift der Religion.


Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die verurteilten ehemaligen Bischöfe seien "Mitglieder der Mormonenkirche" gewesen. Wir haben die Formulierung präzisiert, um den Unterschied zwischen der FLDS und anderen Mormonen-Kirchen deutlicher hervorzuheben.

mxw/Reuters/AP/dpa



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