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Prozess in München: Fast sieben Jahre Haft für Entführer von Banker-Ehefrau

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Der verurteilte Entführer

Ein Mann verschleppt die Ehefrau eines Bankers, verlangt Lösegeld in Millionenhöhe. Die Geisel konnte sich aus seiner Gewalt befreien. Nun muss der 53-Jährige für viele Jahre hinter Gitter.

Mit tief gesenktem Kopf lässt der Mann das Blitzlichtgewitter über sich ergehen - und in der selben Haltung hört der 53-Jährige reglos eine Stunde lang sein Urteil: Sechs Jahre und zehn Monate hat das Landgericht München am Dienstag gegen den Entführer einer Banker-Ehefrau verhängt. Es sprach den mittellosen Thailand-Auswanderer der Freiheitsberaubung, des erpresserischen Menschenraubs und der versuchten schweren räuberischen Erpressung schuldig.

Der Mann hatte die 46 Jahre alte Frau im Juni 2015 in ihrem Haus in Ottobrunn nahe München entführt und 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert. Sie konnte sich jedoch auf einem Parkplatz losreißen und fliehen. Den zwölfjährigen Sohn ließ der Mann im Haus der Familie mit Kabelbindern an die Heizung gefesselt zurück.

Mildernd wertete die Kammer, dass der Mann bisher nicht vorbestraft war, wenig professionell vorging, ein Geständnis abgelegt und sich entschuldigt hatte. Er habe den Plan zu der Tat gefasst, nachdem er in Thailand eine Diagnose bekommen habe, die ihn habe fürchten lassen zu erblinden - eine Behandlung hätte er sich nicht leisten können.

Familie kämpft mit den psychischen Folgen

Doch die Vorsitzende Richterin Sigrun Broßardt sagte auch, dass die Familie bis heute mit den psychischen Folgen kämpfe. "Die Familie wird wohl noch längere Zeit unter dem Eindruck der Tat leiden." Der Sohn konnte den Erpresserbrief lesen, in dem eine angebliche "Islamische Front" androhte, seine Mutter zu verkaufen oder zu ertränken. "Wie ging es dem Sohn, der an die Heizung angekettet lesen musste, was der Täter mit seiner Mutter alles vorhatte?"

Die entführte Frau wiederum stand Todesängste aus, während der Mann mit ihr im Wagen der Familie durch München kurvte. Sie habe dabei für sich die Entscheidung getroffen, mit ihrem Leben abzuschließen oder die Möglichkeit zur Flucht zu nutzen. Die zierliche blonde Frau, die als Nebenklägerin das Urteil verfolgte, nickte dazu. Sie hat die Entschuldigung des Täters ebenso wenig angenommen wie sein Angebot, 75 Prozent seines Verdienstes in der Haft als Ausgleich zu bezahlen.

Festnahme in Thailand

Wegen der Fehler, die der Täter gemacht habe, sei er schnell identifiziert worden, sagte die Richterin. Sie attestierte ihm aufgrund "einer Reihe von Punkten" mangelnde Professionalität. Über seine Handynummer, die er im Erpresserbrief aufgeschrieben hatte, aber auch Aufnahmen von Videokameras unter anderem auf dem Parkplatz konnten ihn die Ermittler schnell ausfindig machen. Der Mann wurde später in Thailand festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten gefordert. Anwalt Ahmed Adam argumentierte hingegen, sein Mandant habe der Frau die Flucht ermöglicht und damit seinen Tatplan freiwillig aufgegeben. Er hatte deshalb für eine wesentlich mildere Strafe von drei Jahren und neun Monaten Haft plädiert. Adam ließ zunächst offen, ob er Rechtsmittel einlegen will. Sein Mandant sei sichtlich reuig. "Dass er sich schämt für das, was er getan hat, ist offensichtlich."

msc/dpa

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