Sieben Tote an christlichem College: Oakland rätselt über Motive des Todesschützen

Von , New York

Monatelang war er dem College ferngeblieben, dann kam der Schüler wieder, forderte seine Klassenkameraden auf, sich an die Wand zu stellen, und schoss: Im kalifornischen Oakland starben sieben Menschen, drei wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter ist gefasst, sein Motiv bleibt unbekannt.

DPA

Es waren allzu bekannte Nachrichten, Bilder, Worte. "Bei einem Fall dieser Größenordnung, mit all den Opfern und Zeugen und all dem Chaos, wird es ein paar Tage dauern, das ganze Puzzle zusammenzusetzen", sagte Howard Jordan, Polizeichef im kalifornischen Oakland, einer Nachbarstadt von San Francisco.

Jordan trat am Montagabend vor die Presse, um eine traurige Pflicht zu erledigen, die vor ihm schon so viele andere erledigen mussten. Einen tödlichen Amoklauf hatte es gegeben, und er hatte erste, rudimentäre Informationen zu vermelden. Mindestens sieben Tote, drei Verletzte, ein mutmaßlicher Täter gefasst. "Es war ein sehr blutiger Schauplatz, und wir haben viele Indizien zu erfassen", sagte Howard. "Dies ist eine beispiellose Tragödie."

Schauplatz war die Oikos University, ein kleines, christliches College im Osten Oaklands, das hauptsächlich von Studenten koreanischer Abstammung besucht wird. Gegen 10.30 Uhr Ortszeit habe der Todesschütze nach Angaben der Polizei ein Klassenzimmer betreten und wahllos um sich geschossen.

Wie die "Oakland Tribune" unter Berufung auf Angehörige eines verletzten Opfers berichtete, war der Mann nach monatelanger Abwesenheit am Montag erstmals wieder in dem College erschienen. Er habe seine früheren Klassenkameraden aufgefordert, sich an einer Wand aufzustellen. Dann habe er eine Waffe gezogen. "Die Leute liefen los und er fing an zu schießen", sagte Gurpreet Sahota, dessen Schwägerin dem Bericht zufolge von einer Kugel am Arm getroffen wurde.

"Ich hörte Schüsse und eine Frau schreien: Jemand hat eine Waffe!", sagte die Studentin Deborah Lee dem Fernsehsender CNN. Sie habe fünf oder sechs Schüsse gehört. "Mein Lehrer rief: Lauft weg, lauft weg, und wir rannten alle nach draußen."

Tashi Wangchuk sagte, er habe zur gleichen Zeit einen Anruf seiner Frau Dechen bekommen, die an der Universität zur Krankenschwester ausgebildet wurde. "Hier ist eine Schießerei im Gange", habe sie geflüstert. "Jemand kam mit einer Waffe und begann, wahllos zu schießen." Der Täter habe durch die Tür ihres Klassenzimmers geschossen, in dem sie sich auf dem Boden verkrochen hatten.

Daraufhin vollzog sich ein in den USA fast schon eingespieltes Ritual: Ein Einsatzteam der Polizei rückte mit Panzerwagen an, das Viertel wurde evakuiert, die Schule abgeriegelt. Angehörige warteten hinter den Absperrungen ängstlich auf Neuigkeiten. Notarztwagen fuhren vor. Ein lokaler TV-Sender übertrug Luftbilder, auf denen vier Leichen zu sehen waren, die unter Tüchern auf der Straße lagen.

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US-Universität: Tödliche Schüsse
Wenige Zeit später wurde der mutmaßliche Täter in einem Supermarkt in der Nähe gefasst, wo er die Taten gestanden habe. Ein Sicherheitsmann habe den Mann angesprochen, weil er sich verdächtig verhalten habe, berichtete der Sender KGO-TV. Der mutmaßliche Schütze habe dem Wächter dann gesagt, dass er mit der Polizei sprechen müsse, weil er Menschen erschossen habe.

Die Polizei identifizierte ihn als One G., einen 43-jährigen Mann koreanischer Herkunft, der früher an dem College studiert habe. Fahndungsaufrufe hatten ihn als "stämmigen Asiaten" beschrieben, der Khaki getragen habe. Sonst wurde über ihn nichts bekannt - weder ein Motiv noch weitere Hintergründe.

Und so blieb den Politikern zunächst nichts übrig, als ihrer Erschütterung Ausdruck zu verleihen und Amerikas laxe Waffengesetze zu kritisieren. Oaklands Bürgermeisterin Jean Quan, die chinesische Vorfahren hat, sagte, die meisten Opfer seien koreanischer Abstammung.

"Wir scheinen uns im letzten Jahrzehnt an solche sinnlosen Massentötungen gewöhnt zu haben", sagte Quan. Die leichte Verfügbarkeit von Waffen müsste hinterfragt werden. "Es sind einfach zu viele Waffen in den Händen von Leuten, die sich nicht scheuen, sie zu nutzen", klagte Oaklands Stadtratspräsident Larry Reid.

