Münchner U-Bahn Ex-Zugführer wegen Vergewaltigung verurteilt

Ein Zugführer vergewaltigte in München eine 18-Jährige, nun wurde der Mann verurteilt. Der U-Bahnbetreiber hatte dem Opfer nach der Tat eine Freifahrt in der "Party-Tram" angeboten - und damit Empörung ausgelöst.

U-Bahn der MVG
imago/ Ralph Peters

U-Bahn der MVG


Es geschah Mitte Juni in einer sogenannten Wendeanlage der Münchener U-Bahn. Eine damals 18-Jährige war laut Polizei betrunken in einem Waggon eingeschlafen und hatte ihre Haltestelle verpasst. Der Zugführer vergewaltigte die junge Frau. Videoaufnahmen zeigen laut Staatsanwaltschaft, wie sie wiederholt versuchte, den 58-Jährigen wegzustoßen, aber immer wieder einschlief. Erst als die Bahn weiterfuhr, ließ er von ihr ab.

Das Münchener Amtsgericht hat den Mann nun wegen Vergewaltigung einer Widerstandsunfähigen und unterlassener Hilfeleistung verurteilt - zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Der Angeklagte hatte die Tat zuvor umfassend gestanden, wie ein Gerichtssprecher dem SPIEGEL bestätigte. Er habe keine Erklärung, warum er es getan habe, er sei "wie ferngesteuert" gewesen, sagte er laut BR.

Wie die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) mitteilte, arbeitet der Mann nicht mehr für das Unternehmen. Er habe nach Bekanntwerden der Ermittlungen selbst gekündigt und sei so seiner Entlassung zuvorgekommen. Er war mehr als 20 Jahre bei der MVG angestellt.

Party-Fahrt-Angebot als "Zeichen der Anteilnahme"?

Die Verkehrsbetriebe stehen in dem Fall in der Kritik, weil ein Mitarbeiter kurz nach dem Vorfall dem Vergewaltigungsopfer eine kostenlose Fahrt in der sogenannten "Party-Tram" angeboten hat. Die MVG vermietet diese Tram für Sonderfahrten - etwa für Geburtstage, Hochzeiten, Junggesellenabschiede und Partys.

Die Geste stößt auf Unverständnis. "Ob und wie erlebte sexualisierte Gewalt durch das soziale Umfeld und die Gesellschaft anerkannt wird, ist äußerst relevant für den Verarbeitungsprozess. Liebe Unternehmen, liebe MVG auch ihr könnt euch bei Fachberatungsstellen beraten lassen", schrieb etwa der Verband "Frauen gegen Gewalt" auf Twitter.

"Dieses Angebot hat mich sehr verletzt"

"Ich war fassungslos und enttäuscht", sagte die junge Frau der "tz". "Dieses Angebot hat mich sehr verletzt, ich habe mit den Tränen gekämpft." Der MVG-Mitarbeiter habe per SMS noch mal nachgefragt, wie sie sich entschieden habe. Dem SPIEGEL teilt die MVG mit: "Wir bedauern zutiefst, dass wir die Gefühle der jungen Frau verletzt haben. Dass unser Mitarbeiter eine Sonderfahrt mit einer Trambahn vorgeschlagen hat, war nicht angemessen."

Das Angebot sei als "Zeichen unserer Anteilnahme und Unterstützung" gedacht gewesen, so die Stellungnahme eines Sprechers. Die MVG habe Bestürzung und aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck bringen wollen. "Unsere Hoffnung war, damit auch einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kundin die MVG infolge der Geschehnisse nicht nur negativ wahrnimmt. Wir haben leider das Gegenteil erreicht. Dafür entschuldigen wir uns!"

Der Mitarbeiter, der das Angebot machte, arbeitet demnach ebenfalls nicht mehr bei der MVG. Das stehe allerdings in keinem Zusammenhang mit seinem Verhalten gegenüber der Frau.

brü



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