Amokfahrer von Münster Jens R. arbeitete an Sprengfalle in Mehrfamilienhaus

Wollte Jens R. noch mehr Menschen töten? Nach SPIEGEL-Informationen stießen Ermittler in den Wohnungen des Amokfahrers von Münster auf ein enormes Waffenarsenal - und auf eine perfide Vorrichtung.

Wohnhaus von Jens R. in Münster
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Wohnhaus von Jens R. in Münster

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Der Amokfahrer von Münster hatte offenbar Vorbereitungen getroffen, noch mehr Menschen zu töten. Nach SPIEGEL-Informationen installierte Jens R. an der Tür einer seiner Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus in Münster eine potenzielle Sprengfalle. Sie war allerdings noch nicht funktionsfähig. "Eine zünd- oder explosionsfähige Einrichtung herzustellen, wäre möglich gewesen, allerdings nicht kurzfristig und ohne Aufwand", teilte die Polizei mit. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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In dem VW Bus, mit dem Jens R. seine Amokfahrt unternommen hatte, fanden die Ermittler eine Fernbedienung sowie zwei Kilogramm "Polenböller". Mit den im vorderen Teil des Fahrzeugs gefundenen Drähten richtig verbunden, hätten diese nach Einschätzung der Ermittler eine erhebliche Explosion verursachen können.

Insgesamt stieß die Polizei bei ihren Nachforschungen zu dem Todesfahrer von Münster auf Materialien, die Schlimmstes vermuten lassen: Neben zwei unbrauchbar gemachten Sturmgewehren des Typs AK-47 fanden sie in unterschiedlichen Wohnungen von Jens R. einen Vorderlader, ein halbes Dutzend Gasflaschen, zwei Behälter mit je 20 Litern Benzin, sechs Behälter mit je zehn Litern einer einschlägigen Flüssigkeit. Des Weiteren wurden Zündschnüre und Kunstharze sichergestellt. Nach Aussagen von Verwandten und Bekannten fühlte sich der 48-Jährige, der wohl unter einer psychischen Erkrankung litt, ständig verfolgt.

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Bei den beiden Kalaschnikow-Gewehren handelte es sich um sogenannte Dekorationswaffen. Die Sammlerstücke sind in zwielichtigen Kreisen auch deshalb so beliebt, weil sie sich relativ einfach beschaffen und sich ebenso so leicht wieder in scharfe Kriegswaffen zurückverwandeln lassen. Die islamistischen Attentäter von Paris setzten solche Gewehre ein, als sie im Januar 2015 unter anderem die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" überfielen. Auch in Neonazikreisen sind Dekorationswaffen beliebt.

Der wohl psychisch kranke Jens R. hatte am vergangenen Samstag seinen VW-Bus mit Campingausstattung in eine Menschenmenge in Münster gelenkt. Er verletzte zahlreiche Menschen und tötete zwei. Sich selbst erschoss er mit einer Pistole vom Typ Zastava Mod. 70, Kaliber 7,65 Millimeter. Die Ermittler prüfen nun, woher die in Jugoslawien hergestellte Waffe mit der Seriennummer 42109 stammte. Sie gehen nach SPIEGEL-Informationen Spuren nach Osteuropa nach. R. war mit seinem Wohnmobil häufiger in Bulgarien und in Tschechien unterwegs, womöglich auch auf dem Balkan.

In einem von ihm verfassten Dokument mit dem Titel "Warum?", das den Ermittlern vorliegt, behauptete Jens R., ein Bekannter namens W. habe ihm eine scharfe Waffe angeboten. Daraufhin durchsuchten Beamte am frühen Sonntagmorgen die Wohnung des W. in Telgte bei Münster. Allerdings entdecken sie nichts Belastendes. W., kurzzeitig in Gewahrsam genommen, kam wieder frei.

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