Moskau Mann greift russische Moderatorin mit Messer an

Die russische Moderatorin Tatjana Felgengauer des kremlkritischen Radiosenders Echo Moskwy wurde von einem Mann niedergestochen. Sie erlitt schwere Verletzungen.

Tatjana Felgengauer
imago/ ITAR-TASS

Tatjana Felgengauer


Mit einem Messer bewaffnet ist ein Mann in die Redaktion des kremlkritischen Radiosenders Echo Moskwy eingedrungen und hat die stellvertretende Chefredakteurin Tatjana Felgengauer niedergestochen. Der Angreifer habe die Moderatorin mit einem Messer am Hals verletzt, teilte Chefredakteur Alexej Wenediktow mit.

Der Täter habe dem Wachmann vor der Redaktion in der Moskauer Innenstadt eine Substanz in die Augen gesprüht und sei dann in den 14. Stock des Gebäudes gestürmt, berichtete Wenediktow. Die 32-jährige Moderatorin sei mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht und operiert worden. Es bestehe keine Lebensgefahr, hieß es. Die Lage in der Redaktion sei unter Kontrolle. Zusätzliche Sicherheitskräfte vor dem Gebäude sollen die Mitarbeiter schützen.

Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Sicherheitskräfte nahmen den Mann noch in der Redaktion fest. Nach Angaben der Ermittler habe der Verdächtige eine "persönliche Abneigung" gegenüber der Journalistin empfunden. Der russische Sender Ren.tv veröffentlichte den Mitschnitt eines Verhörs.

Demnach kannten sich Felgengauer und der Angreifer nicht. Er wolle aber telepathisch Kontakt zu ihr gehabt haben und habe sich verfolgt gefühlt. Die Polizisten schließen einen persönlichen Hintergrund bei der Tat nicht aus. Genauere Angaben zu einem möglichen Motiv gab es nicht. Der Mann ist laut den Ermittlern kein russischer Staatsbürger.

Felgengauer ist Stellvertreterin des Chefredakteurs und moderiert bei Echo Moskwy seit Jahren eine morgendliche Nachrichtensendung. Sie ist an Kundgebungen der Opposition beteiligt und hat auf Facebook Tausende Follower. Der Sender ist bekannt für seine regierungskritische Ausrichtung, und das, obwohl der Mehrheitsaktionär des Senders der Energieriese Gazprom ist.

fok/dpa/AFP

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