Frau starb in Badewanne - Urteil gegen Verlobten "Ihm war ihr Zustand gleichgültig"

Ein Mann ließ seine Verlobte rund eine Woche in einer Badewanne liegen, aus der sie sich nicht mehr befreien konnte - die Frau starb. Jetzt ist er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der Angeklagte (links) neben seinem Anwalt Oliver Lankes im Landgericht Münster
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Der Angeklagte (links) neben seinem Anwalt Oliver Lankes im Landgericht Münster


Das Landgericht Münster hat einen Mann zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seine Verlobte in einer Badewanne sterben ließ. Die knapp 150 Kilo schwere Frau aus Beckum in Westfalen war im Juni 2017 in die Wanne gestürzt und hatte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien können. Die 46-Jährige starb nach rund einer Woche an den Folgen einer Lungenentzündung.

Laut Urteil erkannte der Angeklagte die hilflose Lage seiner Verlobten. Er wurde wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen verurteilt. Der 59-Jährige habe der zunehmend apathischen Frau nicht aus der Wanne geholfen. Auch als die Situation lebensbedrohlich geworden sei, habe er keine Hilfe organisiert. "Ihm war ihr Zustand gleichgültig", sagte der Richter.

Nach dem Tod seiner Verlobten habe der 59-Jährige noch zwei Tage neben der Leiche gelebt, bevor er die Rettungskräfte alarmierte. Dabei gab er jedoch an, dass seine Verlobte einen Suizidversuch unternehmen wolle und deshalb schnelle Hilfe erforderlich sei. Wie sich später herausstellte, hatte die 46-Jährige ebenfalls versucht, einen Notruf abzusetzen. Ihr Handy hatte im Badezimmer aber offenbar keinen Empfang. Außerdem hatte sie mehrere Fotos und ein Video gemacht, die sie in ihrer hilflosen Lage zeigten.

Im Prozess hatte ihr Verlobter erklärt, dass die 46-Jährige jegliche Hilfe abgelehnt habe. Er habe sie daraufhin mit Lebensmitteln versorgt und ihr ein Handy, einen Tablet-Computer und eine Decke gebracht. Am Ende habe sie jedoch kaum noch gegessen und fast nur noch geschlafen. Eine Schuld am Tod seiner Verlobten wies der Angeklagte bis zuletzt zurück. Die Richter stellten jedoch fest, dass der 59-Jährige zum Einschreiten verpflichtet gewesen sei. "Ihm war bewusst, dass sie zu Tode kommen könnte", hieß es im Urteil.

bbr/dpa



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