Putzfrau stahl Luxusartikel "Dann habe ich keinen anderen Ausweg gesehen"

Eine Putzfrau nutzte Geiz und Sorglosigkeit ihrer betuchten Kunden im Raum Starnberg aus - und klaute Luxusartikel im Wert von rund 400.000 Euro. Der Prozess gibt auch Einblick in die Lebenswelt der Reichen.

Häuser am Starnberger See
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Häuser am Starnberger See

Von , München


Wer viel Geld und Schmuck in seinem Haus lagert, sollte ganz genau schauen, wen er in sein Haus lässt. Doch einige wohlhabende und mitunter sogar sehr reiche Familien im Raum Starnberg ignorierten offenbar auf der Suche nach einer Putzfrau diese Binsenweisheit. Sie buchten über Internetportale wie Ebay-Kleinanzeigen die Dienste von Maria K.* Die 39-Jährige lebt seit vielen Jahren im Großraum München und inserierte dort ab 2016 unter falschem Namen als Reinigungskraft.

Die meisten Kunden luden Maria K. zum "Probearbeiten" ein - ohne Papiere versteht sich. Die Auftraggeber ließen sich nicht einmal einen Ausweis zeigen, bevor sie die ihnen völlig fremde Frau in ihre Häuser und Villen ließen. Nur wenige Kunden stellten Maria K. den Ermittlungsbehörden zufolge mit Arbeitsvertrag an, zudem war Maria K. bei einzelnen Kunden auch als Haushaltshilfe oder Pflegerin beschäftigt.

Die Sorglosigkeit ihrer Auftraggeber nützte die Mutter einer Tochter laut Staatsanwaltschaft schamlos aus. Zwischen Juli 2016 und Februar 2018 soll sie in 13 Haushalten Bargeld, Schmuck und andere Luxusartikel im Wert von über 400.000 Euro gestohlen haben: extrem teure Uhren etwa, Silberbesteck oder Nobel-Handtaschen.

"In eine finanzielle Schieflage geraten"

Nun steht Maria K. vor dem Münchner Landgericht. Bei der Prozesseröffnung legte sie ein weitgehendes Geständnis ab. An einige gestohlene Wertsachen könne sie sich aber nicht mehr erinnern. Mitunter deutet sie auch an, dass Auftraggeber der Polizei über die Luxusutensilien die Unwahrheit gesagt hätten. "Die Strickjacke habe ich ja noch an der Frau gesehen", sagt sie etwa über ein mutmaßlich gestohlenes Kleidungsstück.

Ihre Stimme klingt mitunter brüchig. Als Motiv für die Taten führt die Alleinerziehende Geldsorgen an. Ihre Anwältin sagt, ihre Mandantin sei "in eine finanzielle Schieflage geraten". Der Vater ihrer 2005 geborenen Tochter habe nur sporadisch Alimente bezahlt. Doch damit nicht genug. Sie habe ihm später öfter Geld gegeben - die Putzfrau spricht von geschätzt 20.000 Euro.

"Ich habe gehofft, dass er sich dann öfter um Christine* kümmert." Sie sei weitgehend ohne ein Elternteil aufgewachsen, sagt Maria K. "Das wollte ich bei meinem Kind nicht."

Woher das angeblich an den Kindsvater geflossene Geld kam, lässt die Angeklagte jedoch offen. Irgendwann sei sie wegen der mutmaßlich mangelnden Zahlungsmoral des Vaters ihrer Tochter selbst in Schwierigkeiten gekommen. "Dann habe ich keinen anderen Ausweg gesehen", sagt sie.

Angeklagte ist einschlägig vorbestraft

Der Kindsvater sitzt in der ersten Zuschauerreihe. Doch Maria K. blickt während der Verhandlung fast nur in Richtung Richterpult. Die Diebstähle seien Kurzschlussreaktionen gewesen, behauptet sie. Das Gericht will ihr das aber nicht abnehmen. Die gescheiterte Jurastudentin ist einschlägig vorbestraft - wegen Diebstahls und Betrugs. So half Maria K. einem Urteil zufolge etwa bei Überweisungen für aus betrügerischen Geschäften stammenden Gelder in die Ukraine.

In das Bild von der vom Schicksal gebeutelten Putzfrau passt auch nicht, dass sie nach eigener Aussage einige Zeit mit Aktien spekulierte: "Das hat mir sehr viel Spaß gemacht." Allerdings habe sie damit nur "durchwachsen Erfolg" gehabt.

Das Diebesgut habe sie größtenteils weiterverkauft. Vom Wert der geklauten Gegenstände will sie keine Vorstellungen gehabt haben. Der Vorsitzende Richter entgegnet: "Bei den Firmennamen weiß man, dass das nichts Billiges ist."

Manschettenknöpfe für 3000 Euro

Das lässt sich nur schwer bestreiten. Der Prozess gewährt auch Einblicke in die Lebenswelt der Bestohlenen - und ihre Sorglosigkeit. Bei ihrem ersten Coup im Juli 2016 stahl Maria K. nach eigener Aussage goldene Manschettenknöpfe im Wert von 3000 Euro. Zudem nahm sie laut Anklage auch einen Umschlag mit Bargeld im Wert von gut 15.000 Euro mit. Die Besitzer hielten es nicht für nötig, Bargeld und Manschettenknöpfe einzuschließen. Auch in anderen Häusern lagen Luxusutensilien mitunter offen herum.

Bei anderen Diebstählen klaute Maria K. einen Diamantring, Goldmünzen und einen Goldring, in einem anderen Fall mehrere Tausend US-Dollar aus einer Schublade, in noch einem anderen Fall 7000 Euro aus einem Pappkarton.

Am lukrativsten war für die Angeklagte das Ausräumen eines Anwesens in Berg nahe dem Starnberger See Anfang 2018. Über vier Monate hinweg hatte sie dort als Haushälterin gearbeitet. Irgendwann habe sie einen Hausschlüssel und einen Chip zum Abschalten der Alarmanlage gestohlen. Als die Hausherrin im Urlaub war, sei sie dann in das Haus eingedrungen und habe Bargeld und Schmuck im Wert von über 300.000 Euro gestohlen - darunter drei goldene Armbanduhren der Nobelmarke Chopard und weitere Modelle von Cartier, Rolex und Breitling.

Wegen der falschen Namen, die Maria K. angegeben hatte, kam ihr die Polizei lange nicht auf die Spur. In einem Fall hatte ein mutmaßliches Opfer jedoch eine Kamera im Haus installiert. Mit einem Bild der Verdächtigen war es für die Ermittler dann offenbar leicht, auf die mutmaßliche Täterin zu kommen - schließlich war Maria K. wegen ihrer Vorstrafen bereits aktenkundig. Ein Opfer erkannte sie zudem auf einem Foto.

Die Staatsanwaltschaft wird wohl eine lange Freiheitsstrafe für Maria K. fordern. Möglicherwiese könnte schon am morgigen Donnerstag ein Urteil fallen. Maria K. hofft auf eine milde Strafe: Wenn sie aus dem Gefängnis komme, werde sie künftig straffrei bleiben und sich vor allem um ihre Tochter kümmern, versprach sie dem Gericht.

* Namen geändert



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