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23. Juli 2016, 08:00 Uhr

München

Chronologie einer Schreckensnacht

Über Stunden war die Lage in München völlig unklar: Schüsse in einem Einkaufszentrum, 2300 Sicherheitskräfte im Einsatz - und es gab Meldungen über mehrere flüchtige Attentäter.

17.52 Uhr: In der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) im Norden Münchens fallen Schüsse bei einem Schnellrestaurant. Die Polizei wird informiert.

18.33 Uhr: Die Polizei bestätigt: Im OEZ hat es eine Schießerei gegeben. Ob Menschen verletzt oder getötet wurden, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar. "Es ist wohl etwas Größeres", sagt eine Sprecherin.

18.35 Uhr: Die Polizei informiert die Öffentlichkeit über Twitter: "Im Moment haben wir einen großen Polizeieinsatz am OEZ. Bitte meiden Sie den Bereich um das Einkaufszentrum." Über Periscope streamen User Live-Videos vom Polizeieinsatz.

18.43 Uhr: Es gibt Meldungen über Verletzte, möglicherweise Tote.

19.05 Uhr: Die Polizei warnt über Twitter: "+++ACHTUNG+++ Meiden Sie die Umgebung um das #OEZ - Bleiben Sie in Ihren Wohnungen. Verlassen Sie die Straße!+++"

19.17 Uhr: Die Polizei weitet die Warnung aus: "Meiden Sie öffentliche Plätze in #München. Die Lage ist noch unübersichtlich."

Gegen 19.30 Uhr taucht ein Internetvideo auf. Es zeigt einen Mann, der aus einem Fast-Food-Restaurant kommt und mit einer Handfeuerwaffe wahllos auf Menschen schießt. Die Quelle dieses Videos, das auf Twitter veröffentlicht wurde, ist zunächst unklar.

19.33 Uhr: In der Innenstadt Münchens herrscht Panik zwischen Fußgängerzone und Karlsplatz (Stachus). Schwer bewaffnete Polizisten sind vor Ort.

19.41 Uhr: Es gibt Gerüchte über angebliche weitere Schießereien. Die Polizei reagiert auf Twitter: "Gerüchte um eine #Schießerei in der City bekannt. Die Lage ist noch unklar! Bitte meidet öffentliche Plätze sowie U/S-Bahn." Dann stellt die Polizei klar, dass es am Stachus in der Innenstadt einen Fehlalarm gegeben hat.

19.42 Uhr: Der U-Bahn-Verkehr in der Innenstadt ist eingestellt.

19.47 Uhr: Die Polizei geht zu diesem Zeitpunkt von mehreren Tätern aus. Auf Twitter melden die Behörden: "Wir wissen derzeit nicht, wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit." Die Polizei informiert auch auf Englisch, Französisch und Türkisch.

20.01 Uhr: Der öffentliche Nahverkehr ist komplett eingestellt, Trambahnen, U-Bahnen und Busse stehen still.

20.10 Uhr: Der Hauptbahnhof wird wegen eines Polizeieinsatzes evakuiert. Auch der Zugverkehr ist eingestellt.

20.11 Uhr: Die Münchner Polizei schreibt auf Facebook: "Zeugen melden drei verschiedene Personen mit Schusswaffen."

20.13 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) setzen ein Krisentreffen in der Staatskanzlei in München an.

20.16 Uhr: Die Stadt München ruft den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" aus. Die Bürger werden über das Smartphone-Warnsystem Katwarn aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

20.26 Uhr: Ärzte und Schwestern werden vorsorglich zu Münchner Krankenhäusern gerufen. "Es wurde der Alarm Massenanfall Verletzte ausgelöst", sagt ein Sprecher des Universitätsklinikums Großhadern.

20.42 Uhr: Die Polizei spricht von einer "akuten Terrorlage".

20.44 Uhr: Nach Polizeiangaben sollen drei Täter mit "Langwaffen" auf der Flucht sein.

20.55 Uhr: Feuerwehr und Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot im Einsatz.

21.16 Uhr: US-Präsident Barack Obama sagt Deutschland seine Unterstützung zu.

21.21 Uhr: Mindestens fünf Menschen sind getötet worden, gibt ein Polizeisprecher bekannt. Nur zwei Minuten später wird die Zahl der Toten mit sechs angegeben.

21.32 Uhr: Nach den Tätern wird im gesamten Stadtgebiet und im Umland gefahndet. Es kursieren Gerüchte über den angeblichen Tod eines Täters.

21.33 Uhr: Im Kanzleramt in Berlin kommen Mitarbeiter zusammen, um die Geschehnisse zu verfolgen und Kontakt mit allen zuständigen Stellen zu halten.

22.09 Uhr: Die Sicherheitsbehörden wissen nach Angaben von Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) bisher konkret nur von einem Täter in München, aber er sagt auch: "Wir schließen keine Hypothese aus."

22.12 Uhr: Die Polizei hat Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern angefordert, darunter die GSG9 der Bundespolizei.

22.27 Uhr: Die Polizei meldet: "Die Zahl der Toten steigt auf 8."

22.38 Uhr: Nach dem Fund einer weiteren Leiche - ein Mann - im näheren Umfeld des Münchner Olympia-Einkaufszentrums prüft die Polizei, ob es sich um einen Täter handeln könnte. Sie untersucht auch einen Rucksack, den er getragen hat - und der auf einem Video zu sehen ist.

23.12 Uhr: Nun ist bestätigt, dass der Mann, der beim OEZ tot gefunden wurde, gewaltsam gestorben ist.

23.25 Uhr: Das Kanzleramt teilt mit, dass am Samstag das Bundessicherheitskabinett in Berlin zusammenkommt.

23.32 Uhr: Die Polizei nennt die Zahl der Augenzeugen: rund hundert. Sie werden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

00.10 Uhr: Fehlalarme halten die Polizei in Atem. Der Chefredakteur der Münchner "Abendzeitung", Michael Schilling, berichtet auf Twitter über drei Schüsse vor dem Redaktionsgebäude. Ein Fehlalarm.

01.25 Uhr: Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren wieder, teilt die Polizei mit.

01.30 Uhr: Entwarnung: Die Polizei ist sich so gut wie sicher, dass es sich bei dem Attentäter um einen Einzeltäter gehandelt hat. Der Mann habe sich selbst getötet, teilen die Ermittler mit.

01.39 Uhr: Die Zahl der Toten ist auf zehn gestiegen.

02.24 Uhr: Bei dem Täter handelt es sich um einen 18 Jahre alten Deutsch-Iraner, teilt die Polizei mit.

jul/dpa

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