Die Oikos University rühmt sich ihrer "christlichen Werte". Sie ist mit der koreanischen Praise to God Korean Church affiliiert und bietet unter anderem Kurse in Krankenpflege, Englisch und Bibellehre.

Der Amoklauf trifft die USA zu einer sensiblen Zeit: Er fällt mitten in die hitzige Debatte um die tödlichen Schüsse eines selbsternannten "Nachbarschaftswächters" auf den schwarzen Teenager Trayvon Martin. Während der Fall Martin einen bis heute latenten Rassismus hervorgekehrt hat, gab es bei der Schießerei von Oakland vorerst nicht genug Informationen, um Motiv, Kontext und Folgen zu verstehen.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Zweierleimass
ofelas 03.04.2012
Zitat von sysopDPAMonatelang war er dem College ferngeblieben, dann kam der Schüler wieder, forderte seine Klassenkameraden auf, sich an die Wand zu stellen und schoss: Im kalifornischen Oakland starben sieben Menschen, drei wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter ist gefasst, sein Motiv bleibt unbekannt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,825361,00.html
Mal sehen ob diese Diskussion denn verlauf nimmt Christen toeten Christen.....denke irgendwie die ueblichen Kommentatoren werden sich enthalten
2. Unbegreiflich
Ylex 03.04.2012
Zitat: „"Wir scheinen uns im letzten Jahrzehnt an solche sinnlosen Massentötungen gewöhnt zu haben", sagte Quan.“ Wir haben uns daran gewöhnt - auch an die nun folgenden Diskussionen über die Waffen und über die Computer-Kampfspiele, über die USA und über Deutschland. Aber rätselhaft bleibt, was Menschen immer wieder dazu treibt, sinnlos und wahllos so viele Menschen totzuschießen. Es ist unbegreiflich... oder gibt es jemanden, der das erklären kann?
3. Nra
Stelzi 03.04.2012
Morgen wird die NRA sich dann gegen "weniger Waffen" wehren und im Gegenzug mehr Knarren zum "Selbstschutz" an Schulen fordern. So wie sie es immer tun.
4. Christen sinds....
Walther I. 03.04.2012
Zitat von ofelasMal sehen ob diese Diskussion denn verlauf nimmt Christen toeten Christen.....denke irgendwie die ueblichen Kommentatoren werden sich enthalten
...keine Juden oder Mohammedaner. Der Täter sieht auch nicht so nazimäßig aus, Deutscher ist er auch nicht. Das interessiert hierzulande niemanden. Können die Fernsehgucker und die Medienfuzzies nicht in ihr Opferschema einordnen.
5. ...
taggert 03.04.2012
Zitat von sysopDPAMonatelang war er dem College ferngeblieben, dann kam der Schüler wieder, forderte seine Klassenkameraden auf, sich an die Wand zu stellen und schoss: Im kalifornischen Oakland starben sieben Menschen, drei wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter ist gefasst, sein Motiv bleibt unbekannt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,825361,00.html
Es ist nicht zu fassen... ... wenigstens haben Sie den Täter diesmal Lebend bekommen und die Möglichkeit herauszufinden was die wahre Motivation hinter der Tat war. ... aber sicherlich stellt sich dann im laufe der Ermittlungen wieder heraus, das der Täter irgendwann in seinem Leben mal den Ego-Shooter Vorreiter "Pac Man" gespielt hat und die Diskussion um Spiele-Verbote entflammt wieder auf höchstem Niveau. Das ist so schön einfach und bequem. Denn die Spiele-Entwickler und Spieler haben keine wirksame Lobby... Und wer glaubt auch ernsthaft, das die Ursachen für einen Amoklauf, andere - außer Computerspiele - sein könnten? *ironie aus*
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Ein Amokläufer dringt in das Kantonsparlament im schweizerischen Zug ein und tötet 14 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst.

8. Juni 2001: Osaka, Japan
Ein 37-jähriger Japaner ersticht in einer Grundschule in der japanischen Stadt Osaka acht Kinder und verletzt 20 weitere zum Teil schwer.
20. April 1999: Littleton/Colorado, USA
Beim Schulmassaker von Littleton stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine Highschool in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen. Mehr auf der Themenseite...
24. März 1998: Jonesboro/Arkansas, USA
Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in Jonesboro im US-Staat Arkansas falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
22. Mai 1997: Brasilien
Im Nordosten Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche Homosexualität .

28./29. April 1996: Tasmanien
35 Menschen fallen dem Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
13. März 1996: Dunblane, Schottland
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
23./24. September 1995: Toulon, Frankreich
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA
Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
Dezember 1989: Montréal , Kanada
An der Polytechnischen Hochschule von Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
18. Juli 1984: Kalifornien, USA
In einem Schnellrestaurant in San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
1. August 1966: Universität von Texas, USA
An der Universität von Texas schießt der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln
Beim Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.