Mossad-Mord von Dubai: Mutmaßlicher Komplize in Warschau verhaftet

Der Mossad-Mord an einem Hamas-Führer in Dubai sorgt für neue diplomatische Verwicklungen. Nach Informationen des SPIEGEL wurde ein mutmaßlicher Mittäter in Polen verhaftet. Deutschland drängt auf eine Überstellung - Israel interveniert.

Tod in Dubai: Mossad unter Verdacht Fotos
AFP/ Dubai Police

Die polnische Polizei hat einen von Deutschland gesuchten mutmaßlichen Mossad-Agenten verhaftet und damit internationale Verwicklungen ausgelöst. Ende vorvergangener Woche nahmen Grenzbeamte den Mann fest, als er mit einem auf den Namen "Uri Brodsky" ausgestellten Pass auf dem Warschauer Flughafen einreisen wollte.

"Brodsky", der die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, steht im Verdacht, an den logistischen Vorbereitungen des Mordanschlags auf den Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh beteiligt gewesen zu sein. Er soll für den Mossad in Deutschland aktiv geworden sein und war deshalb von deutschen Ermittlern per Interpol zur Fahndung ausgeschrieben; nach seiner Festnahme erließ die Bundesanwaltschaft Haftbefehl.

Nach Erkenntnissen der Fahnder hatte er im Frühjahr 2009 einen weiteren mutmaßlichen Mossad-Agenten dabei begleitet, einen deutschen Reisepass beim Einwohnermeldeamt Köln zu beantragen. Mit dem auf den Namen "Michael Bodenheimer" ausgestellten deutschen Pass war einer der mutmaßlichen Mörder in Dubai kurz vor dem Anschlag ein- und kurz danach wieder ausgereist. Ein mindestens 26-köpfiges Kommando des Mossad hatte den Hamas-Funktionär Mabhuh am 19. Januar in Dubai getötet, mehrere Agenten waren dabei von Videokameras gefilmt worden; dadurch flogen die Tarnidentitäten der Attentäter auf.

Der Anschlag löste internationale Empörung aus, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) drängte auf Aufklärung. Offenbar rechnete der Mossad nicht damit, dass es den deutschen Ermittlern gelingen würde, weitere Personalien zu ermitteln. Die Inhaftierung des mutmaßlichen Agenten hat bereits zu diplomatischen Problemen geführt. Kurz nach der Festnahme "Brodskys" intervenierte die israelische Botschaft in Warschau bei der polnischen Regierung und verbat sich eine Auslieferung "Brodskys" nach Deutschland. Ob die Polen einer Überstellung zustimmen, ist noch nicht entschieden.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Mossad
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Der Mossad
Name und Struktur
Israels Auslandsnachrichtendienst heißt offiziell Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben - auf Hebräisch ha-Mossad le-Modiin ule-Tafkidim Meyuhadim - und wird intern kurz "das Institut" genannt - haMossad. Der weltweit berühmt-berüchtigte Geheimdienst wurde 1951 unter Federführung des damaligen Premierministers David Ben-Gurion nach der Gründung des Staates Israel aus konkurrierenden israelischen Nachrichtenorganisationen ins Leben gerufen - Israel sollte sich als wehrhafter jüdischer Staat unter feindlichen arabischen Nachbarn behaupten können.
Die Zentrale des Dienstes, der dem Ministerpräsidenten untersteht, befindet sich in Tel Aviv. Der Mossad beschäftigt wohl etwa 1200 Mitarbeiter.
Aufgaben
Hauptaufgabe des Mossad ist die weltweite Informationsbeschaffung, vornehmlich in arabischen Staaten, aber auch in allen anderen Teilen der Welt. Dazu kommen Geheimaktionen und Terrorismusbekämpfung. Seit 1963 hat der Mossad die alleinige Befugnis zur Agentenführung im Ausland.
Früher galt der Kampf des Mossad insbesondere der 1964 gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) . Berühmt wurde der Geheimdienst, als er 1960 den nationalsozialistischen Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien aufspürte und nach Israel entführte, wo er vor Gericht gestellt und verurteilt wurde.
Anders als die deutschen Nachrichtendienste arbeitet der Mossad auch mit Mitteln der Sabotage, verdeckter und psychologischer Kriegsführung und unter Umständen auch mit Killerkommandos. Für solche Spezialoperationen, die den Mythos des Mossad begründeten, ist die Abteilung Metsada zuständig.
Leitung
Nach Streitigkeiten über die Strategie gegen den palästinensischen Terror entließ der damalige Premier Ariel Scharon 2002 Ephraim Haley als Mossad -Chef. Seitdem ist Meir Dagan Direktor des "Instituts".