Neunfacher Mord in München Hinweise auf rassistisches Motiv verdichten sich

David Sonboly erschoss in München neun Menschen, alle hatten einen Migrationshintergrund. Tötete er aus Fremdenhass? Neue Berichte aus seinem Umfeld erhärten den Verdacht.

Tatort in München
DPA

Tatort in München


David Sonboly, der am Freitag in München neun Menschen erschoss, handelte möglicherweise aus Fremdenhass. Ein 17-Jähriger, der mit Sonboly befreundet war, berichtete dem SPIEGEL, David Sonboly habe einen "Riesenhass auf die meisten Ausländer" entwickelt, weil ihn ein paar Jungs in der Schule "richtig zerpflückt" hätten.

So habe er seinen Freunden verboten, ihn weiter Ali zu nennen, sein Geburtsname, den er in David ändern ließ. Er wolle nicht als Muslim angesehen werden, lautete seine Erklärung.*

Sonboly hatte am Freitagabend vor dem Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen, alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund. Anschließend tötete er sich selbst. Die Ermittler prüften von Beginn an, ob der 18-Jährige gezielt Migranten ins Visier nahm.

Ein mutmaßlicher Mitwisser der Tat hatte in seiner Vernehmung gesagt, Sonboly habe den norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik verehrt. Am Freitag jährte sich dessen Massenmord zum fünften Mal.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" habe es Sonboly zudem als "Auszeichnung" verstanden, dass sein Geburtstag, der 20. April, auf den Geburtstag von Adolf Hitler fiel. Die Zeitung beruft sich auf Sicherheitskreise. Zudem sei Sonboly, der aus einer iranischen Familie stammt, stolz darauf gewesen, als Iraner und als Deutscher "Arier" zu sein. Ursprünglich gilt Iran als die Heimat der Arier.

Türken und Araber hingegen habe Sonboly gehasst. Er habe ein "Höherwertigkeitsgefühl" ihnen gegenüber gehegt.

Es gibt weitere Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv: Sonboly hatte viel Zeit mit dem Ego-Shooter-Spiel "Counter-Strike" verbracht. Dort lebte er offenbar auch seine Wut auf die Türken aus. Er habe "Türkei = ISIS" gepostet und die rechtspopulistische AfD verehrt, berichtete ein Mitspieler.

In einem Video, das zum Tatzeitpunkt offenbar aus einem benachbarten Wohnblock aufgenommen wurde, ist Sonboly auf dem obersten Deck eines Parkhauses zu sehen. "Ich bin Deutscher", ruft er. Er sei hier geboren, in einer "Hartz-IV-Gegend" aufgewachsen und "in stationärer Behandlung" gewesen. Außerdem ist "Scheiß Türken" zu hören - offenbar war es auch Sonboly, der das rief.

* Anmerkung: An dieser Stelle hieß es in einer früheren Version, Ali sei Sonbolys Spitzname gewesen. Tatsächlich war Ali Sonbolys früherer Vorname, den er in David ändern ließ. Wir haben die Stelle entsprechend präzisiert.

SPIEGEL TV Magazin (24.7.2016)

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