Moskau Hitlers goldenes Parteiabzeichen gestohlen

Ein Coup wie aus dem Hollywood-Streifen Ocean's Eleven: Mit Kletterausrüstung entwendeten Diebe das NSDAP-Parteiabzeichen Hitlers aus einer Ausstellung des russischen Geheimdienstes. Steckt ein irrer Sammler dahinter?


Moskau - Für den russischen Geheimdienst ist es eine peinliche Angelegenheit: Fünf Jahrzehnte lang hielten erst der KGB und dann sein Nachfolger FSB die Trophäe aus dem Zweiten Weltkrieg unter Verschluss. Doch kaum, dass Hitlers goldenes NSDAP-Abzeichen öffentlich ausgestellt wurde, schlug ein Profi-Einbrecher zu und entwendete das symbolische Stück.

Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP: Die Anstecknadel des Diktators trug die Nummer 1 auf der Rückseite
DHM/Berlin

Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP: Die Anstecknadel des Diktators trug die Nummer 1 auf der Rückseite

Das berichtet heute die renommierte britische Tageszeitung "Times". Wie das Blatt weiter mitteilt, haben die Ermittler wenig Hoffnung, dass das Abzeichen wieder auftaucht. Der Einbrecher hatte sich mit Hilfe einer Kletterausrüstung an den Ausstellungskasten herangemacht und das Stück entwendet - diese Profiarbeit deutet ihrer Ansicht nach auf einen Auftrag eines Sammlers hin, möglicherweise ein Neo-Nazi. "Das Abzeichen könnte schon ins Ausland geschmuggelt worden sein oder sich noch im Land befinden", sagte ein Ermittler.

Die Ausstellungsmacher behaupten nun, es habe sich bei dem Ausstellungsstück nur um eine Kopie gehandelt. Der "Times" zufolge halten russische Experten dies aber für eine Schutzbehauptung. Sie schätzen den Wert der Trophäe auf bis zu 3 Millionen Euro. Der Diebstahl, der erst jetzt bekannt wurde, trug sich bereits am 30. Juni zu. Als mögliche Auftraggeber werden einige der neonazistischen Gruppen Russlands gehandelt.

Die Ausstellung des FSB war anlässlich des 60. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs veranstaltet worden. Der Geheimdienst hatte erst 1996 mitgeteilt, dass er im Besitz des symbolträchtigen Kleinods ist. Historiker glauben, dass Hitler das Abzeichen Magda Göbbels schenkte, bevor er sich am 30. April 1945 selbst tötete. Es ist eine Sonderanfertigung, auf der Rückseite ist "Nummer 1" eingeprägt. Der Ausstellungskatalog umfasste etliche Gegenstände, die bei den Leichen von Adolf Hitler, Eva Braun sowie Joseph und Magda Goebbels gefunden worden waren, die sich alle selbst gerichtet hatten.

Nach Angaben von Polizisten hätte der Einbrecher leicht gestellt werden können. Kameras zeichneten den gesamten Ablauf auf. Sogar ein Alarm wurde ausgelöst - doch das Wachpersonal glaubte, dass eine Katze verantwortlich sei.



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