Berlin Polizei geht von Brandanschlag auf Moschee aus

Der Staatsschutz ermittelt: Auf eine Moschee im Berliner Bezirk Reinickendorf ist in der Nacht offenbar ein Brandanschlag verübt worden. Drei Jugendliche sollen das Feuer gelegt haben.


In einer Berliner Moschee ist in der Nacht zu Sonntag ein Brand ausgebrochen. Die Polizei geht von einem Anschlag auf das Gotteshaus im Bezirk Reinickendorf aus.

Passanten hörten den Ermittlern zufolge gegen zwei Uhr morgens ein Klirren und sahen drei Menschen weglaufen, die sie als Jugendliche beschrieben. Anschließend entdeckten die Zeugen eine eingeworfene Scheibe im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses sowie ein Feuer in den Räumen des türkischen Moscheevereins, der zum Ditib-Verband gehört.

60 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz, um den Brand zu löschen. Der Hauptraum brannte komplett aus. Verletzt wurde niemand. "Nach derzeitigen Erkenntnissen wird von einer politisch motivierten Straftat ausgegangen", teilte die Polizei mit. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

"Die meisten Räumlichkeiten unserer Moschee sind weitestgehend nicht mehr nutzbar", teilte die Koca-Sinan-Camii-Gemeinde mit. "Ein Anschlag auf ein Gotteshaus, egal aus welchem Grund, ist nicht akzeptabel und nicht hinnehmbar."

Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ist der Dachverband der rund 900 türkisch-islamischen Vereine in Deutschland und vertritt nach eigenen Angaben rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Kritiker bemängeln die enge Bindung von Ditib an die politischen Interessen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan.

Weitere Anschläge in mehreren Bundesländern

In Nordrhein-Westfalen nahm die Polizei drei Tatverdächtige im Alter zwischen 26 und 30 Jahren fest. Sie sollen in Meschede mehrere Brandsätze gegen die Fassade eines Gebäudes geworfen haben, in dem ein türkisch-deutscher Freundschaftsverein beheimatet ist. Nach ersten Ermittlungen fing ein Brandsatz Feuer. Die Flammen konnten von der Feuerwehr schnell gelöscht werden. Verletzt wurde niemand.

Noch in Tatortnähe stoppte die Polizei ein Fahrzeug, in dem die drei Verdächtigen aus Meschede saßen. Das Trio wurde in Gewahrsam genommen. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg und der polizeiliche Staatsschutz des Polizeipräsidiums Dortmund übernahmen die Ermittlungen.

Im schleswig-holsteinischen Itzehoe schlugen Unbekannte am frühen Morgen die Fenster einer Moschee ein und legten ein Feuer in einem türkischen Gemüseladen. Die Feuerwehr löschte die Flammen. Die beiden Gebäuden liegen etwa einen Kilometer auseinander, einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten schließt die Polizei eigenen Angaben zufolge nicht aus.

Am Freitag hatten Unbekannte Brandsätze in eine Moschee in Lauffen in Baden-Württemberg geworfen. Der Imam, der sich in dem Gebäude befand, konnte das Feuer selbst löschen. Diese Gemeinde gehört zur Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs.

Die Polizei ermittelt in dem Fall auch wegen versuchten Mordes. Sie geht von mindestens fünf Tätern aus. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und die Polizei Heilbronn riefen mögliche Zeugen auf, sich zu melden.

wit/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.